Netrebko sagt Konzerte ab - auch in Baden-Baden?

Baden-Baden (BNN) – Ob die russische Opernsängerin Anna Netrebko wie bislang geplant am 13. April im Festspielhaus Baden-Baden auftreten wird, ist noch unklar.

„Ich bin keine politische Person“: Anna Netrebko sagt Termine ab. Ob Baden-Baden davon aus betroffen ist? Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

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„Ich bin keine politische Person“: Anna Netrebko sagt Termine ab. Ob Baden-Baden davon aus betroffen ist? Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

Von BNN-Redakteur Andreas Jüttner

Am Dienstag hatte die Deutsche Presse-Agentur gemeldet, Netrebko habe „alle Konzerte für die kommenden Monate abgesagt“. Bereits am Mittwoch, 2. März, hätte Netrebko mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov in der Elbphilharmonie Hamburg singen sollen. Dieses Konzert wurde auf den 7. September verschoben. Auch ihre Auftritte in der Rolle der Lady Macbeth am Opernhaus Zürich Ende März sind hiervon betroffen. Die Rolle wurde hierfür bereits umbesetzt, teilte das Opernhaus Zürich mit.

Festspielhaus hat Gesprächsbedarf

Die Absage wird wie folgt erläutert: „Nach reiflicher Überlegung habe ich die äußerst schwierige Entscheidung getroffen, mich bis auf Weiteres aus dem Konzertleben zurückzuziehen“, ließ die Starsopranistin laut dpa-Meldung über den Veranstalter River Concerts am Dienstag. „Es ist nicht die richtige Zeit für mich aufzutreten und zu musizieren. Ich hoffe, dass mein Publikum diese Entscheidung verstehen wird“, heißt es in dem Statement weiter. Unklar blieb bis Dienstagabend allerdings, inwieweit auch Netrebkos Auftritt im Festspielhaus Baden-Baden betroffen ist. Dort soll die weltberühmte Sopranistin gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Kirill Petrenko ein Konzert bei den Osterfestspielen gestalten. Aufgrund der Debatten um Netrebkos Haltung zur Politik des russischen Präsidenten Putin hatte das Festspielhaus mitgeteilt, im Vorfeld das geplanten Konzerts das Gespräch mit der Sängerin zu suchen. Intendant Benedikt Stampa hatte hierzu erklärt: „Wir wissen um die Gefahr, in der sich viele Personen des öffentlichen russischen Lebens gerade befinden, und behalten uns alle Optionen vor.“ Das Ziel, mit Netrebko ins Gespräch zu kommen, gelte nach wie vor, erklärte Festspielhaus-Sprecher Rüdiger Beermann am Dienstagabend auf Anfrage dieser Zeitung.

Die langjährige Zusammenarbeit mit Netrebkos Landsmann und Entdecker, dem international renommierten Dirigenten Valery Gergiev, hatte das Festspielhaus da bereits „bis auf weiteres“ ausgesetzt. Gergiev, der in der Vergangenheit mehrmals die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt hatte, war aufgefordert worden, sich von dem Angriff auf die Ukraine zu distanzieren. Er habe hierauf aber nicht reagiert. In München hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Gergiev am Dienstag aus dem gleichen Grund den Posten als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker entzogen.

Erklärung auf Instagram

Am Wochenende hatte sich Netrebko zur russischen Invasion in die Ukraine geäußert. Sie sei gegen diesen Krieg, schrieb die weltberühmte Operndiva in einer Erklärung auf Instagram. „Ich bin eine Russin und liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine, und der Schmerz und das Leid brechen mir das Herz. Ich möchte, dass dieser Krieg aufhört und die Menschen in Frieden leben können. Das erhoffe ich mir und dafür bete ich“, so Netrebko laut Meldung der dpa.

Netrebko und Eyvazov wandten sich zugleich dagegen, „Künstler oder irgendeine öffentliche Person zu zwingen, ihre politischen Ansichten öffentlich zu machen und ihr Vaterland zu beschimpfen“. Dies sollte eine freie Entscheidung sein. „Ich bin keine politische Person“, erklärte Netrebko. „Ich bin keine Expertin für Politik. Ich bin Künstlerin und mein Ziel ist es, über politische Unterschiede hinweg zu vereinen.“

Im vergangenen Jahr hatte die Sopranistin, die auch in Wien lebt, mit einer großen Gala im Kremlpalast in Moskau ihren 50. Geburtstag gefeiert. Bei dem vierstündigen Konzert verlas Kremlsprecher Dmitri Peskow Glückwünsche des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Netrebkos weltweit bewunderte Gesangskunst würdigte.

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