Vermächtnis: Sindelfingen feiert Kunstsammler Lütze

Sindelfingen/Rastatt (cl) – 30 Jahre Sammlung Lütze in Sindelfingen: Die Galerie der Stadt präsentiert das Vermächtnis des 2014 gestorbenen Stuttgarter Kunstsammlers mit neuem Raumkonzept. Auch die Städtische Galerie Fruchthalle in Rastatt profitierte in den 1990er Jahren von dem noblen Kunststifter Diethelm Lütze und erhielt eine große Grafiksammlung.

Spiel von Licht und Schatten: Die abstrakte Grafik von Marta Hoepffner (1937) ist ein Highlight der Sammlung Lütze.  Foto: Galerie Sindelfingen

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Spiel von Licht und Schatten: Die abstrakte Grafik von Marta Hoepffner (1937) ist ein Highlight der Sammlung Lütze. Foto: Galerie Sindelfingen

Von Christiane Lenhardt

Der Stuttgarter Kunstsammler Diethelm Lütze war einer der honorigsten Kunststifter in Baden-Württemberg, kultiviert und bescheiden im Auftreten. 2014 starb der Liebhaber der Kunst 83-jährig unter tragischen Umständen. Seine große Sammlung an Gemälden, Skulpturen und Grafiken brachte Lütze bereits frühzeitig umsichtig unter: Die Galerie Stadt Sindelfingen erhielt zirka 1 100 Werke und feiert jetzt ihr 30-Jähriges – und zugleich das der noblen Schenkung – mit einer stattlichen Neupräsentation des Lütze-Konvoluts.
Unter den Gabenempfängern ist auch die Städtische Galerie Fruchthalle in Rastatt gewesen. Zu ihrem Start 1993 stiftete Diethelm Lütze großzügig ein Großteil seiner gut bestückten Grafiksammlung baden-württembergischer Künstler: Sie wurde zum Grundstock der städtischen Sammlung „Kunst in Baden nach 1945“. Allerdings war sie in den vergangenen Jahren hier kaum mehr zu sehen.

Grafiksammlung Lütze nach Rastatt gegangen


Coronabedingt konnte die neue Sindelfinger Präsentation nicht planmäßig, sondern erst jetzt eröffnet werden. Die Galerie im Stadtzentrum Sindelfingens ist in einem klassizistischen Bau untergebracht, der von dem Berliner Architekten Josef Paul Kleihues zu einem Museum umgebaut und mit einem Neubau in Form eines Oktogons erweitert wurde. Zur Eröffnung 1990 erhielt das Ausstellungshaus mit der Sammlung Lütze bedeutende Werke moderner und zeitgenössischer Kunst. Im „Kabinett Lütze“ gibt es seit damals einen dauerhaften Blick auf die Sammlung. Insgesamt umfasst sie Kunst vom 19. bis ins späte 20. Jahrhundert; repräsentiert sind darin auch die Stilrichtungen der wichtigen deutschen Kunstakademien von Karlsruhe, Stuttgart und München.
Zum Jubiläum hat Galerieleiterin Madeleine Frey mit einer Auswahl von 50 Gemälden, Grafiken und Plastiken ein völlig neues Raumkonzept auf 750 Quadratmetern Ausstellungsfläche für die Sammlung entwickelt, wie sie im BT-Gespräch erklärte. Zwei zusätzliche Räume sowie das „Lütze-Kabinett“ selbst stehen aktuell zur Verfügung. „In der Ausstellung ,Out of the Dark‘ haben wir die Sammlung aus dem Dunkeln ans Licht geholt“, erklärte Frey – quasi aus dem Kellergeschoss bis ins zweite Stockwerk hinauf reicht sie nun.

Lichtkunst von Dan Flavin aus Sammlung Froehlich


Thematisch geordnet erfolgen friedliche oder romantische Nachtstücke neben bedrohlichen Landschaftsdarstellungen: etwa von dem Münchner Malerfürsten Franz von Stuck eine Schäferszene gemeinsam mit Nachtleben in der Großstadt anderer Künstler. Bilder von traumatisierenden Erfahrungen der beiden Weltkriege sind zu sehen, ebenso die abstrakte Hommage der Willi-Baumeister-Schülerin Marta Hoepffner an den Komponisten Manuel de Falla aus der Zwischenkriegszeit, ein Spiel von Licht und Schatten. Konkrete Kunst wechselt sich ab mit Werken der ZERO-Künstler, zu sehen auch eine Arbeit des Künstlerstars Anselm Kiefer aus Rastatt.
Die Galerie stellt die Sammlung Lütze in den Kontext zu einer Leihgabe aus der renommierten Stuttgarter Sammlung Froehlich: von Lichtkünstler Dan Flavin. Auch drei junge Künstler – Steffen Osvath, Benjamin Hönsch und Anna-Maria Bogner – formulieren in ihren Werken Widersprüche, aber auch Annäherungspunkte an die älteren Kunstpositionen: ein kuratorisches Kernanliegen des Hauses, wie Galerieleiterin Frey erklärte. Die Schau ist bis 30. August zu sehen.
Homepage der Galerie Stadt Sindelfingen

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Erstellt:
17. Mai 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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