Neues Museum Elisabeth Frietsch-Eyer in Baden-Baden eröffnet

Baden-Baden (cl) – Das rosa Haus der Baden-Badener Künstlerin Elisabeth Frietsch-Eyer ist ein Gesamtkunstwerk. Fünf Jahre nach ihrem Tod ist es nun ein Museum für ihre Kunst voller Baden-Baden-Motive.

•Familien- und Stadtgeschichte mischen sich im ornamentalen Stil der Belle Epoque: Enkelin Alisa Melcher vor dem Bild ihrer Großmutter, auf dem sich die Künstlerin zusammen mit ihrer Jugendliebe verewigte (rechts).  Foto: Thomas Viering

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•Familien- und Stadtgeschichte mischen sich im ornamentalen Stil der Belle Epoque: Enkelin Alisa Melcher vor dem Bild ihrer Großmutter, auf dem sich die Künstlerin zusammen mit ihrer Jugendliebe verewigte (rechts). Foto: Thomas Viering

Von Christiane Lenhardt

Das Haus der Baden-Badener Künstlerin Elisabeth Frietsch-Eyer, hoch oben an den Hardstaffeln, ist zu einem kleinen Museum geworden – ganz wie es die 2015 gestorbene Künstlerin zu Lebzeiten vorangetrieben hatte. Der zarte Rosa-Ton an der Fassade ist erneuert; der türkise Balkon, das majestätisch schreitende ägyptische Paar seitwärts und die ornamental und blütenreich von ihr gestalteten Kacheln an der Front stechen ins Auge. Frietsch-Eyers Häuschen mit der eher unscheinbaren 80er-Jahre-Architektur spiegelt in der Ausgestaltung – außen wie innen – ihre enorme Schaffenskraft und die sprühende Fantasie, die sie bis ins hohe Alter künstlerisch inspirierte.
Nach umfassender Sanierung ist ihr absolutes Kunstwollen wieder liebevoll sichtbar gemacht worden: vielleicht etwas sparsamer, nicht in früherer Fülle, aber als Museum der Bilder angelegt, das noch wachsen soll. „Da oben in ihrem Malerinnen-Studio brannte von der abendlichen Dämmerung bis zum Morgengrauen das Licht“, erinnert sich ihr Sohn Christian Frietsch an die unermüdliche Kreativität seiner Mutter – „mehr als 10 000 Nächte lang“ in gut 40 Jahren.
Das „Kunsthaus Museum Elisabeth Frietsch-Eyer“ ist gestern im kleinen Kreis von Sohn Christian Frietsch und Enkelin Alisa Melcher mit der Matinee-Ausstellung „Hommage an Frankreich und Russland“ eröffnet worden. Schon in den 1990er Jahren habe sich seine Mutter entschlossen, keines ihrer Kunstwerke mehr zu verkaufen, sagte Frietsch. Damit sei ihre Sammlung auf zwischen 500 und 1 000 hinterlassene Werke (Malerei, Grafik, Keramik und noch viel mehr Bemaltes in diesem Haus) angewachsen. Der riesige Nachlass werde gemäß dem Wunsch der Künstlerin sein Zuhause an den Hardstaffeln behalten und momentan geordnet, so Christian Frietsch. Mehrere Jahre hätte es gedauert, bis sich die Erben einigen konnten. Nun sei er froh, dass dieser Weg eingeschlagen werden konnte.

Elisabeth Frietsch-Eyer, 2007, in der Baden-Badener Retrospektive zu ihrem 80. Geburtstag – vor einer Auswahl ihrer Kunst.  Foto: Archiv/Wolfgang Breyer

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Elisabeth Frietsch-Eyer, 2007, in der Baden-Badener Retrospektive zu ihrem 80. Geburtstag – vor einer Auswahl ihrer Kunst. Foto: Archiv/Wolfgang Breyer


Von berufener Stelle war die Idee des Künstlerhauses schon vor vielen Jahren für gut befunden worden: Der frühere Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Harald Siebenmorgen, hatte der Künstlerin geraten, das Haus und ihr „Baden-Badener Geschichtsbuch“ zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen, dann „wird der Erfolg durch die Besucheranfrage nicht ausbleiben und irgendwann einmal auch die Denkmalsbedeutung anerkannt werden“, prognostizierte Museumschef Siebenmorgen.
Ein Anfang ist nun gemacht. Das farbenfrohe und geschichtsträchtige Vermächtnis dieser temperamentvollen und kommunikativen Künstlerin ist wieder zu sehen. „Mutig, in Corona-Zeiten ein solches Museum zu eröffnen“, sagte Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bei der gestrigen Matinee vor den vielgestaltigen Bildern von Elisabeth Frietsch-Eyer – im Erdgeschoss und bis zur Treppe hinauf hängen sie wieder. Weitere Kunsträume sollen hinzukommen. Auch der von Frietsch-Eyer selbst noch gegründete Förderverein „Hommage an Baden-Baden“ hat hier seinen Sitz, mit der Enkelin als Präsidentin und Vermittlerin der Kunstsammlung.

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Erstellt:
3. August 2020, 06:00 Uhr
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