ZG Raiffeisen meistert die Corona-Krise bisher gut

Rastatt/Karlsruhe (tas) – Angesichts der schwierigen Lage vieler Branchen läuft das Geschäft der Karlsruher ZG Raiffeisen bisher vergleichsweise stabil. Denn das Unternehmen gilt als systemrelevant.

Erdbeerernte in Iffezheim: Der Einkommensdruck bei den Obst- und Gemüseerzeugern sorgt laut ZG Raiffeisen für Flächenreduzierungen. Foto: ZG Raiffeisen

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Erdbeerernte in Iffezheim: Der Einkommensdruck bei den Obst- und Gemüseerzeugern sorgt laut ZG Raiffeisen für Flächenreduzierungen. Foto: ZG Raiffeisen

Von Tobias Symanski

„Als systemrelevantes Unternehmen mussten wir in den vergangenen Monaten keine Niederlassung schließen und konnten einen normalen Geschäftsverlauf gewährleisten“, sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Ewald Glaser.

Am Mittwoch stellte er in Rastatt die Bilanz des Geschäftsjahres 2019 vor und gab auch einen Ausblick auf die laufende Entwicklung. „Mit Teamgeist, hoher Flexibilität, aber auch durch Zusammenhalt konnten trotz der widrigen Umstände zum Teil kräftige Umsatzzuwächse bewältigt werden“, lautet die Bilanz des ersten Halbjahres 2020. Trotz Lockdowns habe das Unternehmen beispielsweise einen zweistelligen Umsatzzuwachs bei den Raiffeisen-Märkten verzeichnet.

Trotz dieser positiven Signale bleibt Glaser bei seiner Prognose für das Gesamtjahr vorsichtig. „Die Landwirtschaft ist stark vernetzt.“ Produktionsprobleme in der fleischverarbeitenden Industrie oder die Absatzdelle bei den Bierbrauern könnten auf die bäuerlichen Erzeuger, die sich in der Produktionskette befinden, durchschlagen.

Für die ersten fünf Monate ergebe sich bei der ZG Raiffeisen-Gruppe ein Jahresüberschuss von 6,6 Millionen Euro, 4,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. „Über dieses Polster sind wir froh, es gibt uns ein Stück weit Sicherheit, denn wir wissen nicht, ob sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wirklich erholt – und inwiefern eine Rezession auch auf unsere Unternehmensentwicklung durchschlägt.“

Zudem hat der Genossenschaftschef auch einen kritischen Blick aufs Wetter – und damit auf die Ernte. Das Frühjahr sei insgesamt zu trocken gewesen, „was eine eher unterdurchschnittliche Ernte erwarten lässt. Wir lassen deshalb bei der Hochrechnung Vorsicht walten.“ Immerhin habe der Regen der vergangenen Wochen den Mais- und Sojabohnenbeständen gutgetan. Glaser: „Das sieht hervorragend aus.“

Sorgen macht sich der Genossenschafter aber um die Anbauer von Sonderkulturen im Obst- und Gemüsebereich. „Hier stehen alle Leuchten auf rot.“ Der anhaltende Einkommensdruck in den Obst- und Weinbaubetrieben führe zu Flächenreduzierungen und zu einer Investitionszurückhaltung. „Die Kosten steigen, die Erzeugerpreise sinken, das hält keiner lange durch – auch nicht die größeren Betriebe.“ Die Corona-Krise und fehlende Erntehelfer seien nur ein Teilaspekt. „Die strukturelle Problematik macht uns viel größere Sorgen“, sagt Glaser. „Sollte es nicht gelingen, relativ bald eine Trendwende einzuleiten, sehen wir den Obst- und Gemüsegarten Baden in Gefahr.“

Aufgrund der derzeitigen Unsicherheiten legt auch die Genossenschaft Investitionsprojekte auf Eis, beispielsweise Neuerungen im Kraftfutterwerk in Kehl. Zudem trete das Unternehmen derzeit bei Neueinstellungen auf die Bremse. Im Geschäftsjahr 2019 hatte die ZG Raiffeisen-Gruppe 21,3 Millionen Euro investiert und die Zahl der Mitarbeiter bei knapp 1900 konstant gehalten.

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Erstellt:
24. Juni 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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