Mineraloelraffinerie Oberrhein produziert in Corona-Zeiten weniger

Karlsruhe (win) – Die aktuelle Wirtschaftskrise lässt die globale Nachfrage nach Erdölprodukten sinken. Deutschlands größte Raffinerie, die MiRo in Karlsruhe, bekommt das auch zu spüren.

Die Mineraloelraffinerie Oberrhein: Hier wird derzeit kaum noch Kerosin produziert. Foto: MiRo

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Die Mineraloelraffinerie Oberrhein: Hier wird derzeit kaum noch Kerosin produziert. Foto: MiRo

Von Winfried Heck

Für die Erdölwirtschaft kommt es derzeit knüppeldick. Einerseits sorgte der Preiskrieg zwischen Russland und Saudi Arabien für Preiskapriolen am Markt, auf der anderen Seite ist durch die Corona-Krise der Absatz an Erdölprodukten drastisch zurück gegangen. „Wir laufen derzeit auf Schleichfahrt“, umschreibt Ralf Schairer, Geschäftsführer der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO), die Situation.
Deutschlands größte Raffinerie, die in normalen Zeiten aus Rohöl knapp 15 Millionen Tonnen Mineralölprodukte herstellt, hat ihre Produktion um rund ein Drittel reduziert. Statt 42000 Tonnen Rohöl werden derzeit nur knapp 29000 Tonnen verarbeitet. Vor allem die Nachfrage nach Kerosin ist nach den drastischen Einschränkungen im Flugverkehr fast komplett zum Erliegen gekommen, aber auch der Diesel- und Benzinverbrauch sind deutlich zurück gegangen.

„Unsere Gesellschafter leiden“, sieht Schairer die Branche insgesamt unter Druck. Niedrigpreise, gepaart mit sinkendem Umsatz, da stellt sich auch automatisch die Frage, welche Raffinerien die aktuelle Lage im ohnehin umkämpften Markt durchhalten können. Eine weitere Marktbereinigung scheint nicht unwahrscheinlich. Erinnerungen werden wach an die 90er-Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts, als unter anderem die Mobil Oil Raffinerie in Wörth, mit einer Kapazität von bis zu sechs Millionen Tonnen jährlich, dicht gemacht und abgebaut wurde.

Die MiRO selbst sieht sich jedoch gut gerüstet. „Durch unser breites Produktsortiment können wir auf Schwankungen in einzelnen Bereichen sehr gut reagieren. Wir sind sehr robust“, sieht Schairer die MiRO trotz des schwierigen Umfelds mit geringen Margen in einer guten Position. Auch in Sachen Corona sei man bei der MiRO gut vorbereitet.

Kontakte zwischen Mitarbeitern stark reduziert

Derzeit würden deutlich weniger Menschen auf dem Gelände arbeiten, rund zwei Drittel der Tagschicht seien im Homeoffice. „Jetzt kommt uns zugute, dass wir hierzu während der Sanierung der Rheinbrücke die technischen Voraussetzungen geschaffen hatten.“ Die Kontakte unter den Mitarbeiten wurden stark reduziert, täglich gebe es Videokonferenzen, und gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Belegschaft wurden auch geänderte Arbeitsmodelle vereinbart. Was aktuell nicht erledigt werden kann, wurde auf spätere Zeiträume gelegt. „Ich bin sehr zufrieden damit, wie die Krise gemanagt wird. Alle ziehen hervorragend mit“, der Betrieb sei sichergestellt.

Darüber hinaus konnte die MiRO Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel an die Kliniken im Umfeld spenden. „Das Personal, das an der Front steht, braucht das dringender.“ Zudem sei man gerade dabei, die Produktion von Ethanol, das als Desinfektionsmittel eingesetzt werden kann, nach oben zu fahren. 2000 Liter wurden bereits nach Nordrhein-Westfalen geschickt, wo in mehreren Laboren für Corona-Tests großer Bedarf bestand. „Da gab es nur noch Reserven für fünf Stunden.“

Daneben wird bei der MiRO unvermindert die große Anlagenrevision im kommenden Jahr vorbereitet. Wie berichtet sollen rund 300 Millionen Euro für neue Projekte und Ertüchtigungen ausgeben werden, es wäre das größte Projekt-Paket in der dann 25-jährigen Geschichte der Raffinerie.

Doch derzeit geht es vor allem darum, wann die Infektionskurve endlich abflacht und die Wirtschaft wieder in Gang kommt. Raffinerie-Chef Schairer erwartet einen großen Nachholbedarf und auch, dass die Produktion dann schnell wieder nach oben gefahren werden müsse.

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Erstellt:
6. April 2020, 21:00 Uhr
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