KSC denkt über geplante Insolvenz in Eigenverwaltung nach

Karlsruhe (red) – Wenn die TV-Gelder weiter fließen, sieht sich der Karlsruher SC bis Ende Juni zahlungsfähig. Wenn... Offenbar denkt man auch über eine geplante Insolvenz in Eigenverwaltung nach.

Gehen im Wildpark bald die Lichter aus? Foto: Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Gehen im Wildpark bald die Lichter aus? Foto: Markus Gilliar/GES

Von dpa

Als bloßen Aprilscherz wollten die Verantwortlichen des Karlsruher SC den Bericht über die drohende Insolvenz des Clubs nicht abtun. Die Lage sei in der Tat angespannt, eine Pleite des abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten stehe jedoch noch nicht an. „Wir sind zahlungsfähig“, sagte Vereinspräsident Ingo Wellenreuther am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Bis zum 30. Juni ist die Saison durchfinanziert. Wir haben auch die Gehälter pünktlich überwiesen.“ Der SWR hatte zuvor berichtet, dem KSC drohe in den kommenden Wochen die Zahlungsunfähigkeit.

Doch auch KSC-Geschäftsführer Michael Becker dementierte: „Es ist natürlich nicht so, dass uns in den nächsten Wochen die Zahlungsunfähigkeit droht“, sagte er. Die Aussagen aber haben in der schwierigen Zeit der Corona-Krise nicht unwesentliche Einschränkungen: Es ist der Stand „nach aktueller Planung“ und es gilt die Voraussetzung, dass „die TV-Gelder kommen“, wie Becker sagte.

Finanzielle Lage ist angespannt

Die Gehälter für Spieler, Trainer und Betreuer des Clubs, die bis Ende Juni noch anfallen, belaufen sich auf mehr als drei Millionen Euro. Der KSC-Anteil an den TV-Geldern liegt insgesamt bei rund zehn Millionen Euro. Pro Quartal werden rund 2,5 Millionen Euro an den KSC ausgezahlt. Die Fernsehgelder fließen, wenn die derzeit bis mindestens Ende April unterbrochene Saison noch fortgesetzt wird. Ziel der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist es weiterhin, die Saison bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen.

Die finanzielle Lage des Vereins bleibt nach zwei verlustreichen Jahren in der 3. Liga sehr angespannt. „Wir befinden uns durch die Corona-Krise in einer nie dagewesenen Situation“, sagte Becker. „Selbstverständlich prüfen wir alle möglichen Szenarien und suchen Lösungen für unterschiedliche Finanzierungen, um auf sämtliche Eventualitäten vorbereitet zu sein.“ Ein verlockendes Szenario könnte für den badischen Traditionsclub daher eine geplante Insolvenz in Eigenverwaltung sein. Dann hätte der Club die Möglichkeit, eine verbleibende Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachverwalters selbst zu verwalten und über sie zu verfügen.

Kein Punktabzug bei Insolvenz

Verlockend auch deswegen, weil DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Dienstag verkündet hatte, dass solche Insolvenzen aufgrund der Corona-Pandemie in der laufenden Saison nicht mit einem Punktabzug bestraft werden sollen. Für den Insolvenzfall in der kommenden Spielzeit würden statt neun nur drei Zähler abgezogen werden. Der KSC hat sich laut Becker bereits mit diesem Thema beschäftigt. „Die Folgen wären allerdings weitreichend“, warnte Wellenreuther jedoch.

Indirekt bestätigte der Clubchef ein für diesen Mittwoch anberaumtes Gespräch mit Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. „Schließlich bauen wir ein Stadion zusammen“, sagte Wellenreuther. Die Stadionbaukosten von rund 80 Millionen dafür soll der Verein über mehrere Jahrzehnte zurückbezahlen. Dem KSC, sagte Wellenreuther, gehe es daher vor allem darum, den Oberbürgermeister zu informieren. „Wir wollen die Gesamtsituation erläutern, was im deutschen Fußball gerade abgeht, was die DFL beschlossen hat, wie unsere Situation ist und was alles noch auf uns zukommen kann“, erklärte der 60-Jährige.

Ein ausführlicher Bericht erscheint in der Donnerstagsausgabe sowie ab 4 Uhr im E-Paper

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Erstellt:
1. April 2020, 17:49 Uhr
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