Kunsthallen öffnen: Spontan zu Export, Wartezeit bei Boucher

Baden-Baden (cl) – Die Kunsthallen in Baden-Baden und Karlsruhe haben wieder geöffnet: Die Häuser haben ihre Ausstellungen – zu Valie Export sowie zu Francois Boucher – bis 5. April verlängert.

Viel Platz beim Kunstgenuss mit Zeitticket: Nach dem langem Corona-Lockdown ist nun die neue „Boucher“-Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe zugänglich, im Hintergrund hängt das berühmte Bildnis der „Madame Pompadour“.  Foto: Uli Deck/dpa

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Viel Platz beim Kunstgenuss mit Zeitticket: Nach dem langem Corona-Lockdown ist nun die neue „Boucher“-Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe zugänglich, im Hintergrund hängt das berühmte Bildnis der „Madame Pompadour“. Foto: Uli Deck/dpa

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

Die beiden Kunsthallen im Badischen gehen voran und sind damit unter den ersten Ausstellungshäusern in Baden-Württemberg, die wieder geöffnet haben. In der Kunsthalle Karlsruhe ist der Zugang nur mit gebuchtem Zeitticket möglich – und wegen der starken Nachfrage auf die Ausstellung „François Boucher“ ist gestern Vormittag kurzfristig der Server der Kunsthalle zusammengebrochen. Vorsorglich haben die beiden Ausstellungshäuser in Karlsruhe wie Baden-Baden ihre Ausstellungen bis Ostern verlängert – und die Karlsruher Gemäldegalerie ist mit den rund 40 europäischen Leihgebern derzeit im Gespräch um eine weitere Verlängerung der „Boucher“-Schau.
Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden hat wegen des Inzidenzwerts unter 50 ihre Tür gestern weit aufmachen können, auch für spontane Besucher ohne Voranmeldung. „Schon am Vormittag waren die ersten Besucher da, damit haben wir nicht gerechnet“, freute sich der stellvertretende Kunsthallenleiter Hendrik Bündge. Die Retrospektive „Valie Export. Fragmente einer Berührung“ anlässlich des 80. Geburtstags der österreichischen Performance-Legende hatte kurz nach ihrer Eröffnung am letzten Oktoberwochenende 2020 wieder schließen müssen und wäre nur bis Jahresende gelaufen. Jetzt ist sie bis 5. April zu sehen.
„Es ist schön, dass wir sie doch noch vier Wochen zeigen können“, so Kurator Bündge. Zu sehen sind Filme, Fotos und Rauminszenierungen von Valie Export seit den späten 1960er Jahren bis 2002, darunter auch das „Tapp- und Tastkino“, mit dem die Künstlerin bekannt geworden war, sowie ihre späteren „Körperkonfigurationen“. Eine weitere Verlängerung der Export-Schau gehe leider nicht mehr.

Karlsruher Gemäldesammlung in Ausschnitten ab nächster Woche zu sehen


Bis 5. April läuft vorerst auch die große „Boucher“-Ausstellung mit den hochkarätigen Leihgaben von europäischen Sammlungen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. „Wir haben gleich den ersten Tag, an dem es uns erlaubt war, wieder zu öffnen, auch genutzt – und zwar nur für die ,Boucher‘-Ausstellung und für die Ausstellung ,Volle Kanne Kunst‘ in der Jungen Kunsthalle“, erklärte Kunsthallendirektorin Pia Müller-Tamm.
„Wir dürfen nur geringere Bereiche unseres Hauses und unserer Sammlung öffnen, weil wir in weiten Teilen keine Klimaanlage haben und kein Fenster aufmachen dürfen“, fügte sie hinzu. In der nächsten Woche aber sollen zusätzlich der Mohl- und der Amersbach-Flügel zugänglich sein, dann können die Kunsthallen-Besucher auch Ausschnitte der Gemäldesammlung sehen, wie den Hans-Thoma-Bereich sowie die deutsche und die französische Kunst des 19. Jahrhunderts. Die Orangerie und der Hübsch-Flügel mit den Alten Meistern müsse wegen mangelnder Lüftung geschlossen bleiben. „So eingeschränkt war es auch zwischen dem ersten und zweiten Lockdown im Sommer letzten Jahres schon“, so Direktorin Müller-Tamm.
Die Kunsthalle Karlsruhe darf momentan wegen der Hygieneauflagen zur Eindämmung des Coronavirus nur eine begrenzte Zahl der sogenannten Timeslots vergeben. „Wir müssen ja rein rechnerisch pro Besucher der ,Boucher‘-Ausstellung 40 Quadratmeter Fläche vorhalten – deswegen dürfen wir nur 15 Personen gleichzeitig in die Ausstellung lassen, was extrem wenig ist für die großen Säle“, sagte Müller-Tamm. Die Besucher dürfen eineinhalb Stunden bleiben, bevor die nächste Gruppe ins Museum kann.

Verhandlung mit Leihgebern: Weitere Verlängerung der „Boucher“-Schau möglich


Fertig ist die Ausstellung mit Werken des Rokoko-Künstlers Boucher schon seit November 2020, sie konnte aber nicht gezeigt werden. Der Hofmaler des französischen Königs Ludwig XV. gilt als Meister der Illusion. Seine pittoresken Landschaften, die Schäferszenen in prachtvoller Naturkulisse und die Gemälde opulent gekleideter Damen wie der „Madame Pompadour“ sind zum Inbegriff des Rokoko geworden – eine aufwändig kuratierte Schau mit 140 Werken, die auf großes Interesse gestoßen ist.
„Wir sind dabei, Boucher ein zweites Mal zu verlängern, über den 5. April hinaus“, sagte Direktorin Müller-Tamm. Anfragen bei allen 45 Leihgebern würden laufen. „Eine der positiven Erfahrungen dieses ganzen schrecklichen Lockdowns ist, dass es eine ganz große Solidarität zwischen den Museen gibt und dass sie alle nach Kräften die Projekte der anderen unterstützen, in dem sie die Leihgaben fort- und fortschreiben. Das tun wir auch, wir sind ja auch sehr gefragte Leihgeber“, fügte sie hinzu. Wenn die zweite Verlängerung möglich würde, könnte die Kunsthalle – sofern nicht die Inzidenzzahlen wieder nach oben schnellen und das Museum erneut schließen müsste – doch noch zu einer ganz guten Gesamtlaufzeit kommen.
Das wäre ein Lichtblick für die große badische Gemäldegalerie, die 175 Jahre alt wird, aber dieses Jubiläum kaum feiern kann. Ohnehin schließe das Hauptgebäude bis zum Jahresende, so die Direktorin gestern, wegen der Generalsanierung und Modernisierung. Im ZKM sollen während der Bauzeit dann Teile der Sammlung und auch Hauptwerke der Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Auch die Orangerie und die Junge Kunsthalle sollen zur Verfügung stehen.

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Erstellt:
9. März 2021, 21:30 Uhr
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