Zweigeteilte Osterfestspiele – im April online, im Mai mit Publikum

Baden-Baden (cl) – Die „Osterfestspiele 2021“ der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden sind zweigeteilt: Zu Ostern selbst gibt es ein Online-Festival, im Mai spielt das Orchester hier vor Publikum.

Die Berliner Philharmoniker wollen Anfang Mai unter ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko die Tschaikowsky-Oper „Mazeppa“ im Baden-Badener Festspielhaus konzertant aufführen.  Foto: Frederike van der Straeten/Berliner Philharmoniker

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Die Berliner Philharmoniker wollen Anfang Mai unter ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko die Tschaikowsky-Oper „Mazeppa“ im Baden-Badener Festspielhaus konzertant aufführen. Foto: Frederike van der Straeten/Berliner Philharmoniker

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

„Um die Osterfestspiele 2021 ist intensiv gerungen worden – auf keinen Fall wollten Festspielhaus und Berliner Philharmoniker am Freitag wieder einen Totalausfall wie vor einem Jahr, als die Corona-Krise gerade begann, ankündigen. Diese Ostern wird es – angesichts der unsicheren Inzidenzlage – vom 1. bis 5. April ein Online-Festival im Stil des jüngsten Baden-Badener „Hausfestivals“ geben: mit Kammermusikensembles der Berliner Philharmoniker, einem Soloauftritt der renommierten Sopranistin Diana Damrau und einem Klavierkonzert der niederländischen Pianisten-Brüder Lucas und Arthur Jussen, live von der Festspielhausbühne aus in die Welt hinausgestreamt.
Und zusätzlich ist Anfang Mai ein verkürztes Präsenz-Festival mit den Berliner Philharmonikern geplant, dann treten sie in voller Mannschaftsstärke an. „Dieses Jahr ist Ostern in Baden-Baden im Mai“, brachte es Kirill Petrenko, der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, am Freitag beim Videopressegespräch mit Schalte von Baden-Baden via München bis Berlin die Sachlage auf den Punkt.
Für die Maifestspiele der Berliner Philharmoniker (vom 6. bis 9. Mai) ist, in Anlehnung an die große russische Musiktradition Baden-Badens, ein breites Programm russischer Komponisten geplant: Die Berliner wollen die selten gespielte Tschaikowsky-Oper „Mazeppa“, die ursprünglich für die Osterfestspiele szenisch vorgesehen war, konzertant aufführen. „Wir müssen momentan noch Abstriche machen, aber konzertant ist besser als keine Oper“, fügte Petrenko hinzu. Damit können die Baden-Badener Festspielgäste den neuen Chefdirigenten der Berliner mit seinem Orchester zumindest mit Abstrichen erstmals als Operninterpret kennen lernen, eigentlich war sein diesbezügliches Debüt am Pult der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden bereits 2020 mit Beethovens „Fidelio“ geplant.

Osterfestspiele 2022 in Baden-Baden wie gewohnt mit „Pique Dame“ als große Oper


Alles Schnee von gestern, die fertige Inszenierung samt Ausstattung ist eingelagert. „Wir brennen jetzt darauf, Kirill Petrenko als Operndirigent so wie ihn das Orchester der Münchner Staatsoper kennt, selbst leibhaftig zu erleben“, betonte Solocellist Olaf Maninger, der Medienvorstand der Berliner Philharmoniker. Fast alle Solisten der „Mazeppa“-Besetzung sind noch dabei: Die Sängerinnen und Sänger aller Hauptrollen, darunter Olga Peretyatko (Maria) und Vladislav Sulimsky (Mazeppa), haben bereits ihre Mitwirkung zugesagt. Außerdem soll es neben Tschaikowskys ‚Mazeppa‘ ein kompaktes wie attraktives Festivalprogramm mit Kammermusik und Sinfoniekonzerten geben, wie Andrea Zietzschmann, Intendantin der Berliner Philharmoniker, ankündigte. Die einmalige Baden-Badener Residenz der Philharmoniker im Mai sei möglich geworden, weil eine Spanien-Reise des Orchesters anlässlich des Europakonzerts am 1. Mai in der Sagrada Familia in Barcelona wegen unerfüllbarer Reisebedingungen und den Quarantäne-Regeln abgesagt werden musste.
Wenn es die Corona-Regeln des Landes es zulassen, soll die „Tschaikowsky“-Oper am 6. und 9. Mai in Baden-Baden vor Publikum erklingen; genauso wie die beiden Konzerte der Philharmoniker am 7. und 8. Mai. Mit rund 500 Besuchern pro Vorstellung plant das Festspielhaus – eine Mindestanzahl, um wirtschaftlich zu sein, wie Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa betonte.
Mit den zweigeteilten Osterfestspielen 2021 solle ein Signal des Optimismus ans Baden-Badener Klassikpublikum ausgesandt werden, ergänzte der Festspielhaus-Intendant – und gleichzeitig richtete Stampa den Blick nach vorne: 2022 sollen die Osterfestspiele (9. bis 18. April) wieder in gewohnter Form stattfinden. Der Russland-Schwerpunkt wird fortgeführt rund um die Tschaikowsky-Opern „Pique Dame“, diese in einer Neuinszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier, sowie die konzertant aufgeführte „Jolanthe“. In Konzerten wollen die Berliner Philharmoniker Igor Strawinsky ehren, anlässich des 50. Todestags des Komponisten, der sich kurz nach Ostern 2021 jährt – mit seinem „Sacre du printemps“, mit „Petruschka“ und „Der Feuervogel“. Drei der gefragtesten Sopranistinnen unserer Zeit, Anna Netrebko, Sonya Yoncheva und Asmik Grigorian, sind auch zu Ostern 2022 angekündigt worden.
So ambitioniert soll es in Baden-Baden weitergehen: Eine Absichtserklärung hat die Intendantin der Berliner Philharmoniker am Freitag ebenfalls abgegeben für die Osterfestspiele 2023/24: „Wir sind schon in der Detailplanung.“

Zum Thema: Zuschauer-Schnelltests


In großer Besetzung sind die Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko am Ostersonntag, 4. April, um 17 Uhr bei Arte zu erleben. Auf dem Programm steht die für den 20. März geplante Konzertaufzeichnung aus der Berliner Philharmonie mit Werken von Tschaikowsky und Rachmaninow; dabei erprobt das Orchester, unterstützt von der Charité, mithilfe von Schnelltests Konzerte mit Publikum. Die Übertragung am Ostersonntag solle als digitaler Ostergruß für Baden-Baden gelten, so Intendantin Andrea Zietzschmann – und ein „Testfeld“ für die Festspiele im Mai im Festspielhaus.

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