KSC-Kandidaten: Programme ähneln sich

Karlsruhe (ket) – Vor ungewöhnlicher Kulisse im Karlsruher Autokino haben sich die Kandidaten für das KSC-Präsidentenamt vorgestellt. Per Blinker konnten Fans dabei Fragen anmelden. Gehupt wurde auch.

Ungewöhnliche Kulisse: Etwa 70 Autos stehen vor der Bühne auf dem Karlsruher Messeplatz. Fotos: Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Ungewöhnliche Kulisse: Etwa 70 Autos stehen vor der Bühne auf dem Karlsruher Messeplatz. Fotos: Markus Gilliar/GES

Von Frank Ketterer

Dorotheé Springmann hat es gestern Abend dann doch noch rechtzeitig ins Karlsruher Autokino geschafft, bereits eine gute Stunde vor Veranstaltungsbeginn fuhr sie ihr Vehikel auf den Messplatz. Am Donnerstag hatte sich die 37-Jährige um ihre Pünktlichkeit noch ein wenig gesorgt, was nicht das Geringste damit zu tun hatte, dass Frau Springmann sich nicht prinzipiell an die Uhr halten kann, sondern eher damit, dass Frau Springmann gar nicht mehr Frau Springmann ist, sondern mittlerweile Frau Augustin.

Am Vortag, also am Samstag, hatte die 37-Jährige geheiratet (und dabei den Namen gewechselt). Wenn man so will, ist Dorotheé Augustin also direkt nach ihrer Hochzeitsnacht nach Karlsruher gefahren, um an jener Informationsveranstaltung zu den nächsten Donnerstag stattfindenden Präsidentschaftswahlen des Karlsruher SC teilzunehmen, zu der die Supporters geladen hatten.

Dass diese im Autokino stattfand, hat natürlich mit Corona zu tun, anders wäre eine Großveranstaltung wie die gestrige kaum durchführbar gewesen. Gut 70 Autos standen am Ende auf dem Messplatz. Wer nicht live dabei sein konnte oder wollte, konnte das Event auch im Internet verfolgen. Fragen an die Bewerber konnten später über SMS und Whatsapp gestellt werden oder live vor Ort via Mikrofon, was per Blinker setzen angekündigt werden konnte. Bei Missfallen jeglicher Art, man ahnt es schon, wurde die Hupe betätigt.

Gruppenbild der Kandidaten: Martin Müller, Rolf Dohmen, Axel Kahn, Dorotheé Augustin, Holger Siegmund-Schultze und Kai Gruber (von links).

© GES/Markus Gilliar

Gruppenbild der Kandidaten: Martin Müller, Rolf Dohmen, Axel Kahn, Dorotheé Augustin, Holger Siegmund-Schultze und Kai Gruber (von links).

Neben Augustin, Polizeibeamtin aus Offenburg, saßen Holger Siegmund-Schultze (53), aktueller Vizepräsident, der ehemalige KSC-Profi und -Manager Rolf Dohmen (68), der aus Steinmauern stammende Geschäftsmann Kai Gruber (57) sowie Axel Kahn (54), Inhaber einer Werbeagentur, Netzwerker und nicht zuletzt Bruder von Torwartlegende Oliver Kahn. Diese fünf wollen nächsten Donnerstag die Nachfolge des im Mai zurückgetretenen Ingo Wellenreuther antreten. Sollte die Wahl auf Siegmund-Schultze fallen, müsste zudem an seiner statt ein neuer Vize gewählt werden. Für dieses Amt hat sich neben Augustin und Dohmen auch Martin Müller (56) beworben, der bei den Wahlen im vergangenen Oktober im Kampf ums Präsidentenamt knapp dem damaligen Amtsinhaber Wellenreuther unterlegen war und gestern ebenfalls mit auf dem Podium saß.

Programme ähneln sich im Kern

Dabei ist es durchaus so, dass die Programme der fünf Präsidentschaftskandidaten sich zumindest im Kern ziemlich ähneln. Denn natürlich will jeder von ihnen den finanziell nach wie vor angeschlagenen Fußball-Zweitligisten wirtschaftlich konsolidieren und sportlich fürs Erste zumindest stabilisieren. Auch über die Art und Weise, wie das bewerkstelligt werden könnte, besteht weitgehend Konsens. Was das Wirtschaftliche anbelangt, müssten neue Sponsoren, auch überregionale, gewonnen sowie bereits vorhandene mehr und besser umgarnt werden, zudem über das Forcieren von Aktienverkäufen das Eigenkapital erhöht werden. Was das Sportliche betrifft, sprechen sich alle Kandidaten, Müller eingeschlossen, für einen Ausbau der Jugendarbeit aus, die beim KSC schließlich schon immer einen hohen Stellenwert gehabt habe. Nicht zuletzt deshalb wird vom Großteil der Bewerber auch die Abmeldung der U23 als Kardinalsfehler gegeißelt.

Leichte Differenzen gibt es hingegen bei der Frage, ob der Verein eine Art externes Beratungsgremium für sportliche Themen, etwa bei zu tätigenden Transfers, benötigt. Während Augustin, Siegmund-Schultze, Gruber und auch Müller gerne Berater von Außen hören würden, könnten Kahn und Dohmen auf diese verzichten, nicht zuletzt, weil sie selbst über ausreichend Fußballkompetenz verfügen. Auch gestern Abend machten die beiden das deutlich.

Fast deckungsgleiche Auskünfte erhält man von den Kandidaten wiederum bezüglich des unter ihnen zu erwartenden Führungsstils. Dass sie allesamt Teamplayer sind, versteht sich fast schon von selbst, zudem spielen Schlagworte wie Transparenz, Offenheit, Kommunikation, Vertrauen und Menschlichkeit eine große Rolle. Auch was das Verhältnis zur Stadt Karlsruhe angeht, waren sich die Präsidenten in spe einig. Als in der Vergangenheit „unsäglich“ bezeichnete Axel Kahn dieses, was ihm allgemeines Kopfnicken auf dem Podest und einiges Hupen, allerdings der zustimmenden Art, unten auf dem Platz einbrachte.

So waren es zuvorderst die Details, die bei der gestrigen Infoveranstaltung angesprochen und auch abgefragt wurden – und all jene Dinge, die die Kandidaten quasi als persönlichen Hintergrund mit in den Wahlkampf bringen. Dabei wurde deren Meinung zum Thema Vielfalt ebenso abgefragt wie jenes zur 50+1-Regelung (die naturgemäß alle Bewerber befürworten, zumindest offiziell).

Müller in der Rechtfertigungsrolle

Dass Siegmund-Schultze bei dieser Gelegenheit danach gefragt wurde, warum er in seinen über drei Jahren als Vizepräsident nicht die eine oder andere Fehlentscheidung (oder was von den Fans als solche gesehen wird) verhindert habe und ob er somit nicht Teil der ganzen Misere sei, war dabei fast schon zu erwarten. Der amtierende Vize beantwortete sie routiniert und gut vorbereitet: „Es gab Entscheidungen, bei denen ich meine Präsidiumskollegen überzeugen konnte – und bei manchen ist mir das nicht gelungen.“ Eine Feststellung, die er mit dem Hinweis verband, dass dies in demokratischen Gremien so üblich sei.

In der Rechtfertigungsrolle befand sich einmal mehr Martin Müller. Durch ein Interview hatte er sich in diese selbst hineinmanövriert. In diesem bestätigte Müller, dem KSC-Verwaltungsratsvorsitzenden Michael Steidl ein privates Darlehen gegeben zu haben, das dieser bislang nicht zurückbezahlt habe. Dass Müller derart Privates öffentlich gemacht hatte, scheint bei so manchem KSC-Anhänger nicht gut angekommen zu sein. Aus Gründen der Transparenz und Offenheit, für die er ja stehe, habe er dies, so Müller gestern, getan. Dass Steidl das Darlehen mittlerweile zurückbezahlt hat, habe er deshalb nicht erwähnen können, weil dies erst nach Veröffentlichung besagten Interviews geschehen sei.

Runde zweieinhalb Stunden standen die Kandidaten Rede und Antwort, alles in allem fair gingen sie miteinander um. Danach rollten die Fans in ihren Autos vom Messplatz. Einige bedurften zuvor freilich einer Starthilfe.

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Erstellt:
27. Juli 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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