Kombilösung Karlsruhe: Ärger und Vorfreude im Gemeinderat

Karlsruhe (win) – Die neuerliche Kostensteigerung beim Bau der Karlsruher Kombilösung wurde vom Gemeinderat der Stadt mit Verärgerung zur Kenntnis genommen, auf der anderen Seite wächst aber auch die Vorfreude auf das langsam absehbare Ende der Bauarbeiten.

Nichts geht mehr: Die Bahngleise am Karlstor werden abgebaut, danach beginnt der Tunnelbau Kriegsstraße auch dort. Foto: Archiv

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Nichts geht mehr: Die Bahngleise am Karlstor werden abgebaut, danach beginnt der Tunnelbau Kriegsstraße auch dort. Foto: Archiv

Von Winfried Heck

Die CDU erinnerte an die zahlreichen Schwierigkeiten während der Bauphase – mit der Insolvenz der federführenden Alpine Bau als Höhepunkt. Dass die Arbeiten trotzdem so weit fortgeschritten sind, sei bemerkenswert. Auch für die SPD überwiegen inzwischen die positiven Aspekte. Man gehe davon aus, dass mit Inbetriebnahme der Kombilösung mehr Zuverlässigkeit und eine höhere Qualität im öffentlichen Nahverkehr zum Standard wird. Die FDP wiederum findet es wunderbar, dass die Innenstadtentwicklung schon bald losgehen kann.

Kritik kam während der Gemeinderatssitzung, die wegen der Corona-Krise in der weiträumigen Gartenhalle stattfand, vor allem von den Grünen, die das Riesenprojekt von Anfang an abgelehnt hatten. Die Kosten, vor allem die Folgekosten für die Stadt seien erschreckend hoch und lägen weit über dem, was ursprünglich kalkuliert worden war. Bemängelt wurde deshalb auch, dass im 21-seitigen Sachstandsbericht der Eigenanteil der Stadt nicht beziffert werde. Vor allem diese Kosten würden Karlsruhe auf Jahrzehnte hinaus zu schaffen machen. Die FWG sprach von einem Fass ohne Boden, die AfD bemängelte die Verschlechterungen im Linienkonzept.

OB Frank Mentrup relativierte den Kostensprung auf knapp 1,5 Milliarden Euro damit, dass es sich bei dieser Summe um Gesamtherstellungskosten handle, einschließlich Finanzierungs-, Personal und Marketingkosten. Das seien zwar auch rund 100 Millionen Euro mehr als noch vor Jahresfrist, bei den ursprünglich genannten Summen handelte es sich aber nur um Baukosten. Diese werden inzwischen bei 1,16 bis 1,25 Milliarden Euro liegen und damit rund doppelt so hoch, als bei Baubeginn errechnet. Kostentreibend wirkten sich zuletzt vor allem geänderte Bauabläufe und zusätzliche Arbeiten aus, hinzu kommen hohe Preissteigerungen auf dem boomenden Bausektor, und auch mit Nachforderungen der Firmen sei man konfrontiert.

Unverändert geht die Stadt von einer Inbetriebnahme des Stadtbahntunnel im Juni kommenden Jahres aus, das Teilprojekt Kriegsstraße soll dann bis Jahresende folgen. Dem Vorwurf, einige Stadtteile würden künftig nicht mehr direkt an die Innenstadt angebunden, widersprach Mentrup. Dies sei nur richtig, wenn man die Mitte der Stadt auf die Fußgängerzone begrenze. Dank der Kombilösung könne jedoch städtebaulich viel nachgeholt werden, vor allem die Kriegsstraße rund um das Ettlinger Tor werde seinen Charakter deutlich verändern. Aber auch die Kaiserstraße werde deutlich an Attraktivität gewinnen.

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Erstellt:
28. April 2020, 22:00 Uhr
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