Museum Frieder Burda: Sammlung eher in Projekte einbinden

Baden-Baden (cl) – Das Museum Frieder Burda will sich behutsam erneuern, plant künftig „überraschende Projekte“, sagt Direktor Schaper. Am 27. März öffnet das Haus mit „Impressionismus in Russland“.

Aus den Moskauer Depots geholt: Die Werke des russischen Impressionismus, darunter Ilja Repins Gemälde „Auf dem Feldrain“, sind ab Ende März in Baden-Baden zu sehen.  Foto: Tretjakow Galerie Moskau

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Aus den Moskauer Depots geholt: Die Werke des russischen Impressionismus, darunter Ilja Repins Gemälde „Auf dem Feldrain“, sind ab Ende März in Baden-Baden zu sehen. Foto: Tretjakow Galerie Moskau

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

Das Museum Frieder Burda will rund zwei Jahre nach dem Tod seines Gründers mit zeitgenössischen Projekten in die Zukunft gehen – insbesondere unter dem neu bestellten künstlerischen Leiter Udo Kittelmann. Der frühere Direktor der Nationalgalerie in Berlin soll im Richard-Meier-Bau in Zukunft die kuratorische Handschrift prägen. Aber einen radikalen Wandel plant man im Baden-Badener Privatmuseum nicht. Momentan herrscht geschäftiges Treiben hinter verschlossenen Türen – die neue Schau „Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde“ wird gerade vorbereitet.
„Es wird in die Richtung gehen, wie ich es vor dreieinhalb Jahren noch mit Frieder Burda besprochen habe“, beschrieb Museumsdirektor Henning Schaper im BT-Gespräch die künftige Ausrichtung des Museums – „als ich zu ihm sagte: ,Wir müssen den zweiten Schritt gehen, das heißt, die Sammlung nicht zu vergessen, denn sie ist Bestandteil dieses Museums, aber einen Mix aus Ausstellungen der Klassischen Moderne sowie aus zeitgenössischen und interdisziplinären, überraschenden Projekten, wie zum Beispiel Turrell, anzubieten‘.“ Dieses Konzept, unter Udo Kittelmann weiterzuführen, sei auch der Wunsch des Stiftungsvorstands gewesen. „Wir haben mit ihm eine Person, der wir als Stiftung vertrauen und das kann eine Handschrift sein, die wir weiter forcieren möchten.“ Kittelmann, der seit einigen Jahren fürs Museum Frieder Burda als Gastkurator tätig ist, hatte zuletzt die Soulages-Ausstellung zum 100. Geburtstag des französischen Abstrakten eingerichtet; sie war allerdings nur zwei Wochen hier zu sehen – und ist schon in Richtung Chemnitz gegangen, wo sie ab 27. März gezeigt wird.

Der Direktor des Museums Frieder Burda, Henning Schaper, will nach der Impressionisten-Schau wegen der unsicheren Corona-Lage bis Jahresende keine Blockbuster-Schau mehr planen.  Foto: Marek Kruszewski/MFB

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Der Direktor des Museums Frieder Burda, Henning Schaper, will nach der Impressionisten-Schau wegen der unsicheren Corona-Lage bis Jahresende keine Blockbuster-Schau mehr planen. Foto: Marek Kruszewski/MFB


Die Prägung, die der im Juli 2019 gestorbene Museumsgründer und Kunstsammler Frieder Burda seinem Haus 15 Jahre lang gab, soll die Richtlinie für sein Museum bleiben. „Bei jedem Ausstellungsprojekt fragen wir uns zum Schluss: Ist es eine Ausstellung, die sich Frieder Burda auch gewünscht hätte? Das ist für uns ein wichtiges Korrektiv, das immer in diesem Museum eine Rolle spielt“, sagte Schaper.
Der in Berlin lebende Kittelmann wird in der Funktion eines externen Beraters agieren und in Baden-Baden Ausstellungen kuratieren und eröffnen. „Durch ihn wird die Anzahl der Gastkuratoren massiv eingeschränkt, mit seinem Know-how und seinem Netzwerk wird er die Ausstellungen in der Folgezeit überwiegend kuratieren“, so Schaper. Fürs nächste Jahr bereitet Kittelmann zwei Ausstellungen vor: eine Schau, die einen interdisziplinären Link zwischen Kunst, Ökologie und Naturwissenschaft verfolge mit Werken der Geschwister Wertheimer (ab Januar) und danach die Schau „Painter of the Sacred Hearts“, Maler der heiligen Herzen – die Malerschule um den Künstler Henri Rousseau wurde Ende des 19. Jahrhunderts so genannt.
„Die Sammlung werden wir künftig immer Mal wieder im Rahmen von Ausstellungsprojekten einbinden“, so Schaper. Sie sei erst im vergangenen Jahr ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ gewesen – „insofern wird es jetzt erst einmal zwei, drei Projekte geben, wo die Sammlung ein wenig schläft.“
Die bevorstehende Schau „Impressionismus in Russland“ wird von Ortrud Westheider, der früheren Direktorin des Bucerius Kunst Forums in Hamburg, eingerichtet; die rund 80 Werke der über 20 russischen Künstler aus der Zeit um 1860 bis 1920 aus der Moskaer Tretjakow-Galerie sind bereits aus dem Museum Barberini in Potsdam kommend in Baden-Baden eingetroffen. „Wir bauen gerade eine ziemlich umfangreiche Architektur in die Räumlichkeiten hinein und können nächste Woche anfangen mit dem Einrichten der Kunst“, so Schaper. Die Schau war bereits im vergangenen Herbst in Potsdam fertig gehängt worden, wegen des Lockdowns aber nicht einen einzigen Tag dort zu sehen.

Kunsttransport aus Moskau per Lkw und Schiff


„Das ist ein Riesenproblem, weil es eine Ausstellung ist, die nicht gerade sehr günstig ist angesichts der Leihgaben und der Versicherungssummen“, so Schaper. „Wir haben mit der Tretjakow-Galerie als Hauptleihgeber und mit dem russischen Kunstministerium – weil der Staat immer zustimmen muss, wenn die Kunst länger als ein Jahr außer Landes geht – eine Verlängerung erreicht.“ Wenn die Ausstellung im August in Baden-Baden wieder schließt, geht sie erneut zurück nach Potsdam ins Barberini-Museum für die zweite Chance. Beide Museen wollen die relativ unbekannte Seite der russischen Kunst herausstellen.
Die als Künstlerin der russischen Avantgarde bekannt gewordene Natalja Gontscharowa und auch der Maler des berühmten Schwarzen Quadrats, Kasimir Malewitsch, stehen im Mittelpunkt der Schau. Sie und ihre russischen Kollegen haben sich in Paris von dem aufkommenden Impressionismus inspirieren lassen zu einem ganz anderen Blick auf die russische Kunst, haben die in Russland unbekannte, französische Freiluftmalerei ausprobiert, ihre Landschaften und Porträts erinnern stark an die französischen Vorbilder.
In Russland sind die Werke kaum präsent: „In der Tretjakow-Galerie hat man einen Schatz in den Depots, der selten gezeigt wird“, so Schaper. Beim Ausstellungsvorhaben hätten die beiden Privatmuseen eine massive Unterstützung durch die Tretjakow-Galerie erfahren, 70 Prozent der Werke stammen aus Moskau.
Ein Abenteuer für sich sei der Kunsttransport im vergangenen Herbst nach Deutschland gewesen, just zu dem Zeitpunkt, als der zweite Lockdown kam. „Wir hatten Glück, dass die Transporter in Moskau auf die Reise gehen konnten, die gesamte Kunst von Moskau ins westliche Europa geht nicht per Flugzeug, sondern per Lkw, das ist Standard in Russland“, so Schaper – ein beschwerlicher Weg über Finnland, über die Ostsee und das Baltikum in Richtung Potsdam. „Drei Kuriere aus Moskau, die natürlich einen Corona-Test bei sich haben müssen, aber auch eine Befreiung von Quarantäne-Regelungen, begleiteten die Werke, so wird es auch bei uns sein“, merkte Schaper an: Sowohl die Stadt Baden-Baden als auch das Gesundheitsamt hätten erlaubt, dass die Kuriere, natürlich mit vorgelegten aktuellen Schnelltests, nicht erst fünf Tage in Quarantäne müssen, sondern sofort anfangen können zu arbeiten. Im Zwei-Schicht-Betrieb wird das Baden-Badener Museumsteam nächste Woche den Aufbau starten, damit, falls doch ein Corona-Fall auftritt, man nicht das ganze Museum lahmlegen muss. Ab 27. März soll die Ausstellung öffnen.

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