Vier Fragen zu den sozialen Netzwerken

Karlsruhe (ml) – Austausch in Zeiten der Kontaktsperren: Wie verändert das die sozialen Netzwerke? Konstantin Maier, Social-Media-Experte bei den „netzstrategen“, einer Karlsruher Unternehmensberatung für digitale Strategien, hat uns dazu vier Fragen beantwortet.

Plädiert dafür, auch mal das Handy wegzulegen: Konstantin Maier. Foto: netzstrategen

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Plädiert dafür, auch mal das Handy wegzulegen: Konstantin Maier. Foto: netzstrategen

Von Markus Langer

BT: Herr Maier, laut dem Karlsruher Kommunikationswissenschaftler Prof. Markus Lehmkuhl greifen die Menschen in Krisenzeiten verstärkt auf journalistische Inhalte zurück, zugleich wird die Bedeutung des persönlichen Austauschs größer. Welche Verschiebungen stellen Sie fest? Werden mehr Beiträge professioneller Anbieter geteilt und kommentiert?

Konstantin Maier: Auch wir stellen bei unseren Kunden wie auch bei der Auswertung der Daten aus den Netzwerken insgesamt fest, dass die Menschen durch die Isolation insgesamt viel Zeit in den Social-Media-Netzwerken verbringen. Der Mangel an Kontakt zur Außenwelt wird verstärkt über digitale Medien „nachgeholt“. Das merken wir auch an den erhöhten Interaktionen. Je nach Branche hat das Coronavirus auch Auswirkungen auf die Frequenz der Kommunikation. Bei Verlagen spüren wir hier deutlich, dass mehr Beiträge produziert, aber auch gelesen und kommentiert werden. Es ist ja ganz einfach: Je mehr Zeit wir in Social Media verbringen, desto mehr Inhalte können uns erreichen und das nutzen Unternehmen aktuell auch.

BT: Haben sich die geteilten Inhalte im Verlauf der Krise verändert?

Maier: Es gibt natürlich sehr viele Arten mit dem Virus in der Kommunikation umzugehen. Wir beobachten hier auf der einen Seite sehr viel Informationsdurst bei den Nutzern, was Verlage oder andere Unternehmen gerne aufnehmen. Andererseits entsteht dadurch, dass der Virus so plötzlich in unser Leben getreten ist, viel Spontanität: Künstler streamen ihre Konzerte live, Gastronomen stellen auf Lieferservice um und kommunizieren dies über Social Media zum Beispiel. Insgesamt würde ich jetzt nicht sagen, dass die Beiträge plötzlich alle hochwertig und informativ geworden sind. Aber ein gewisser Konsens ist spürbar, dass niemand das Thema Corona auf die leichte Schulter nehmen will.

BT: Wie haben sich die Kommentare verändert?

Maier: Das kommt natürlich darauf an, welche Kommentare man sich anschaut. Social Media hatte schon immer viel Potenzial, eine blühende Diskussionskultur hervorzubringen. Natürlich artet es teils an völlig unerwarteten Stellen, wie beispielsweise bei einem sachlichen Bericht der der Tagesschau, aus. Hier wird deutlich, dass die Gesellschaft in vielen Themen sehr gespalten ist. Eine hitzige Diskussion, im schlimmsten Fall noch anonym geführt, gießt hier oft nur unnötig Öl ins Feuer. Doch auch hier gibt es mittlerweile tolle Aktionen wie #ichbinhier, um die Diskussion zumindest unter halbwegs höflichen Vorzeichen zu führen.

BT: Glauben Sie, dass sich die sozialen Netzwerke durch die derzeitige Krise verändern werden?

Maier: Ich hoffe sehr, dass wir alle aus der Krise Schlüsse ziehen. Am Ende geht es nicht darum, ob die Netzwerke sich verändern, sondern wir Menschen im gemeinsamen Miteinander. Social Media sowie das Internet sind letztlich nur Werkzeuge; wie sie genutzt werden, hängt von uns allen ab. In den letzten Jahren ist das gesellschaftliche Klima an vielen Stellen hochgekocht. Ich hoffe, durch Corona lernen wir auch wieder, uns auf die Dinge zu besinnen, die wichtig sind: Gemeinsam Dinge erreichen, solidarisch sein mit den Schwachen, lokalen Unternehmern helfen und auch mal das Handy weglegen – und das sag ich als Digital-Nerd.

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Erstellt:
5. April 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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