Vier Fragen an: Dani Levy

München (dpa) – Erst hatte nur Marc-Uwe Kling ein Känguru bei sich zu Hause. Nun hat sich bei Regisseur Dani Levy eines eingenistet. Und im Film „Die Känguru-Chroniken“ kommt es nun in die Kinos.

Regisseur Dani Levy. Foto: Britta Pedersen/dpa

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Regisseur Dani Levy. Foto: Britta Pedersen/dpa

Früher war der Regisseur Dani Levy selbst in der Hausbesetzer-Szene. Dass der 62-Jährige nun „Die Känguru-Chroniken“ nach den Bestsellern von Marc-Uwe Kling verfilmt hat, erscheint da nur konsequent. Schließlich geht es darin um ein freches Beuteltier mit Hang zum Kommunismus, das sich und seinen Besitzer Marc-Uwe mit seiner großen Klappe immer wieder in große Bedrängnis bringt und auch politisch ganz dezidierte Ansichten hat. Im Interview mit Cordula Dieckmann (dpa) erzählt der in Berlin lebende Filmemacher („Alles auf Zucker“) von diesem besonderen Dreh.

BT: Wie war es, mit Marc-Uwe Kling zu drehen? Er hängt ja sehr an dem Känguru.

Levy: Das ist sein Baby, das stimmt. Er hat einen fast väterlichen Reflex, es zu beschützen und zu bewahren. Er lebt seit 15 Jahren in diesem Känguru-Universum. Er hätte den Film vielleicht sogar gerne selber gemacht. Aber da er kein Filmemacher ist, war es für ihn wichtig, so nah wie möglich dran zu sein und alle Entscheidungen mit treffen zu können. Am Set war er aber nicht dabei.

BT: Die Bücher sind ja in kurzen Episoden erzählt. Wie haben Sie das zu einem Film verarbeitet?

Levy: Uns war klar, dass es nicht einfach sein würde, aus den Hörbüchern einen Film zu machen. Man braucht ja im Film eine Art von Geschichte oder Entwicklung. Wir haben lange Ideen gewälzt, bis wir dann etwas gefunden haben, was dem Film eine Handlung gibt, ohne den Spirit der Bücher zu verraten. Für mich als Autor war es in dieser Phase nicht einfach, mit dem Buchautor zusammen zu arbeiten, der so genau wusste, was er wollte. Andererseits fühlte ich mich sehr sicher, dass er dabei war. Er war für mich der Garant, dass wir der Marke treu bleiben.

BT: Sollte jeder so ein Känguru haben?

Levy:: Keine Ahnung. Vielleicht ist das Känguru die unausgelebte Persönlichkeit des braven Bürgers, der sich bestimmte Dinge nicht traut. Der sich nicht traut, aktionistisch zu sein, zu sagen, was er denkt. Der sich nicht traut, bestimmte Sachen zu machen, weil er zu schüchtern oder guterzogen ist. Auch wenn man kein Känguru hat, wäre es vielleicht gut, ein zweites Ego zu haben, das einen manchmal schubst und sagt, mach doch, sei nicht so feige. Aber haben wir diese Stimmen nicht eh in uns?

BT: Es gibt vier Bücher. Planen Sie bereits einen zweiten Film?

Levy: Ich denke, das hängt vom Erfolg ab. Aber man wäre ja blöd, wenn man nicht weitermacht. Es gibt noch so viele gute Geschichten in den Büchern. Ich hoffe einfach, dass die Leute spüren, dass es eine kräftige Stimme gibt, die sich für kulturelle Freiheit ausspricht und nicht für Konformismus. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass Rassismus oder kulturelle Ausgrenzung zum guten Ton werden, und dass wir uns irgendwann mal daran gewöhnen.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 6 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
1. März 2020, 05:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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