Vor dem Lockdown wird noch eifrig Theater gespielt

Baden-Baden (cl) – Trotz ausgefeilter Hygienekonzepte: Theater und Kinos müssen ab 2. November schließen. Über das kommende Wochenende spielen die Häuser in Baden-Baden und Karlsruhe noch weiter.

Erst verschoben, jetzt kommt sie am Samstag noch kurz vor dem Lockdown: Die „Mephisto“-Premiere im Theater Baden-Baden.  Foto: Jochen Klenk/TBB

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Erst verschoben, jetzt kommt sie am Samstag noch kurz vor dem Lockdown: Die „Mephisto“-Premiere im Theater Baden-Baden. Foto: Jochen Klenk/TBB

Von Christiane Lenhardt

Der nun beschlossene Lockdown ab Montag, 2. November, trifft auch die Kulturinstitutionen hart: Theater, Opern, Konzerthäuser, Kinos – alle „Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen“ – sollen bis Ende des Monats schließen. Der Deutsche Bühnenverein hatte im Vorfeld der Beratungen von Bund und Ländern noch gewarnt, dass neue Einschnitte unverhältnismäßig seien und großen gesellschaftlichen Schaden anrichten würden.
Die finanziellen Folgen des Lockdowns vom Frühjahr haben die Bühnen in Not gebracht, die seit Sommer geltenden eingeschränkten Zuschauerzahlen und teuren Hygienekonzepte die prekäre Lage verschärft. Kurz vor dem Bund-Länder-Beschluss haben einige Theater, darunter das Nationaltheater Mannheim und das Württembergische Staatstheater Stuttgart, noch auf die zum Saisonstart erfolgten ausgeklügelten Corona-Hygienekonzepte hingewiesen, die Besuche weiter möglich machen würden. Auch der Kinoverband äußerte sich ähnlich.
Bevor die Theatervorhänge zu bleiben müssen, wollen die Institutionen von Baden-Baden bis Karlsruhe noch ihre Spielpläne aufrecht erhalten: Premiere, Wiederaufnahme und ein Chorfestival stehen an.
Das Theater Baden-Baden wird seine bereits verschobene „Mephisto“-Premiere am Samstag stattfinden lassen, wie auf BT-Nachfrage bestätigt wurde. Der ursprüngliche Starttermin der Neuinszenierung war wegen eines Corona-Verdachtfalls, der sich nicht bestätigte, ausgefallen. Auch am Feiertag, 1. November, ist eine weitere Aufführung vorgesehen. Für die Kids soll es am Samstag auch noch ein „Halloween“-Lesung im TiK geben.
Das Festspielhaus Baden-Baden kann ebenfalls sein geplantes großes Chorfestival mit Thomas Hengelbrock und den Balthasar-Neumann-Ensembles (von Freitag bis Sonntag) noch durchbringen. Die in den nächsten Wochen geplanten Auftritte – von Cecilia Bartoli, Konzerte mit Kirill Petrenko, Julia Fischer, Elina Garanca bis Jazztrompeter Till Brönner – fallen in die Zeit des Lockdown. Zu den Folgen der Schließung äußerte sich das Festspielhaus nicht.

Bühnenverein: „Heftiger Schlag für kleine Privattheater“


Das Badische Staatstheater Karlsruhe bringt noch große Oper: Die Wiederaufnahme von Verdis „La Traviata“ um die lungenkranke Kurtisane wird am Freitag zweimal konzertant mit dem Opernensemble stattfinden. Wegen der Pandemie wird die für Sonntag angekündigte Lesung mit Wolfgang Schorlau verschoben.
Die Kinos der Region zeigen ihr Programm noch übers Wochenende. Seit Monaten hätten Kinobetreiber laut ihres Dachverbands dafür gearbeitet, den Menschen ein sicheres Kinoerlebnis zu ermöglichen. Der Constantin-Filmverleih hat sogar Filmstarts vorgezogen, um die verschobenen internationalen Blockbuster-Premieren zu kompensieren: „Drachenreiter“ nach Cornelia Funkes Kinderbuch-Bestseller und das „Jim Knopf „-Abenteuer laufen bereits. Am 12. November hätte das „Kaiserschmarrndrama“ mit dem als „bayrischer James Bond“ betitelten Franz Eberhofer anlaufen sollen, anstatt des ausgefallenen 007-Starttermins. „Der erneute vierwöchige Teil-Lockdown, von dem auch die Kinos betroffen sind, wird weitere Häuser die Existenz kosten“, warnt Christine Berg, Vorstand des Kino-Verbands. Das Kinojahr werde mit Verlusten von rund einer Milliarde Euro abschließen. „Das ist nicht zu verkraften“, sagt sie.
Die Kulturverbände: „Das wäre ein heftiger Schlag und für kleine Privattheater schnell existenzbedrohend“, warnte der geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne, vor einem erneuten Lockdown. Ein Verbot aller Veranstaltungen wäre eine erneute extreme Schwächung der bereits sehr angeschlagenen Kulturszene, meinten auch Musiker wie Veranstalter.
Der Deutsche Museumsbund forderte, die Ausstellungshäuser nicht zu schließen. Bisher gebe es „keine gemeldeten Fälle von Museen als Infektions-Hotspots“. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden bringt am Wochenende schnell noch die Eröffnung der Retrospektive für die österreichische Performance-Pionierin Valie Export über die Bühne.

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