Vorsicht vor Datenklau: „Crawlers“-Schau im ZKM

Karlsruhe (cl) – Spiel mit Daten: In Alexander Schuberts „Crawlers“-Schau im ZKM Karlsruhe werden Fake-Identitäten aus echten Profilen geschaffen. Für Datenmissbrauch soll sensibilisiert werden.

Kleines Rechenzentrum auf dem Museumsbalkon: Installationsansicht der „Crawlers“-Schau, wie sie nach dem Lockdown auch im ZKM zu besuchen sein wird.  Foto: ZKM/Videostudio

© pr

Kleines Rechenzentrum auf dem Museumsbalkon: Installationsansicht der „Crawlers“-Schau, wie sie nach dem Lockdown auch im ZKM zu besuchen sein wird. Foto: ZKM/Videostudio

Von Christiane Lenhardt

Die Cyberwelt ist zum Mittelpunkt unserer Lebens- und Arbeitswirklichkeit geworden. Sie öffnet dem Nutzer grenzenlose Informationswelten und Abermillionen Kontaktmöglichkeiten. Der Einzelne kann sich in diesem weltumspannenden Datennetz immer weiter verlieren – gesteuert von einem „Superhirn“ hinterlässt man, oft sogar ohne es zu wollen, jede Menge eigene Daten, die abgegriffen und von Unbekannten profitabel genutzt werden. Dabei werden die eigenen Daten, die bewusst eingegebenen wie die digital gesetzten, auch ausgenutzt und manipuliert. Crawling heißt die Technik in Computer und im Internet, die den Daten-Überfluss von uns sammelt.
Um Datensammeln und Datendiebstahl im Netz sowie die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz im Museum dreht sich die neue Ausstellung „Crawlers“ im ZKM Karlsruhe, die das Zentrum für Kunst und Medien am 6. Januar im Rahmen seines „Tags der offenen Tür“ eröffnet. Pandemiebedingt findet alles im Netz statt – die Ausstellung ist als Hybrid-Format angelegt und wird, wenn die Museen in Baden-Württemberg wieder öffnen dürfen, bis 4. April im ZKM-Hallenbau zu sehen sein.
Der Medienkünstler Alexander Schubert hat mit seiner netzbasierten Kunstinstallation „Crawlers“ ein anonymes Kollektiv sozialer Bots entworfen, die Daten von realen Benutzern sammeln und damit ein paralleles soziales Netzwerk aus verzerrten Wahrheiten und gestohlenen persönlichen Informationen aufbauen. „Unsere Absicht ist es, für die Elemente, die dahinter stecken, zu sensibilisieren“, sagt Kurator Yannick Hofmann – es geht um lernen und schrecken“.
„Crawlers“ entwerfe ein soziales Netzwerk – aufgebaut ähnlich wie Facebook –, das allerdings versuche, aus Bots Fake-Identitäten herzustellen. Diese künstlich hergestellten Bots operieren wie Menschen agieren würden, die in sozialen Netzwerken ihre persönlichen Daten und Fotos hinterlassen, erklärt Hofmann. „Die Bots schreiben Kommentare und posten Like-Buttons, all diese Daten der User, die von den sozialen Netzwerken so im Allgemeinen abgeschöpft werden.“ In Schuberts künstlerischer Versuchsanordnung würden Postings und textuelles Feedback gegeben, Profilbilder vermeintlicher Nutzer abgegriffen, per Bildbearbeitung verzerrt, um die User-Daten mittels eines Algorithmus zu verfremden und zu Fake-Identitäten zu manipulieren. „Damit werden gespiegelte Profile hergestellt“, sagt Hofmann.

ZKM-Kurator Hofmann: „Wie politisch motivierte Meinungsroboter unsere Daten nutzen“


Zunächst liefern die Online-Besucher ihre Daten für das ZKM-Kunstwerk, die, unkenntlich gemacht, zu Fake-Profilen werden, später erfolge die Eingabe vor Ort im ZKM. Sich durch die KI des ZKM ganz neue Identitäten zu geben, mache natürlich auch Spaß. Und es sei faszinierend zu sehen, was die Technologie heute schon leisten könne, wie die Algorithmen der Künstlichen Intelligenz in unsere persönlich angelegten Profile eingreifen – aber es sei zugleich auch problematisch.
„Man kann sehen wie intensiv und oft ohne Problembewusstsein wir Infos über uns in den sozialen Netzwerken preisgeben, wie wir uns verhalten, unseren Bestand an angeblichen neuen Freunden mehren, ohne diese wirklich zu kennen“, erläutert Hofmann. „Die Schau zeigt, wie gerade politisch motivierte Meinungsroboter unsere Daten nutzen und sich damit bereichern, denn längst werden die Daten als Zahlungsmittel genutzt.“ Nach dem Ende der Ausstellung würden natürlich keine persönlichen Daten gespeichert bleiben, versichert Hofmann. „Wir remixen und verfremden alles – alles ist juristisch abgesichert.“
Alexander Schuberts „Crawlers“ ist das erste Kunstwerk im Rahmen des bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Das intelligente Museum“ und wird vom Programm „Kultur Digital“ der Bundeskulturstiftung gefördert. Es geht dabei um die Erforschung der Künstlichen Intelligenz, und der KI als Schnittstelle für intelligente Museumsarbeit, nicht nur für den Online-Bereich in der Corona-Zeit. „Das digitale Museum wird immer stärker werden, Ausstellungen werden künftig noch stärker von Online-Elementen begleitet werden, neue Zugänge herstellen“, prognostiziert Hofmann – und fügt hinzu: „Das Museum vor Ort wird immer ein starkes Erlebnis für den Besucher sein.“
„Crawlers“ ist auf dem Museumsbalkon wie ein großes Rechenzentrum eingerichtet worden. In der Mediencollage aus 20 Bildschirmen können die User-Profile eingesehen und Redeprozesse nachvollzogen werden. Die Kooperation mit dem Deutschen Museum München wird anschließend auch im Zukunftsmuseum Nürnberg, dem Partnerinstitut der Münchner, gezeigt.

Um diesen Artikel weiterzulesen, müssen Sie ein Login für BT Digital haben.
Sie sind bereits registriert? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Sie interessieren sich für einen BT Digital Zugang? Dann finden Sie hier unsere Angebote.

Zum Artikel

Erstellt:
5. Januar 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 00sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen