Rechtsextrem und trotzdem Lehrerin

Landau (tt) – Eine Lehrerin, die in der rechten Szene aktiv ist und auf Neonazi-Demos als Rednerin auftritt, ist an eine Förderschule in Landau versetzt worden. Bei den Eltern sorgt das für Aufregung.

Durch den „Fall Mia“ kam es in Kandel wiederholt zu Demonstrationen rechter Gruppen, aber auch zu linken Gegenkundgebungen. Hier Polizisten, die am Tag einer Demonstration im Juni 2018 den Bahnhof Kandel sichern. Uli Deck/dpa

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Durch den „Fall Mia“ kam es in Kandel wiederholt zu Demonstrationen rechter Gruppen, aber auch zu linken Gegenkundgebungen. Hier Polizisten, die am Tag einer Demonstration im Juni 2018 den Bahnhof Kandel sichern. Uli Deck/dpa

Von Thomas Trittmann

Es sind verstörende Bilder, dokumentiert auf Youtube. Berlin, am 3. Oktober 2018. Rechtsextreme demonstrieren. Aus dem Pulk heraus hört man den Ruf „Rein in die Gaskammer“. Redner bekunden, dass „das System“ vom Volkszorn bald hinweggefegt werde. Eine Frau ergreift das Wort. Man lasse sich nicht abschaffen, ruft sie und agitiert gegen „Finanzelite“, „Globalisten“ und deren „U-Boote“. Soros wolle uns unser Land wegnehmen, sagt sie.

Die Frau, die sich so antisemitisch äußert, ist Myriam K. Ein führender Kopf des rechtslastigen „Frauenbündnisses Kandel“, das sich nach dem sogenannten Mordfall Mia in dem südpfälzischen Ort gebildet hat. Mia, damals 15, wurde Ende 2017 von einem afghanischen, möglicherweise minderjährigen Flüchtling erstochen. Der Täter beging später in seiner Haftzelle Suizid.

K. nennt sich seither „die Stimme Kandels“ und agitiert auf rechten Demos. Auch rassistische Töne sind ihr nicht fremd. Dokumentiert ist etwa eine Rede bei einer Kundgebung in Landau am 3. August 2019. Dort behauptete sie unter anderem, die Elite plane in Deutschland einen „Genozid“, die „Auslöschung der Einheimischen“ und die Schaffung eines „dummen Mischvolks“.

„Dummes Mischvolk“

Deutsche werden durch „Vermischung“ mit Migranten dümmer – eine rassistische Äußerung. Sie stammt indes von einer Beamtin, die einen Eid auf die Verfassung geleistet hat.

K. ist beamtete Lehrerin, und ihre jüngste Versetzung sorgt in Landau für große Aufregung. K. war zuvor Lehrerin in Neustadt an der Weinstraße. Nun soll sie auf Geheiß der zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier – vergleichbar mit einem Regierungspräsidium – in Landau unterrichten. Offiziell erfolgte der Schritt aus „gesundheitlichen Gründen“. K. wohnt in Landau und saß dort einst für die AfD im Gemeinderat.

Eltern setzen sich gegen K. zur Wehr

Seit dieser Woche soll K. an der Landauer Nordringschule arbeiten, einer Förderschule mit hohem Migrantenanteil. Zuvor gab es ein kurzes Intermezzo an zwei Grundschulen in der Stadt, doch dort war der Widerstand der Eltern so massiv, dass die ADD einen Rückzieher machte. Viele der betroffenen Eltern vermuten dahinter Kalkül: Die ADD gehe davon aus, dass es an einer Förderschule weniger Widerstand aus der Elternschaft gebe, heißt es.

Bislang ist das nicht so. Vor K.s erstem Arbeitstag brachten Menschen Protestplakate am Schultor an. Die Polizei entfernte sie und ermittelt nun. Eltern schreiben Protestbriefe, versuchen, Akteure der Zivilgesellschaft und die Kommunalpolitik zu aktivieren. Von dort gibt es Unterstützung. Der Landauer Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) schrieb mit Blick auf K. an Eltern: „Nicht versetzen, sondern absetzen.“ Der Landauer Beirat für Migration und Integration beschloss einstimmig eine Erklärung, in der es heißt: „Die Haltung der Beamtin ist nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nach dem Grundgesetz zu vereinen.“ Peter Lerch, CDU-Landtagsabgeordneter, mailt an betroffene Eltern, er habe schon zwei Briefe in der Sache an die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) geschrieben. Ihm sei „schleierhaft“, wie man K. an der Nordringschule unterrichten lassen könne.

Viel Kritik hat sich die ADD als zuständige Behörde zugezogen. Man habe bislang nichts von K.s Aktivitäten – die in großer Zahl etwa bei Youtube dokumentiert sind – gewusst, erklärte dieser Tage ADD-Chef Thomas Linnertz. Die Behörde betreibe keine „Gesinnungsschnüffelei“, werde den Fall aber nun prüfen. Einen Zeitrahmen für das Verfahren nannte Linnertz nicht. Auch eine Beurlaubung bis zur Klärung der massiven Vorwürfe gibt es nicht. Die ADD ordnete aber an, dass K. nicht allein unterrichten darf, sondern immer ein weiterer Lehrer im Klassenzimmer sein muss. „Um den Schulfrieden zu wahren“, wie es hieß.

Beleidigende und sexistische Äußerungen

Und K.? Auf Facebook bekundet sie regelmäßig ihre Liebe zum Grundgesetz. Sogar aufs Hambacher Schloss reiste sie, um vor dieser Kulisse zu posieren, darüber in Frakturschrift: „Unserer Freiheit ist nicht verhandelbar“. Mit Medienvertretern spricht sie nicht. Deshalb kann man sie nicht fragen, wie ihr Agieren in Einklang zu bringen ist mit dem Grundgesetz und besonders dessen Artikel eins, der die Würde des Menschen für unantastbar erklärt.

Statt mit Journalisten zu sprechen, stilisiert sie sich via Facebook zum Opfer einer „Hetzkampagne“. Sie überzieht den Redakteur der Landauer Redaktion der „Rheinpfalz“, der über den Fall kontinuierlich berichtet, mit Beleidigungen, heißt ihn einen „linksradikalen Schreiberling“ und „geistigen Brandstifter bei der Hetzzeitung“, der „Goebbels-Propaganda“ betreibe.

Auch vor obszön-sexistischen Beleidigungen gegen den Redakteur schreckt K. nicht zurück, was in der Elternschaft auch Zweifel an ihrer pädagogischen Eignung weckt. Der Elternbeirat der Nordringschule schreibt dazu in einem Protestbrief: „(…) das Niveau ihrer Aussagen lässt sehr zu wünschen übrig und bietet alles andere als ein Vorbild für unsere Kinder, weshalb die Eltern nicht möchten, dass Frau K. mit ihren ideologischen und weltanschaulichen Vorstellungen Zugriff auf ihre Kinder bekommt. Neutralität ist definitiv nicht gegeben.“

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Erstellt:
29. August 2020, 13:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 25sec

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