Sechs Millionen für Wellenreuther-Rücktritt

Karlsruhe (moe) – Ein bisher nicht näher bekanntes „Bündnis KSC“ will den angeschlagenen Fußball-Zweitligisten vor Insolvenz bewahren – und stellt brisante Forderungen.

Das „Bündnis KSC“ fordert den Rücktritt von Vereinspräsident Ingo Wellenreuther. Foto: Kienzle/dpa

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Das „Bündnis KSC“ fordert den Rücktritt von Vereinspräsident Ingo Wellenreuther. Foto: Kienzle/dpa

Von Moritz Hirn

In den vergangenen Tagen war es beim Thema Insolvenz verdächtig ruhig rund um den Wildpark – zumindest oberflächlich. Gestern Abend aber sorgte ein brisantes Angebot für Aufsehen. Ein bisher nicht näher bekanntes „Bündnis KSC“ ist offenbar bereit, den finanziell angeschlagenen Fußball-Zweitligisten aus seiner pekuniären Misere zu retten und „die zur Vermeidung der Insolvenz benötigten finanziellen Mittel in Höhe von rund sechs Millionen Euro bereitzustellen“, heißt es in einer Pressemitteilung, die gestern Abend verbreitet wurde und vom Karlsruher Rechtsanwalt Jörg Schröder unterzeichnet ist.

Zusammenschluss regionaler Unternehmen

Die Zahlung des Millionenbetrags ist an Bedingungen geknüpft, von denen eine besondere Sprengkraft birgt: Das Bündnis bittet, „dass Ingo Wellenreuther vor der Mitgliederversammlung am 15. Mai 2020 von seinen Ämtern als Präsident des Karlsruher SC e.V. und als Beiratsvorsitzender der Karlsruher SC GmbH & Co. KgaA zurücktritt“. Das Bündnis, das nach eigenen Angaben aus einem Zusammenschluss regionaler Unternehmen besteht, die nicht näher benannt werden, betont, dass das Engagement nicht daran gebunden ist, „dass bestimmte Personen in Gremien des Vereins oder der KgaA entsprechende Positionen beziehungsweise Ämter übernehmen. Das finanzielle Angebot samt Forderungen wurde dem Verein bereits am Dienstag übermittelt, heißt es abschließend.

Kritik der Supporters

Bevor das Bündnis die Bühne betrat, brachten bereits die Supporters des KSC Bewegung in das Insolvenz-Thema. Der offizielle Fan-Dachverband kritisierte in scharfen Worten den aus seiner Sicht mangelnden Informationsfluss vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung am nächsten Freitag. Die Mitglieder seien nicht ausreichend informiert, „über ein solch wichtiges Thema zu entscheiden“, heißt es in einer Mitteilung. Außerdem entstehe mehr denn je der Eindruck, „dass der Verein den Mitgliedern Informationen vorenthält und sich das gewählte Präsidium durch das Mitgliedervotum vor allem der Verantwortung entzieht und diese auf die Mitglieder zurückspielen möchte“.

Marco Fuchs und Nina Ohlhauser, die beiden Vorsitzenden der Supporters, haben in diesem Zusammenhang mehrere Anträge zur Versammlung eingereicht. In einem fordern sie detaillierte Informationen zur finanziellen Lage des Vereins sowie aller anderen betroffenen Gesellschaften, insbesondere der KSC GmbH & Co. KGaA. Geschehe dies nicht, sei die Abstimmung über die Insolvenz in Eigenregie von der Tagesordnung zu streichen. Im gleichen Atemzug kündigen die Supporters an, einen möglichen Beschluss der Versammlung juristisch prüfen und gegebenenfalls anfechten zu lassen. (moe/red)

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Erstellt:
7. Mai 2020, 22:47 Uhr
Aktualisiert:
8. Mai 2020, 07:59 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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