Sparkasse Baden-Baden Gaggenau im Prüfstress

Baden-Baden (BNN) – Die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau muss aufgrund der Sanktionen Zahlungsvorgänge mit russischen Banken stoppen. Das trifft auch einfache russische Arbeitnehmer.

In permanentem Krisenmodus: Nach der Pandemie ist die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau jetzt mit den Folgen des Krieges für den Zahlungsverkehr konfrontiert. Foto: Bernd Kamleitner

In permanentem Krisenmodus: Nach der Pandemie ist die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau jetzt mit den Folgen des Krieges für den Zahlungsverkehr konfrontiert. Foto: Bernd Kamleitner

Von BNN-Redakteurin Erika Becker

Die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau hat bei ihrer Bilanzpressekonferenz am Donnerstag große Bestürzung über den Krieg geäußert. „Wir werden unterstützen, wenn ukrainische Bürger kommen“, versprach Vorstandsvorsitzender Martin Semmet. Erste Konten seien bereits eröffnet.

Von den Sanktionen sei die Sparkasse trotz der bekannten Vorliebe zahlungskräftiger Russen für Baden-Baden „nicht direkt“ betroffen – „eher in dem Sinne, dass Prüfvorgänge stattfinden“. Der russische Anteil an der Kundschaft habe sich aber schon in den vergangenen Jahren „verflüchtigt“, so Semmet. Hier und da würden Zahlungen angehalten und zurücküberwiesen, ergänzte die für den Zahlungsverkehr zuständige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Susanne Burg. „Wir setzen die gesetzlichen Vorgaben um.“

Zahlungsprobleme für russische Arbeitnehmer

Semmet verwies auf Fälle wie den eines russischen Speditionsmitarbeiters, „der an einer Tankstelle festsitzt, weil jetzt seine Karte nicht mehr geht: Das sind Zahlungsvorgänge, die auch bei uns aufploppen“, sagte er – und warnte auch davor, das russische Volk pauschal für den Krieg zu verurteilen.

Insgesamt seien die Banken gut auf Stressszenarien wie Kreditausfälle vorbereitet. Das ganze Ausmaß der Entwicklung ist jedoch angesichts der globalen Verflechtung nach seiner Einschätzung noch gar nicht abzusehen. „Insgesamt haben wir aber eine sehr solide Struktur.“

Zufriedenheit mit Geschäften trotz rückgehender Zinserträge

Auf das zurückliegende Geschäftsjahr blickt die Sparkasse mit Zufriedenheit. „Einmal mehr hat sich gezeigt, dass sich unser nachhaltiges und auf den regionalen Wirtschaftsraum ausgelegtes Geschäftsmodell besonders in Krisenzeiten als Erfolgsmodell erweist“, sagte Semmet. Die Bilanzsumme wuchs um 3,5 Prozent auf 2,248 Milliarden Euro.

Die Kundeneinlagen stiegen im zweiten Pandemiejahr erneut überdurchschnittlich auf insgesamt 1,8 Milliarden Euro – ein Plus von fünf Prozent, nach neun Prozent im Jahr 2020. In Nullzinszeiten für Banken kein wünschenswertes Szenario. Demgegenüber stieg der Kreditbestand um 3,7 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro. Die Zinserträge gingen jedoch zurück. „Die anhaltende Nullzinspolitik der EZB mit ihren marktverzerrenden Eingriffen in die Zinsbildung belasten die Zinsüberschüsse von Sparkassen mit hohen Kundeneinlagen immer stärker“, so Semmet. Der Jahresüberschuss sank um 50.000 Euro auf rund 550.000 Euro. „Wie in den Vorjahren wird die Sparkasse aus dem vorliegenden Jahresüberschuss ihr solides Eigenkapitalpolster weiter verstärken können“, kündigte Susanne Burg an.

Hohe Nachfrage nach Baufinanzierungen

Positiv wertete Semmet den Anstieg bei den privaten Baufinanzierungen um 23,8 Prozent auf 151,4 Millionen Euro. Die Nachfrage bewege sich nach wie vor „auf einem hohen Niveau“. Allerdings steigen die Zinsen für Baufinanzierungen seit dem Ende des vergangenen Jahres. Um einer Spekulationsblase im Immobilienmarkt entgegenzuwirken, verlangt die Bankenaufsicht zusätzliche Risikopuffer. „Diese können Baufinanzierungen mittelfristig verteuern“, so die Erwartungen in Baden-Baden.

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