Schwarzwald-Sehnsucht des „Lolita“-Autors Nabokov

Freiburg (red) – Im Schwarzwald fand der berühmte Schriftsteller Vladimir Nabokov sein verlorenes Paradies aus der Kindheit. Im Sommer 1925 wanderte er auf den Feldberg und widmete ihm Gedichte.

Sehnsuchtsort Feldberg: Nabokov wanderte im Spätsommer 1925 häufig durch den Schwarzwald und verfasste später hymnische Gedichte auf die erhabenen Ausblicke.  Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Sehnsuchtsort Feldberg: Nabokov wanderte im Spätsommer 1925 häufig durch den Schwarzwald und verfasste später hymnische Gedichte auf die erhabenen Ausblicke. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Von Georg Patzer

Im Schwarzwald fand er seine Heimat wieder. Hier sah er „die von Kindheit an geschätzten / Kennzeichen / meines nördlichen Flachlands“, schwärmt vom „Berg im Schwarzen / Pelzmantel / aus Tannenwäldern“ und dem „Dunkel der bergigen Fremde“, in der er „näher an meinem Zuhause“ ist.
Immer wieder musste Vladimir Nabokov in ein Exil fliehen. 1899 wird er in St. Petersburg geboren, seine Eltern sind reich, haben über 50 Dienstboten, englische und französische Gouvernanten und Hauslehrer.
1917 flieht die Familie über die Krim nach Deutschland, sein Großvater war Justizminister des Zaren gewesen, sein Vater wird 1922 bei einem Attentat erschossen. Nabokov studiert in Cambridge Naturwissenschaften, russische und französische Literatur, kehrt dann nach Berlin zurück. Mit seinem ersten Roman „Maschenka“ (1926) wird er bekannt, dieser und seine sechs nächsten Romane werden sofort ins Deutsche übersetzt. Sein Geld aber verdient er als Filmstatist, Kreuzworträtsel-Autor und Hauslehrer.

Der gebürtige St. Petersburger Vladimir Nabokov schrieb 1941 seinen berühmten „Lolita“-Roman im amerikanischen Exil.  Foto: dpa/Archiv

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Der gebürtige St. Petersburger Vladimir Nabokov schrieb 1941 seinen berühmten „Lolita“-Roman im amerikanischen Exil. Foto: dpa/Archiv


Den Verlust seiner Heimat hat er oft beklagt. 1925 fährt er mit seinem Schüler Alexander Sak an die Ostsee, danach in den Südschwarzwald. Jeden Tag schickt er einen Brief oder eine Karte an seine Frau, die ihn in Konstanz erwartet.
Seine Wanderung beginnt am 27. August in Freiburg: „F. ist eine wunderbare Stadt, irgendwie ähnelt es Cambridge. In der Mitte steht die alte Kathedrale in der Farbe unreifer Erdbeeren, drinnen Buntglasscheiben“. Einen Tag später steht er am Bahnhof Reiselfingen: „Es ist ein dunkler Abend, über schwarzen Tannen fliegt mit rauschenden Flügeln ein Schwarm Krähen; wenn sie niedrig fliegen und zwischen den Tannen ausschwärmen, ist ein seidiges Regengeräusch zu hören.“
Auf dem Feldberg übernachtet er in der Zastler-Hütte, 1262 Meter hoch. Es ist feucht und neblig, er sieht „Regenperlen auf den Drähten und dazwischen die geklöppelten Räder von Spinnenweben“, und es geht ihm ein Satz nicht mehr aus dem Kopf: „I love noittything except one kittything.“ Todtmoos ist für ihn „ein entzückendes Örtchen, man bekommt hier eine gute Rasur“, in St. Blasien findet er „das musikalische Rinnsal der Kuhglocken an den Hängen melodiös und anmutig.“ Am Rhein entlang geht es nach Waldshut und dann nach Konstanz.

Schwärmen beim Anblick der blau schimmernden Moorbeere

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Erstellt:
31. August 2020, 23:00 Uhr
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