Spaß mit „Giessela“ in Junger Kunsthalle

Karlsruhe (red) –„Volle Kanne Kunst“: Ein Karlsruher Künstlerduo hat die Junge Kunsthalle umgestaltet. Grüne Gießkannen werden zu Wandobjekten, Krabbeltieren und Watschelenten. Zu sehen bis März 2021.

Pflegeleicht und anpassungsfähig: Das Karlsruher Künstlerduo namens „Das Änderungsatelier“ hat sich für die grüne Einheitsgießkanne allerhand einfallen lassen.  Foto: Tom Kohler/Junge Kunsthalle

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Pflegeleicht und anpassungsfähig: Das Karlsruher Künstlerduo namens „Das Änderungsatelier“ hat sich für die grüne Einheitsgießkanne allerhand einfallen lassen. Foto: Tom Kohler/Junge Kunsthalle

Von Georg Patzer

Sie turnen an den Fenstern hoch oben im ersten Stock, schaukeln über der Eingangstür hin und her, und auch hinter dem Haus tummeln sich die grünen Gestalten. Krabbeln an den Bäumen hoch, spielen Überwachungskamera, lugen arrogant oder neugierig hinunter in den Botanischen Garten.
In der Jungen Kunsthalle Karlsruhe hat das Künstlerduo „Das Änderungsatelier“, Georg Schweitzer und Nadja Stemmer, getreu seinem Motto „Wir verändern Ihr Leben“ wieder einmal den Blick auf einen Alltagsgegenstand geworfen und ihn verändert: die Gießkanne. Klassisch grün, aus Plastik und scheinbar langweilig, ist dieses Ding doch so vielfältig, wenn man es nur genau genug betrachtet. Oder es auseinanderschneidet und zu neuen Formen zusammensetzt…
Dann beginnt die Fantasie zu sprühen, und aus der grünen Kanne werden eine Schar von Kranichen, die in schnurgerader Linie nach Norden fliegen. Ein Paar, dessen Tüllen sich küssen. Eine Kanne, die sich selbst anzuschauen scheint, sich den Spiegel in Form seiner eigenen Tülle vorhält. Eine davonwatschelnde Ente. Eine sich in der Zugluft langsam in sich versunken drehende Ballerina, deren Füße – wiederum die Tüllen – den Boden kaum berühren. Schnell fügt die einmal entzündete Einbildungskraft aus den Einzelteilen neue Geschichten zusammen, lässt die grünen Plastikgegenstände lebendig werden, macht aus einem Gewimmel von Kannen, die mit schwarzen Plastikbändern verbunden sind, eine Mutter mit ihren Kindern, die gesäugt werden.

Annette Postel singt auf Knopfdruck vom „Kleinen grünen Kaktus“


Schon immer zeichnet sich die Junge Kunsthalle unter der Leitung von Sibylle Brosi durch überschäumende Fantasie aus, in diesen Corona-Zeiten hat sie mit dem „Änderungsatelier“ kongeniale Partner gefunden. Da man die Räume der Jungen Kunsthalle sehr viel lüften muss, ist es im Moment unmöglich, Gemälde auszustellen. Die Gießkannen, zu denen Schweitzer und Stemmer sich auf einem Friedhof haben anregen lassen, sind pflegeleicht und können im Notfall sogar einfach desinfiziert werden. Und bieten genauso viele Anregungen wie „richtige“ Kunst. Nicht nur im großen Saal, sondern auch in den beiden kleinen Räumen gegenüber. Im ersten stehen vier Kannen aus verschiedenen Ländern, und wenn man auf den Fußschalter drückt, ertönen 40 Sekunden lang die Stimmen von Annette Postel oder Martin Wacker. Erzählen vom Karlsruher Schloss und den Tulpen, die „Giessela“ früher hätte gießen können, und Postel singt vom „Kleinen grünen Kaktus“ – Geschichten, die man weiterspinnen kann. Im zweiten Raum wird ein kurzer Film-Loop gezeigt, in dem Schweitzer um den Brunnen im Botanischen Garten läuft und von einer Gießkanne den Deckel abhebt, sofort schießt eine Fontäne in die Luft – nach der zweiten Runde legt er den Deckel wieder auf die Kanne, der Strahl versiegt.
Hier wie auch in den anderen Räumen können auch Anklänge an die Kunstgeschichte entdeckt werden, an Monets Seerosenteich, an Duchamps Ready-mades, an Jacques Tati oder Lucio Fontana. Müssen aber nicht: Der Spaß an den neuen Formen, der neuen Lebewesen aus den toten Gegenständen, die plötzlich agieren und sich zu verwandeln beginnen, ist augenöffnende Entdeckung und lächelnde Aufklärung genug. Künstlerisch umgesetzt werden kann das alles wie immer in den Kreativräumen im Obergeschoss, wo Kinder und Erwachsene aus den Gießkannen Hüte, Skulpturen, Collagen, Zeichnungen und Gemälde fertigen können. In kleineren Gruppen als sonst. Am Samstag, 24. Oktober, bietet Schweizer um 15 Uhr im Botanischen Garten eine Performance. Die Schau läuft bis Mitte März 2021

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Erstellt:
23. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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