Karlsruher Opernchefin verlässt Staatstheater 2021

Karlsruhe (cl) – Die Karlsruher Opernchefin Nicole Braunger verlässt das Badische Staatstheater im Sommer 2021. Ihren Dreijahresvertrag werde sie noch erfüllen, erklärte Intendant Peter Spuhler.

Ob bei ihr die Freude überwiegt? Karlsruhes Opernchefin Nicole Braunger kann zum Ende der gerade angelaufenen Spielzeit das Staatstheater wie schon länger gewünscht verlassen.  Foto: Felix Grünschloss/Staatstheater

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Ob bei ihr die Freude überwiegt? Karlsruhes Opernchefin Nicole Braunger kann zum Ende der gerade angelaufenen Spielzeit das Staatstheater wie schon länger gewünscht verlassen. Foto: Felix Grünschloss/Staatstheater

Von Christiane Lenhardt

Seit zwei Jahren schon will die erst 2018 geholte Opernchefin Nicole Braunger das Badische Staatstheater Karlsruhe so schnell wie möglich wieder verlassen. Aus ihrem Dreijahresvertrag hat man sie nicht entlassen. Jetzt bestätigte das Mehrspartenhaus, dass die Österreicherin zum Ende der angelaufenen Saison ausscheidet. Das Badische Staatstheater sucht bereits nach einer neuen Leitung für die Opernsparte.
Das Jobangebot ist neu auf der Internetseite des Staatstheaters aufgetaucht. In der Stellenausschreibung des Theaters heißt es: Der Operndirektorenposten sei ab der nächsten Spielzeit zu besetzen – mit dem Zusatz: früherer Einstieg erwünscht. Operndirektorin Braunger will sich dazu nicht äußern.
Generalintendant Peter Spuhler gibt ein kurzes Statement ab: „Nicole Braunger erfüllt ihren Vertrag als Operndirektorin des Staatstheaters und wirkt am Zukunftsprozess des Hauses mit.“ Ende Juli 2021 läuft Braungers Vertrag mit dem Staatstheater aus. Es werde eine hausinterne Findungsgruppe für die Nachfolge geben, an der im Sinne von Transparenz und Beteiligung auch Vertreter und Vertreterinnen von Opernensemble und Staatsopernchor teilnehmen werden, heißt es weiter. Auch Braunger selbst soll an ihrer Nachfolgesuche beteiligt sein.

Spuhlers Vorzeige-Frauenteam schrumpft


Mit viel Ambition hatte Intendant Spuhler 2018 sein neues Frauenleitungsteam als ein in der deutschen Theaterlandschaft einzigartiges Modell präsentiert: In der weiblichen Führungsriege – mit ihm an der Spitze – starteten auch die neue Schauspieldirektorin Anna Bergmann und kurz darauf die neue Ballettchefin Bridget Breiner. Vor allem die Berufung der aus Wien gekommenen, ausgebildeten Sängerin Nicole Braunger war mit Verwunderung aufgenommen worden, hatte sie doch noch nie eine Opernsparte geleitet und war zuvor in einer Künstleragentur in Wien beschäftigt. In ihren Spielplänen hatte Braunger jedoch einiges geboten, Opern der Weltliteratur unter anderem von jungen aufstrebenden Regisseuren ambitioniert umsetzen lassen.
Nun schrumpft Spuhlers Frauen-Führungsteam: Dies, obwohl nach dem Dauerstreit um Spuhlers Führungsstil im Sommer, als das Mehrspartenhaus in eine öffentlich ausgetragene Diskussion um seine vermeintliche „Machtfülle“ verstrickt wurde, wieder Ruhe eingekehrt ist. Während Schauspielchefin Bergmann trotz Corona-Einschränkungen mit Verve in die neue Spielzeit geht und im BT-Interview kürzlich von einem großen Veränderungsprozess sprach, der begonnen habe („Wir bekommen Coaches, die mit uns an neuen Strukturen arbeiten, und das Schauspielensemble geht sehr aktiv an Maßnahmen ran, um die Arbeitsbedingungen und grundsätzlichen Strukturen bei uns am Theater zu verbessern und zu verändern“, so Bergmann) und die Ballettsparte schon unter der früheren Chefin Birgit Keil eine Sonderstellung am Haus genoss, gab es in der Opernsparte wohl viel Frust: Was eine erhebliche Fluktuation zur Folge hatte: Dramaturg Boris Kehrmann ging, Braungers Stellvertreter auch, genauso der Erste Kapellmeister.
Nun aber haben Land und Stadt einen umfassenden Veränderungsprozess angestoßen, in dem die Kommunikation besser werden soll: Wie Anna Bergmann andeutete, sollten nicht nur das Schauspiel auch die anderen Sparten im Zuge dieses Strukturwandels künftig unabhängiger werden. Bis zum Saisonende kann Nicole Braunger noch davon profitieren.

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Erstellt:
9. Oktober 2020, 08:30 Uhr
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