Nächste Party wartet auf die Feierbiester

Ottersweier (rap) – Nächster Teil der Aufsteigerserie: Der FV Ottersweier hat erfolgreiche Jahre hinter sich, in der Landesliga kämpft man nun um den Klassenerhalt. Doch Spielertrainer Christian Coratella und Co. wollen am Saisonende abermals feiern.

Standardspezialist und Arbeitstier im Mittelfeld: FVO-Routinier Daniel Schmidt (links), hier im Zweikampf mit Loffenaus Tobias Skubatz. Foto: Seiter

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Standardspezialist und Arbeitstier im Mittelfeld: FVO-Routinier Daniel Schmidt (links), hier im Zweikampf mit Loffenaus Tobias Skubatz. Foto: Seiter

Von Christian Rapp

Mit krachenden Fußball-Partys kennt sich Christian Coratella bestens aus. Schließlich hatte der 38-Jährige in den vergangenen Jahren oft genug Gelegenheit dazu. Ja, beinahe so oft, wie der FC Bayern Jahr für Jahr den Marienplatz nach Meisterehren belagert, machte der Trainer des FV Ottersweier mit seinen Schützlingen den heimischen Sportplatz nach diversen Meister- und Aufstiegsfeiern zum Partymekka – gleich drei Aufstiege in den letzten vier Jahren. Von den Niederungen der Kreisliga B ging’s in Windeseile in die Landesliga. Eine (fast) unerreichte Erfolgsgeschichte in der jüngeren Vergangenheit in Mittelbaden.

In den vergangenen Monaten jedoch hatte der FVO wenig zu feiern, was als Aufsteiger in der Landesliga nur das Alltäglichste der Welt ist. Doch für eine Mannschaft, die in den vergangenen Spielzeiten schier das Verlieren verlernt hat, ist die neue Situation, der nerven- und kräftezehrende Kampf um den Klassenerhalt, durchaus schwierig – vor allem für den Kopf. „Seit ich hier Trainer bin, ging es immer kontinuierlich bergauf. Der Aufstieg in die Landesliga kam völlig überraschend, der war überhaupt nicht eingeplant. Jetzt spüren wir den rauen Ligaalltag, auch mal ein paar Niederlagen am Stück. Natürlich sind die Jungs dann niedergeschlagen, da sie so etwas in den letzten Jahren nicht kannten“, lässt der FVO-Spielertrainer einen Einblick in das Seelenleben seiner Kicker zu. Doch Coratella gibt sich kämpferisch, genauso wie seine Truppe: „Wir ziehen das gemeinsam durch. Wir haben von Spieltag eins an gewusst, dass wir nur gegen den Abstieg kämpfen. Der Klassenerhalt würde mindestens so viel zählen wie die ganzen Meisterschaften.“

Noch knapp über dem ominösen Strich

Mit mageren 13 Punkten aus 16 Spielen rangiert die Coratella-Elf auf Platz 13 – knapp über dem ominösen Strich, der für den Aufsteiger grenzenlose Glückseligkeit bedeuten würde. Doch bis dahin ist es für den FVO noch ein langer und steiniger Weg. Die Konkurrenz hängt den Schwarz-Roten im Nacken. Das Schlusslicht TSV Loffenau hat lediglich zwei Zähler Rückstand, Mitaufsteiger SC Offenburg, der auf dem ersten Abstiegsplatz liegt, ist punktgleich mit dem FVO. Der Abstand aufs untere Mittelfeld, namentlich der SV Sinzheim, beträgt bereits sieben Zähler. Da trifft es sich ganz gut, dass ausgerechnet der SVS am Sonntag bei der Coratella-Elf zum Nachholspiel gastiert. Die Partie musste im vergangenen November abgebrochen werden, als sich Ottersweiers Marvin Ernst schlimm verletzte. Syndesmosebandabriss und Knöchelbruch lautete die bittere Diagnose. Beide Mannschaften einigten sich darauf, die Partie abzubrechen. „Das waren schreckliche Bilder. Marvin geht’s mittlerweile wieder gut, kann wieder normal laufen, aber die Runde ist für ihn beendet“, sagt der FVO-Spielertrainer. Am Sonntag ist es nun so weit, die Winterpause ist für die Schwarz-Roten Geschichte. Was zählt, ist ein erfolgreicher Start gegen Sinzheim. „Wir wollen natürlich punkten, im Optimalfall mit einem Sieg. In der Woche drauf spielen wir dann gegen den SC Offenburg. Die ersten beiden Spiele sind also eminent wichtig für uns. Ein guter Start kann uns richtig Aufschwung geben für die weitere Saison“, meint Coratella. Zudem würde der FVO mit einem Sieg den SVS wieder etwas zurückholen in den beinharten Kampf um den Ligaverbleib. „Der SVS ist aber ein harter Brocken, der da auf uns wartet. Ich habe Marcels Mannschaft im Testspiel gegen den SV Bühlertal gesehen, da waren sie fußballerisch fast auf Augenhöhe mit dem SVB“, zeigt der Edeljoker vom Dienst durchaus Respekt vor dem Gegner.

Coratella fällt vorerst aus

Zumal „Cora“ mit der Vorbereitung nicht wirklich zufrieden war, plagten ihn doch wie seine Trainerkollegen die üblichen Vorbereitungsprobleme: Kranke Spieler, Verletzte, Urlauber. „Die Vorbereitung war ziemlich durchwachsen. Bei den Testpartien hatte ich zumeist nur 12, 13 Spieler zur Verfügung“, sagt der einst gefürchtetste Goalgetter Mittelbadens. Auch für ihn persönlich lief die Vorbereitung bescheiden, wie er erzählt: „Ich habe mich leider gleich beim ersten Vorbereitungsspiel verletzt.“ Nichtsdestotrotz will der 38-Jährige, nachdem er seinen Muskelfaserriss vollständig auskuriert hat, nicht nur an der Seitenlinie, sondern auch auf dem Rasen mit seiner Erfahrung der Mannschaft wieder weiterhelfen – zumindest noch diese Rückrunde. Danach heißt es für den ehemaligen Klassestürmer des VfB Bühl endgültig „Ciao Strafraum, Hallo Trainerstuhl“. „Ich merke einfach, dass der Körper nicht mehr so mitmacht. Von daher werde ich das halbe Jahr noch mal alles raushauen, was ich habe“, sagt Coratella. Zumal der FVO einen Knipser vor dem Herrn dringend gebrauchen kann, teilen sich die Führung der internen Torjägerliste doch Simon Frey, Mark Tokarchuk und Christoph Welle mit gerade mal je vier Treffern. Coratella traf als Joker bislang einmal.

Als Plus für den Abstiegskampf sieht der Spielertrainer die mannschaftliche Geschlossenheit, den Teamspirit sowie die Erfahrung der Führungsspieler rund um Standardspezialist Daniel Schmidt und Martin Kleinhans. Knackpunkte könnten dagegen der „kleine Kader sein, den wir haben“, so Coratella, „es darf nicht viel passieren“, und die Auswärtsbilanz, die mit drei mickrigen Pünktchen äußerst mager ausfällt und dringend aufpoliert werden sollte.

Zumal das letzte, möglicherweise entscheidende Spiel in der Fremde beim SV Stadelhofen stattfindet. „Wenn wir die Klasse halten, werden wir richtig feiern“, verkündet er. Reichlich Übung haben die Ottersweierer ja.

Spielertrainer Christian Coratella (rechts) beendet nach der Saison seine aktive Karriere. Foto: Seiter

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Spielertrainer Christian Coratella (rechts) beendet nach der Saison seine aktive Karriere. Foto: Seiter

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Erstellt:
28. Februar 2020, 19:30 Uhr
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