Jubliäums-„Tatort“ im Doppelpack

Dortmund/München (dpa) – Seinen 50. Geburtstag feiert der „Tatort“ mit einer Doppelfolge über die Mafia: Für die Krimis „In der Familie“ arbeiten die Ermittlerteams aus Dortmund und München zusammen.

Zum „Tatort“-Jubiläum ermitteln das Dortmunder und das Münchner Team gemeinsam in einem Fall um Drogenhandel und Geldwäsche (von links nach rechts): Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Jan Pawlak (Rick Okon), Nora Dalay (Aylin Tezel), Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Boenisch (Anna Schudt), Ivo Batic (Miroslav Nemec). Foto: WDR/Frank Dicks

Zum „Tatort“-Jubiläum ermitteln das Dortmunder und das Münchner Team gemeinsam in einem Fall um Drogenhandel und Geldwäsche (von links nach rechts): Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Jan Pawlak (Rick Okon), Nora Dalay (Aylin Tezel), Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Boenisch (Anna Schudt), Ivo Batic (Miroslav Nemec). Foto: WDR/Frank Dicks

Wenn der „Tatort“, wie Regisseur Dominik Graf sagt, „die Bundesliga der Kommissare“ ist, hat die ARD für die Jubiläumsfolge zum 50. Geburtstag eine Spitzenmannschaft auf den Platz geschickt. Mit den Münchner Urgesteinen der Reihe, den Kommissaren Batic und Leitmayr sowie dem Dortmunder Ermittler-Team rund um den eigenwilligen Kommissar Faber spielt das Krimiformat seine Stärken aus – und das gleich über zwei eindringliche Folgen (Ausstrahlung am 29. November 6. Dezember., jeweils um 20.15 Uhr im Ersten).

Fotostrecke
/
Jubliäums-„Tatort“ im Doppelpack
Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) und ihr Kollege Jan Pawlak (Rick Okon) ermitteln undercover im Restaurant der Familie Modica. Foto: WDR/Frank Dicks

Jubliäums-„Tatort“ im Doppelpack
Nora Dalay (Aylin Tezel, links hinten) im Fitnesskurs – auch Juliane Modica (Antje Traue, Mitte) nimmt daran Teil. Foto: WDR/Frank Dicks

Jubliäums-„Tatort“ im Doppelpack
Juliane Modica (Antje Traue, rechts) führt mit ihrem Mann eine Pizzeria in Dortmund. Ihre 17-jährige Tochter Sofia (Emma Preisendanz) hilft nach der Schule aus. Foto: WDR/Frank Dicks

Jubliäums-„Tatort“ im Doppelpack
Pippo Mauro (Emiliano de Martino, links) will auch in Dortmund Geschäfte machen – und trifft sich mit Tarim Abakay (Adrian Can), der in der Dortmunder Unterwelt gut vernetzt ist. Foto: WDR/Frank Dicks

Jubliäums-„Tatort“ im Doppelpack
Luca Modica (Beniamino Brogi, Mitte) und seine Ehefrau Juliane (Antje Traue) müssen Pippo Mauro (Emiliano de Martino) Unterschlupf bieten, die ‚Ndrangheta verlangt es. Foto: WDR/Frank Dicks

Klischeefern und nah dran an den emotionalen Ausnahmezuständen seiner Protagonisten erzählt der Jubiläums-„Tatort“ mit dem Titel „In der Familie“ vom tödlichen Würgegriff der italienischen Mafia – und dem Versuch der Polizei, dem etwas entgegenzusetzen.

Nicht minder erstklassig sind diejenigen, die den Stoff für die Crossover-Folge erdacht und inszeniert haben: Das mühelos über zwei Teile tragende Drehbuch stammt aus der Feder von Bernd Lange, der bereits Vorlagen für preisgekrönte Filme wie „Requiem“ und „Was bleibt“ lieferte.

Im ersten Teil führte der Polizeifilm-Routinier Dominik Graf Regie – wie bereits vor 25 Jahren in der damaligen Jubiläumsfolge „Frau Bu lacht“ und einigen „Tatorten“ mehr. Für den zweiten Teil hat die ARD mit Pia Strietmann eine Regisseurin gewählt, deren „Tatort“-Debüt über einen verstörenden Amok-Alarm in München („Unklare Lage“) erst im Januar zu sehen war – als ihr erster TV-Krimi überhaupt.

„Hin- und Rückspiel“ in zwei Regionen

Beide formen mit ihrer jeweils eigenen Erzählweise Filme, die soweit geschlossen sind, dass sie notfalls auch für sich stehen könnten – es aber zum Glück nicht müssen: Dem Zuschauer würde etwas entgehen.

„Hin- und Rückspiel“, wie beim Fußball nennt es der verantwortliche Redakteur des WDR, Frank Tönsmann, in dem zwei Regionen – hier Dortmund, da München – und deren Vertreter aufeinanderprallen.

Einerseits der störrische Eigenbrötler Peter Faber (Jörg Hartmann) mit den sich an ihm reibenden Kollegen (unter anderem Aylin Tezel letztmalig als Kriminaloberkommissarin Nora Dalay), andererseits die eingespielten Münchner Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit ihrem trockenen Charme und Ermittlerinstinkt.

Pippo Mauro (Emiliano de Martino) findet Unterschlupf in Dortmund, verhält sich dort aber alles andere als ruhig. Foto: WDR/Frank Dicks

Pippo Mauro (Emiliano de Martino) findet Unterschlupf in Dortmund, verhält sich dort aber alles andere als ruhig. Foto: WDR/Frank Dicks

Der erste Teil spielt im Ruhrgebiet, das Graf mit gewisser Tristesse inszeniert: In einer Dortmunder Vorstadt betreibt Luca Modica (Beniamino Brogi) mit seiner Frau Juliane (Antje Traue) eine Pizzeria. Einträglicher ist jedoch ein verhängnisvoller Deal mit der ‚Ndrangheta, die ihm das Restaurant beschafft hat: Der Laden ist für die italienische Mafia ein verkehrsgünstiger Umschlagplatz für Kokain. Das ahnt auch die Kripo, die das Lokal oberserviert.

Eher Kammerspiel als Mafia-Film

Es ist schließlich ein Mord in München und die Fahndung nach dem untergetauchten Tatverdächtigen Pippo Mauro (Emiliano de Martino), der die Münchner Kommissare nach Westfalen führt. Jener Pippo, der sich bei den Modicas eingenistet hat, bringt alles ins Wanken.

Schon die erste Ideenskizze zum Film habe ihm den Atem stocken lassen, verrät Regisseur Dominik Graf: „Eher wie in einem Kammerspiel als in einem Mafia-Film“ ziehe sich die Situation Schritt um Schritt wie eine Schraube für alle Beteiligten zusammen „bis zu einem mörderischen Ende“.

Der zweite Teil spielt dann in München.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.