Kein kostenloses Parken gegen Corona

Stuttgart/Mittelbaden (fk/lsw) – Einige Städte im Land machen das Parken in ihren Innenstädten derzeit günstiger oder heben die Gebühren ganz auf. Dadurch sollen mehr Bürger das Auto nutzen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. In Mittelbaden ist das aber kein Thema. Weder Baden-Baden, noch Rastatt, Gaggenau und Bühl haben bisher entsprechende Überlegungen angestellt und betonen gegenüber dem BT auch fast unisono, dass dies wenig sinnvoll erscheine.

In Mittelbaden fordern die Parkuhren auch weiterhin ihren Tribut. Foto: Reith/av

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In Mittelbaden fordern die Parkuhren auch weiterhin ihren Tribut. Foto: Reith/av

Von Florian Krekel, Felix Schröder

Wegen der Corona-Krise verzichten einige kleine Städte im Land aus Sicherheitsgründen auf die Parkgebühren. Das kostenlose Parken soll ein Anreiz für die Menschen sein, weniger mit Bus und Bahn zu fahren, um so das Ansteckungsrisiko zu verringern. Größere Städte wie Karlsruhe und Stuttgart zögern bei dem Thema aber noch. Aber nicht nur die: In den größeren mittelbadischen Städten ist das Thema kostenloses Parken aus unterschiedlichen Gründen kein Thema.
Waiblingen im Rems-Murr-Kreis etwa verzichtet seit dem 23. März auf Parkgebühren. Bis zum 19. April sollen laut einer Sprecherin keine Gebühren in Tiefgaragen und auf Parkplätzen erhoben werden. Für Baden-Baden ist das aber kein Beispiel, dem man folgen will. „Waiblingen hat bei Weitem nicht die gleiche Dichte im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) wie Baden-Baden – die Busse dort sind entsprechend voller“, erklärt Stadtpressesprecher Roland Seiter auf BT-Anfrage. Die Baden-Baden-Linie stelle zurzeit keine Überfüllung der kurstädtischen Busse fest, weswegen eine Entlastung des ÖPNV nicht nötig sei. Zudem verfüge die Baden-Badener Innenstadt nicht über viele oberirdische Parkplätze. Parkhäuser indes müssten erst von einem Dienstleister – wollte man sie kostenlos machen – für teures Geld entsprechend umgebaut und später erneut umgerüstet werden. Aus diesen Gründen, so verlautete aus dem Rathaus weiter, erachte man eine Reduzierung der Gebühren aktuell nicht für sinnvoll. Auch eine Lösung wie in Ulm würde somit ausscheiden. Dort sind in Parkhäusern die Tagespreise gesenkt worden. Seit einigen Tagen müssen Autofahrer dort pro Tag höchstens 5,40 Euro bezahlen.

In Karlsruhe ist kostenloses Parken bisher kein Thema, wie Dietmar Schaber vom Tiefbauamt sagte. Gleiches gilt auch für Bühl, Rastatt und Gaggenau.

Man könne, so sagt Gaggenaus Pressesprecherin Judith Feuerer, keine Zunahme des Individualverkehrs bemerken. In der Benzstadt vermutet man auch, dass das eher eine Lösung für größere Städte sei, da dort mehr Menschen vom ÖPNV auf das Auto umsteigen würden. „In den ländlicheren Gebieten spielt das Auto ohnehin schon immer eine wichtigere Rolle“, so Feuerer.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) möchte den Autoverkehr in den Städten eher reduzieren und empfiehlt Alternativen: „Es gibt auch in der gegenwärtigen, durch die Corona-Pandemie verursachten Ausnahmesituation im öffentlichen Nahverkehr ein stabiles Grundangebot mit ausreichend Platz für die Fahrgäste in den Bussen und Bahnen.“ Eine gute Alternative zum Autofahren sei es auch, mit dem Rad zu fahren oder zu Fuß zu gehen.

Auch andere Städte verweisen auf Fahrräder, die bei der Einschränkung des ÖPNV hilfreich seien, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

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Erstellt:
7. April 2020, 07:00 Uhr
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