Kurator Kittelmann: Raum zum Nachdenken in Soulages-Schau

Baden-Baden (cl) – Was für ein Kontrast: Kurator Kittelmann hatte die Idee zur Soulages-Schau im Museum Frieder Burda. Zwischen dem Bau in Weiß und der Kunst in Schwarz sieht er eine enge Verbindung.

Bis Ende Oktober ist er noch Direktor der Nationalgalerie in Berlin: Udo Kittelmann will künftig frei arbeiten, fürs Museum Frieder Burda kuratiert er schon zum dritten Mal, die Idee zur morgen startenden Soulages-Retrospektive in Baden-Baden hat er auch entwickelt.  Foto: Britta Pedersen/dpa

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Bis Ende Oktober ist er noch Direktor der Nationalgalerie in Berlin: Udo Kittelmann will künftig frei arbeiten, fürs Museum Frieder Burda kuratiert er schon zum dritten Mal, die Idee zur morgen startenden Soulages-Retrospektive in Baden-Baden hat er auch entwickelt. Foto: Britta Pedersen/dpa

Von Christiane Lenhardt

Nach dem Louvre in Paris feiert nun auch das Museum Frieder Burda in Baden-Baden den bedeutendsten noch lebenden Künstler Frankreichs, Pierre Soulages – der anlässlich seines 100. Geburtstags, am 24. Dezember 2019, in seiner Heimat groß gewürdigt wurde. Der langjährige Direktor der Nationalgalerie Berlin, Udo Kittelmann, hatte die Idee zur Baden-Badener Soulages-Retrospektive. Diesen Freitagabend wird sie wegen der Corona-Pandemie online eröffnet. Die Vernissage wird auf Instagram live übertragen. Zum Instagram-Kanal.
Es sei ein wichtiges Statement, sich gerade in dieser Zeit diesem Lebenswerk zu widmen – und das Museum Frieder Burda sei für diese erste Soulages-Schau seit vielen Jahren in Deutschland der ideale Schauplatz. „Ich glaube, dass zwischen der Architektur von Richard Meier, die so vom Weiß überragt wird, und dem Werk von Soulages, der sein ganzes Leben dem Thema der Farbe Schwarz gewidmet hat, ein kongeniales Zusammenwirken entsteht“, sagt Kurator Kittelmann im BT-Gespräch. Er hat die Ausstellung zusammen mit seinem französischen Kollegen Alfred Pacquement realisiert. „In diesem Haus ist mit diesen Bildern ein Raum zum Nachdenken entstanden“, findet Kittelmann. An einem Ort, der durch den Tod des Museumsgründers Frieder Burda im Juli vergangenen Jahres eine Zäsur erfuhr.
Der renommierte deutsche Kurator richtet bereits die dritte Ausstellung im Baden-Badener Tageslichtmuseum ein – die ersten beiden noch in Absprache mit dem Museumsgründer Frieder Burda. Über die Soulages-Idee konnte Udo Kittelmann nicht mehr mit ihm sprechen. Der Kunstsammler hatte den Berliner Ausstellungsmacher vor vielen Jahren schon in den künstlerischen Beirat seines Museums berufen. „Meine große Wertschätzung gegenüber Frieder Burda steht immer über allem“, sagt Kittelmann. Seit Frieder Burdas Tod ist Udo Kittelmann fast schon im kuratorischen Dauereinsatz fürs Baden-Badener Museum.

Udo Kittelmann verlässt die Nationalgalerie Ende Oktober


Bei der Einrichtung der farbenreichen Malerei der Vorgängerausstellung „Die Bilder der Brüder“ über die Sammlungsgeschichte der drei Burda-Brüder Franz, Frieder und Hubert, arbeitete der Nationalgalerie-Chef noch mit Burdas Stieftochter Patricia Kamp zusammen. „Es war eine unglaubliche Freude, mit dem farbigen Spektrum dieser Sammlungen zu arbeiten – diese Schau jetzt zeigt mit der dominierenden Farbe Schwarz die Idee von Malerei viel konzentrierter“, so Kittelmann: „Was für Kontraste.“ Zwar sei es in diesem Tageslichtmuseum nicht leicht, aber fantastisch, mit den permanent wechselnden Lichtverhältnissen umzugehen: „Der Architekt macht seine Arbeit und der Künstler oder die Künstlerin machen ihre Arbeit – es ist dann vielleicht die Aufgabe des Kurators, dieses zusammenzubringen.“
Die Soulages-Ausstellung kommt an einem Wendepunkt des beruflichen Lebens von Udo Kittelmann. Ende des Monats scheidet er nach zwölf Jahren als Direktor der Nationalgalerie Berlin aus – auf eigenen Wunsch. „Das ist gut so. Man muss manchmal im Leben Kapitel abschließen.“ An der viel diskutierten Neukonzeption der Staatlichen Museen zu Berlin, bei der auch ein Wissenschaftsrat eingeschaltet wurde, werde er nicht mehr beteiligt sein. „Ich hatte alles vorgedacht. Der sogenannte Wissenschaftsrat hat es doch deutlich formuliert, an welcher Stelle es vielleicht nicht in die richtige Richtung geht“, sagt er.
Zu seiner großen Freude habe er noch den Neubau des Berliner Museums für Kunst des 20. Jahrhunderts von den Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron auf den Weg bringen können. Die Eröffnung werde noch Jahre dauern. Nach fast 30 Jahre eng eingebunden in einem institutionellen Rahmen als Museumsmanager und Kurator, wird Udo Kittelmann vorerst wohl als Ausstellungsmacher frei arbeiten. „Ich habe mich immer den Künstlern nahe gefühlt und die gehen ja nicht. Ich wechsele nur Orte, die Menschen, denen ich mich verbunden fühle, die bleiben ja.“

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Erstellt:
16. Oktober 2020, 06:00 Uhr
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