Wiener Neujahrskonzert: „Botschaft der Hoffnung“

Wien (cl) – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird 2021 aus dem leeren Musikvereins-Saal ausgestrahlt. „Wir wollen eine Botschaft der Hoffnung in die Welt senden“, sagt Dirigent Muti.

Sitzen dank ausgeklügelter Teststrategie wie gewohnt eng beisammen: Maestro Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker hier bei den Proben fürs Neujahrskonzert im Großen Saal des Wiener Musikvereins.  Foto: Dieter Nagl/Wiener Philharmoniker

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Sitzen dank ausgeklügelter Teststrategie wie gewohnt eng beisammen: Maestro Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker hier bei den Proben fürs Neujahrskonzert im Großen Saal des Wiener Musikvereins. Foto: Dieter Nagl/Wiener Philharmoniker

Von Christiane Lenhardt

In mehrfacher Hinsicht wird es ein einzigartiges Neujahrskonzert in Wien geben: Erstmals in seiner Geschichte wird der weltweit ausgestrahlte Auftritt der Wiener Philharmoniker am 1. Januar 2021 pandemiebedingt ohne Publikum im Goldenen Saal des Musikvereins stattfinden. Dafür wieder vor einem Millionenpublikum draußen vor den Bildschirmen, rund 90 Nationen werden zugeschaltet. Wie gewohnt überträgt der ORF ab 11.15 Uhr auch dieses 81. Neujahrskonzert live, internationale Sender, wie das ZDF, schließen sich an.
Neben dem beliebten Walzerprogramm von Johann Strauß Vater und Söhne wie dem populären „Frühlingsstimmen-Walzer“ oder dem „Venetianer-Galopp“, stehen auch Komponisten auf dem Programm, die die Wiener Philharmoniker noch nie bei dieser Gelegenheit gespielt haben.
Zum sechsten Mal steht dabei der italienische Dirigent Riccardo Muti am Pult des hochkarätigen Kulturereignisses, das die Wiener Philharmoniker und ihre Partner auf gar keinen Fall ausfallen lassen wollten – wie all die anderen Kultur- und Musikereignisse, die dem Coronavirus bisher zum Opfer gefallen sind und sicher noch bis Mitte des anbrechenden Jahres fehlen werden.
„Wir wollen in diesen Zeiten eine positive Botschaft in die Welt hinaus senden“, sagte Orchestervorstand Daniel Froschauer bei der Online-Pressekonferenz aus dem leeren Wiener Musikvereinssaal. Dafür nehmen die Musiker und auch Dirigent Muti seit Wochen tägliche Corona-Tests in Kauf und morgendliche Messungen. „Wir wollen das Konzert auf jeden Fall gesund aufführen“, so Froschauer.

Plaudern vorab übers Neujahrskonzert in Wien (von links): Stephan Pauly, Intendant des Musikvereins, Orchestervorstand Daniel Froschauer, Dirigent Riccardo Muti und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.  Foto: Dieter Nagl/Wiener Philharmoniker

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Plaudern vorab übers Neujahrskonzert in Wien (von links): Stephan Pauly, Intendant des Musikvereins, Orchestervorstand Daniel Froschauer, Dirigent Riccardo Muti und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Foto: Dieter Nagl/Wiener Philharmoniker


Für Dirigent Muti steht das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Zeichen der Überwindung der Corona-Krise. „Wir brauchen einfach Hoffnung“, sagte er. „Auch ohne Publikum im Saal, aber mit dem Publikum rund um die Welt senden wir diese Botschaft von Frieden, von Hoffnung.“
Der bald 80-jährige Neapolitaner wird das Neujahrskonzert zum sechsten Mal dirigieren. Die Musik der Walzer-Dynastie Strauß bringe Freude, Nostalgie, aber auch Traurigkeit zum Ausdruck und sei vor allem ein Geschenk für die Zuhörer, so Muti. Prägen will er das Traditionskonzert durch ein italienisches Programm. Zum Auftakt haben die Wiener Philharmoniker ein Debüt eingeplant, mit dem „Fatinitza-Marsch“ von Franz von Suppè. Den Muti als „halben Italiener“ bezeichnete und dessen Musik Elemente der italienischen Oper und typisch österreichische Klangtradition in sich trage.

„Bad’ner Mad’ln“ von Karl Komzák neu auf dem Programm der Wiener Philharmoniker


Zu den Premieren beim Neujahrskonzert 2021 zählen auch Carl Zellers „Grubenlichter“, die Polka „In Saus und Braus“ von Carl Millöcker und die „Bad’ner Mad’ln“ von Karl Komzák. „Für eine ,Polka schnell‘ brauche es eigentlich Reaktionen des Publikums im Saal“, so Muti – „das geht aber leider nicht.“ Der ORF will deshalb Live-Applaus von rund 7 000 ausgewählten Zuschauern zur Abrundung der stets heiteren Stimmung beim Neujahrskonzert online zuschalten, verkündete Senderchef Alexander Wrabetz.
Auch wenn es stets wirke wie ein heiterer Spaziergang im Garten: „Das Konzert ist nicht einfach“, gibt Muti zu Bedenken – für ihn nicht, aber auch nicht fürs Orchester. Vor seinem ersten Neujahrskonzert 1993 habe er eine schlaflose Nacht gehabt, erinnert sich der italienische Maestro. Es gehe darum, eine Mischung aus den Ideen des Dirigenten und der dem Orchester innewohnenden Tradition herzustellen. „Das ist jedes Jahr eine Herausforderung.“ Seit 50 Jahren verbindet Riccardo Muti eine enge Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern, die er bislang nach Orchesterangaben rund 550 Mal dirigiert hat, längst ist er Ehrenmitglied des Orchesters.
Die Walzer-Klänge aus Wien werden nach Angaben der Wiener Philharmoniker von rund 50 Millionen TV-Zuschauern verfolgt. Der ORF produziert das Konzert in High-Definition-Qualität und in Dolby-Digital 5.1. 40 Mikrofone werden im Goldenen Saal des Musikvereins aufgestellt sein und 14 Kameras. Es solle ein starkes Signal sein, das die Musik aus Wien in dieser hohen Qualität in die Herzen der Musikliebenden auf der ganzen Welt sende, sagte ORF-Direktor Wrabetz.
Der Intendant des Wiener Musikvereins, Stephan Pauly, erinnerte daran, dass dank der Sicherheitskonzepte während der Öffnung der Konzertsäle in Wien im September und Oktober unter 25 000 Besuchern kein einziger Corona-Fall verzeichnet worden sei. Jetzt solle das Neujahrskonzert auch in der Hoffnung stattfinden, dass es 2021 wieder besser werde für die Musik- wie alle anderen Kulturveranstalter. „Und wenn der Radetzky-Marsch am Ende des Konzerts erklingt“, dann, so Dirigent Muti, „relaxen alle auf dem Podium.“

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Erstellt:
1. Januar 2021, 08:30 Uhr
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