Offenburger Kunstpreisträger: Noch Chancen für Bosshart-Schau

Offenburg (red) – Es gibt noch Hoffnung für die Ausstellung des Oberrheinischen Kunstpreisträgers Peter Bosshart: Die Schau mit der sinnlichen Malerei soll bis 21. Februar 2021 in Offenburg laufen.

Das Banale als Monument: Peter Bossharts gepflegte Malerei hat den Oberrheinischen Kunstpreis erhalten.  Foto: Rainer Braxmaier

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Das Banale als Monument: Peter Bossharts gepflegte Malerei hat den Oberrheinischen Kunstpreis erhalten. Foto: Rainer Braxmaier

Von Rainer Braxmaier

Eigentlich gehört auch diese Veranstaltung zu den Opfern der Corona-Pandemie: Mitte Oktober eröffnet, war schon zwei Wochen später für mindestens einen Monat Schluss. Und doch gibt es Hoffnung, dass die Ausstellung der Bilder von Peter Bosshart allen möglichen Lockdowns ein Schnippchen schlagen kann und die Aufmerksamkeit erhält, die ihr gebührt. Die Schau des Gewinners des Oberrheinischen Kunstpreises in der Städtischen Galerie Offenburg ist nämlich bis zum 21. Februar 2021 terminiert.
Zum vierten Mal hat eine hochkarätige Jury unter Vorsitz von Klaus Gallwitz den mit 10 000 Euro dotierten Kunstpreis, der alle drei Jahre von der Stadt Offenburg und dem „Förderkreis Kunst + Kultur“ vergeben wird, ausgelobt. Nach Corinne Wasmuht (Karlsruhe/Berlin), Miriam Cahn (Basel) und 2017 Peter Vogel (Freiburg) geht der Preis wieder in den Süden. Peter Bosshart wurde 1966 in Lörrach geboren, studierte in Basel und Frankfurt und lebt heute wieder unweit seiner Heimatstadt im Dreiländereck.
Während die Preisverleihung Mitte Oktober schon coronabedingt stark medial gefiltert ablief, zeichnet sich seine Malerei durch eine große sinnliche Präsenz und Direktheit aus, die den komplizierten Sorgenfalten des Alltags eine naive Entdeckerfreude an der großen Form entgegenstellt. Dabei gewinnt das Sujet seine Bedeutung erst durch die Malerei. Egal, ob die Silhouette einer Katze, die Strumpfhose der Lebensgefährtin oder ein leeres Regal: Die Schönheit der Dinge erkennt man durch den Filter von Bossharts Malerei.

Die größten Formate präsentiert der Künstler auf Folie


Ein schönes Beispiel schon im Eingangsraum der Städtischen Galerie. Bosshart lässt im wandfüllenden Format eine auf dem Rücken liegende Schildkröte strampeln, lässt ungeniert Korrekturen in Form und Größe des Tieres durchblicken und verzichtet wie in fast allen Werken, auf eine Einbindung des Motivs in räumliche oder inhaltliche Zusammenhänge. Oft meidet der Künstler auch bewusst jede Binnenzeichnung. Damit erreicht er eine Monumentalität, die bei allem Hang zum Irrsinn bei der Auswahl des Darstellungswürdigen zeigt: Es geht im Kern um die Malerei selbst. Der Künstler zelebriert eine pastose Malweise, bei der die letzte Schicht die Irrtümer der Untermalungen zusammenfasst und schließlich Figur und Grund zu einer großen Einheit bringt.
Die Monumentalität ist dabei nicht vom Format abhängig, sondern von der relativ groben Beschränkung seiner Pinselschrift von großer materieller Dichte, die fast keine präzisen Umrisse erlaubt. Sein Kolorit ist dabei sehr gedeckt; die gebrochenen Töne schmiegen sich gerne an silhouettenhaft dunkle Motivformen und bewahren sich dabei ihre Frische.
Die großzügigen Räume in Offenburg erlauben auch eine gewisse Uferlosigkeit. Die größten Formate präsentiert der Künstler nicht als Leinwand, sondern auf Folie: ein flatterndes Absperrband vor azurblauem Himmel, eine Wand aus Glasbausteinen oder das erwähnte leere Regal. Bestechend ist die anarchische Bedeutungslosigkeit des Sujets – die Kunst zeigt sich in der Malerei.

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Erstellt:
23. November 2020, 21:00 Uhr
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