SC Freiburg: Klassenerhaltsparty mit Schnitzel und Bier

Freiburg (mi) – Sieg gegen Mönchengladbach, Klassenerhalt unter Dach und Fach: Doch die anschließende Party der Bundesliga-Fußballer des SC Freiburg am Freitagabend fiel coronabedingt kurz aus.

Dank Rekord-Joker Nils Petersen (rechts) darf sich der SC Freiburg bereits am 30. Spieltag über den Klassenerhalt in der Bundesliga freuen. Foto: Wittek/epa/dpa

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Dank Rekord-Joker Nils Petersen (rechts) darf sich der SC Freiburg bereits am 30. Spieltag über den Klassenerhalt in der Bundesliga freuen. Foto: Wittek/epa/dpa

Von Michael Ihringer

Der direkt vor den Einlasstoren des Schwarzwaldstadions beheimatete Post-Jahn-Sportpark meldete am Freitagabend bereits um 18 Uhr: ausverkauft. Bei Jägerschnitzel und Bier feierten Freiburger Fußball-Anhänger viereinhalb Stunden später in ihrem Fanhaus den Klassenerhalt ihres Sport-Clubs – natürlich ohne Umarmungen bei striktem Mindestabstand. 70 Meter entfernt beklatschten ein paar SC-Ersatzspieler und Vereinsvertreter mit Mundschutz bei ekliger Schafskälte und steten Regengüssen das erreichte Saisonziel nach dem 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Nur das gleißende Flutlicht verhinderte pure Stephen-King-Atmosphäre im ansonsten leeren Geisterhaus.

Von allen guten Geistern verlassen fühlte sich Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, hatte er doch für ein Novum in der Bundesliga-Historie gesorgt. Als erster Verantwortlicher überhaupt war er von Schiedsrichter Markus Schmidt knallrot des Innenraums verwiesen worden. Der 46-jährige Eberl, der in Freiburg nur als Ex-Profi jemals mit den Borussen gewonnen hat, war nach der vorentscheidenden Ampelkarte für Alassane Pléa ausgetickt. Von „schlechtem Witz“ bis zur direkten Ansage an den vierten Offiziellen Timo Gerach („Du redest nur Scheiße hier“) war alles dabei, was Eberls verbale Horrorshow zu bieten hatte.

„Es ist aus ihm herausgeplatzt, wir alle sind hochemotional“, entschuldigte ihn Trainer Marco Rose, der in der Vergangenheit selbst schon Bekanntschaft mit der Tribüne machte. Sein französischer Stürmer Pléa hatte Rose, Eberl und den anderen Borussen mit der Ampelkarte (69.) nach dummem Foul an Robin Koch und noch dümmerem Wegschlagen des Balls fast 50 Minuten zuvor den Abend versaut. Ohne den Sturmtank und Rumpelstilzchen Eberl draußen ging bei den zuvor lange überlegenen und gefällig kombinierenden Borussen plötzlich gar nichts mehr. Nach knapp einer Stunde hatte sich bereits die VfL-Verteidigung beim Kopfball-Siegtor von Nils Petersen, der keine 120 Sekunden zuvor eingewechselt worden war, alles andere als souverän angestellt. „Ganz schlecht verteidigt“, war Rose bedient.

Petersen: „Die Mannschaft hat brutal gearbeitet“

„Es ist ja immer schwierig hier, aber heute haben wir eines unserer besseren Spiele hier gemacht“, seufzte Patrick Herrmann – und im zwölften Anlauf in Folge im Schwarzwald wieder nicht gewonnen, was den Vierkampf um die Champions-League-Fleischtöpfe für die Borussen nun arg verschärft.

„Nach der Corona-Pause hatten wir noch keinen Sieg eingefahren und zwei Heimspiele weggeschenkt. Deswegen war es extrem wichtig“, freute sich Matchwinner Petersen. „Die Mannschaft hat brutal gearbeitet. Ich bin sehr, sehr glücklich, gegen so eine starke Mannschaft nicht unverdient gewonnen zu haben“, war Coach Christian Streich erleichtert.

Bereits vier Spieltage vor dem Ende der wirtschaftlich notwendigen Geisterbahnfahrten mit emotionalem Gruselfaktor das Saisonziel erreicht zu haben, ist für den kleinen Verein eine große Leistung. Nur dass die Fans den Klassenerhalt in der Kneipe und nicht direkt nebenan im Stadion feiern können, ist etwas, an das sich keiner je gewöhnen will.

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Erstellt:
7. Juni 2020, 17:30 Uhr
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