Karlsruher Boucher-Schau: Planen mit Verlängerung

Karlsruhe (cl) – Die Karlsruher Boucher-Ausstellung hängt im Dunkeln. Die fertige Schau des Rokokokünstlers könnte, wenn erlaubt, auch kurzfristig zu Weihnachten öffnen, so Direktorin Pia Müller-Tamm.

Schäferstündchen von Boucher: Das Gemälde von 1760 wurde von Markgräfin Karoline Luise höchstpersönlich bei dem Künstler in Paris bestellt, heute gehört es zur Sammlung der Kunsthalle Kunsthalle.  Foto: A.Fischer/H.Kohler/Kunsthalle Karlsruhe

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Schäferstündchen von Boucher: Das Gemälde von 1760 wurde von Markgräfin Karoline Luise höchstpersönlich bei dem Künstler in Paris bestellt, heute gehört es zur Sammlung der Kunsthalle Kunsthalle. Foto: A. Fischer/H. Kohler/Kunsthalle Karlsruhe

Von Christiane Lenhardt

Der französische Künstler François Boucher gilt als Meister der Illusion. Seine pittoresken Landschaften, die Schäferszenen in prachtvoller Naturkulisse und die Gemälde opulent gekleideter Damen sind zum Inbegriff von Rokokomalerei geworden. Der Hofmaler des französischen Königs Ludwig XV. hat den Geschmack und die Mode im 18. Jahrhundert europaweit beeinflusst. Seine Kompositionen dienten als Vorlagen für Bühnendekorationen, Tapisserien, Möbel und Porzellane. Die berühmte Madame de Pompadour gehörte zu seinen Auftraggeberinnen – und auch die badische Markgräfin Karoline Luise, die seine Gemälde kopierte.
Aus ihrem reichen Kunstschatz kann die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe als Grundstock der hauseigenen Sammlung schöpfen. Die große Boucher-Ausstellung, die fertig eingerichtet auf ihre Eröffnung wartet, könnte neben den beiden eigenen Pastoralen, den Zeichnungen und Druckgrafiken noch eine stattliche Zahl an Werken von bis zu 50 Leihgebern aus Paris, Madrid, Wien und Stockholm zeigen – wenn sie denn öffnen dürfte.
Es sollte die erste Boucher-Retrospektive in diesem Umfang in Deutschland und momentan auch die einzige Großschau anlässlich seines 250. Todestags, der sich Ende Mai jährte, werden. Doch es besteht Hoffnung, dass sich „ein kleines Weihnachtswunder“ für den regionalen wie überregionalen Ausstellungsbetrieb ereignen könnte. Wenn der Teil-Lockdown, wie von der Bundesregierung angekündigt, ab 23. Dezember (bis längstens 1. Januar) gelockert würde – könnte die Kunsthalle „auf jeden Fall kurzfristig aufmachen“, sagt Direktorin Pia Müller-Tamm im BT-Gespräch – und fügt vorsichtig formuliert hinzu: „Wir wissen noch nicht definitiv, wie es über Weihnachten weitergeht, aber wenn wir öffnen dürften, würden der Ausstellung schon mal fünf Wochen in ihrer zwölfwöchigen Laufzeit fehlen. In jedem Fall denken wir über eine Verlängerung nach, was im Moment ja auch landauf, landab der Fall ist. Das heißt, wir sind selbst das ganze Jahr schon dabei Leihzusagen, die wir gegeben haben in die erste und manche sogar in die zweite Verschiebungsphase hinein zuzusagen. Genau auf so etwas würden wir dann natürlich auch hoffen.“ Das wäre auch kein Problem für die lichtempfindlichen Papierarbeiten, die generell nur für kurze Dauer ausgestellt werden dürfen. „Alles, was im Moment bei einer fertig gebauten Ausstellung an Laufzeit ist, fällt nicht an, weil sich derzeit einfach alles in dunklen Räumen befindet“, so Müller-Tamm.

Karlsruher Kunsthallenchefin: „Für Museen muss es zu differenzierten Lösungen kommen“


Zwar seien noch keine Verlängerungsanträge an die Leihgeber gestellt worden, „weil wir dafür einfach die Planungssicherheit haben müssen, dann müssen die Verträge umgeschrieben werden, dazu muss man wissen, wann man anfängt und wann man endet.“ Aber sie sei zuversichtlich. Alle sitzen ja im selben Boot, und alle sind im Wartestand. Bei einer konzertierten Aktion an alle 40 bis 50 Leihgeber der Ausstellung, die angefragt werden, rechne sie mit „maximalem Wohlwollen, so wie wir das auch bei den anderen Häusern tun, von denen wir als Leihgeber angefragt sind.“
Generell hält die Karlsruher Kunsthallendirektorin die Museen für „risikofreie Zonen“. „Wir hoffen sehr und wünschen, dass Museen bald wieder öffnen können, weil wir alle wissen, und das ist auch wirklich nachgewiesen, dass von Museen keine irgendwie gearteten Spreaderevents ausgegangen sind. Die Museen haben allesamt die Hygieneregeln total ernst genommen und umgesetzt und angepasst.“ Nach dem ersten Lockdown hätte sich die Kunsthalle gerade wieder herangetastet an den Museumsbetrieb, der ohnehin hieß, dass das halbe Haus zu sein musste, weil die Kunsthalle Karlsruhe über so wenig klimatisierte Bereiche verfüge und wegen der Sicherheit keine Fenster geöffnet werden dürften. Die Orangerie und die Alten Meister mussten zubleiben, nur noch Teilbereiche waren zugänglich.
„Wenn es sich wirklich noch länger hinziehen sollte, so hoffe ich, dass man zu differenzierten Lösungen kommt, bei denen die Museen als Orte erkannt werden, die man guten Gewissens den Menschen geben kann“, sagt Müller-Tamm – „die Menschen brauchen auch Orte, in denen man nicht nur konsumiert, sondern in denen man auch irgendwo Erfahrungen macht, die einen vielleicht ein bisschen über die Schwierigkeiten der Tage hinwegtragen.“ Ohnehin sei alles eingeschränkt auf das absolute Kerngeschäft: der Einzelbesucher vor dem Einzelbild. „Es ist eine sehr, sehr besondere Zeit, die für alle schwierig ist“, sagt die Kunsthallen-Chefin. Aber der Boucher-Schau möchte sie auf jeden Fall „die ihr gebührende Laufzeit geben“. Mit 140 Werken und den europäischen Leihgebern sei eine wunderschöne Präsentation zustande gekommen, in der auch gerade die mediale Vielfalt von Boucher in Erscheinung tritt. Auch sein berühmtestes Werk, das monumentale Gemälde der „Madame Pompadour“, aus München fest zugesagt, soll dann pünktlich zum Start der Schau dazukommen. Bislang ist die Laufzeit bis 7. Februar 2021 terminiert.

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Erstellt:
26. November 2020, 21:00 Uhr
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