„Im Kapuzenpulli erkennt mich keiner“

Berlin (mw) – Hauptdarsteller Volker Bruch über die neuen Folgen von „Babylon Berlin“, die Zwanzigerjahre und seine Filmpartnerin Liv Lisa Fries

Liv Lisa Fries spielt an der Seite von Volker Bruch die weibliche Serien-Hauptrolle bei „Babylon Berlin“. Foto: ARD Degeto/WDR/X Filme Creative

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Liv Lisa Fries spielt an der Seite von Volker Bruch die weibliche Serien-Hauptrolle bei „Babylon Berlin“. Foto: ARD Degeto/WDR/X Filme Creative

Von Martin Weber

Hohe Einschaltquoten, begeisterte Kritiken, ganz großes Fernsehen: Die 2017 gestartete, opulente Serie „Babylon Berlin“ nach den Romanen von Volker Kutscher setzt Maßstäbe. Nachdem die dritte Staffel der in den Zwanzigerjahren handelnden Serie im Januar bereits beim Bezahlsender Sky zu sehen war, kommt sie jetzt ins Erste: Die ARD zeigt die zwölf neuen Folgen von „Babylon Berlin“ nach dem Roman „Der stumme Tod“ ab 11. Oktober (20.15 Uhr). Volker Bruch spielt die Hauptfigur, den traumatisierten Kommissar Gereon Rath, der bei seinen Ermittlungen in die politischen Wirren der Weimarer Republik gerät. Mit Martin Weber spricht der Hauptdarsteller über die neuen Folgen von „Babylon Berlin“, die Goldenen Zwanziger und seine Filmpartnerin Liv Lisa Fries.

BT: Herr Bruch, warum ist „Babylon Berlin“ so erfolgreich?
Volker Bruch: Die Zwanzigerjahre waren eine ungeheuer spannende Epoche. Deutschland war an einem Scheideweg und niemand wusste, wie es weitergeht. Es herrschte, gerade in Berlin, ein sehr fruchtbares Chaos. Das ist grundsätzlich schon mal ein Nährboden für gute Geschichten. Dazu kommt, dass hinter den Kulissen tolle Filmemacher wie Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten am Werk sind, die der Geschichte ihren eigenen Wahnsinn verleihen.

BT: Waren Sie überrascht, dass die Serie so eingeschlagen hat?
Bruch: Ich hatte schon bei den Dreharbeiten das Gefühl, dass wir da an etwas Besonderem arbeiten. Dieses Gefühl war von Anfang an da, schon beim Lesen der ersten Drehbücher, bei den Kostümproben und den ersten Leseproben. Ich hatte immer das Gefühl, das ist etwas Wertvolles, womit ich wir uns da beschäftigen, und das ging den Kollegen glaube ich auch so. Das heißt aber natürlich nicht, dass man damit richtig liegt. Umso mehr freue ich mich, dass sich dieses Gefühl scheinbar überträgt und die Leute das gerne schauen.

Gleich die erste Folge der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ thematisiert den Börsencrash von 1929. Foto: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019“

© Frédéric Batier/X Filme Creative

Gleich die erste Folge der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ thematisiert den Börsencrash von 1929. Foto: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019“

BT: Was hat sich für Sie persönlich geändert?
Bruch: Ich weiß, dass ich alle zwei Jahre ein großes Projekt habe, das ich drehen darf, und das gibt mir natürlich ein Gefühl von Sicherheit für die Zeit dazwischen. Das heißt, dass ich mir meine Projekte neben Babylon sehr genau aussuchen kann – und nicht Filme drehen muss, die mir vielleicht nicht so zusagen.

BT: Bekommen Sie mehr Rollenangebote als früher?
Bruch: Die Anzahl der Angebote ist gar nicht so relevant. Es reicht, wenn ab und zu etwas dabei ist, auf das man richtig Lust hat.

BT: Also war „Babylon Berlin“ für Sie ein Durchbruch?
Bruch: Mit dem Wort Durchbruch tu ich mich ehrlich gesagt ein bisschen schwer, weil ich seit bald 20 Jahren als Schauspieler arbeite und nicht das Gefühl hatte, irgendwann den alles entscheidenden Durchbruch gehabt zu haben. Ich hatte viele kleine Durchbrüche, wenn Sie so wollen, es gab immer tolle Produktionen, bei denen ich mitarbeiten durfte ...

BT: ... wie zum Beispiel den Fernsehdreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“.
Bruch: Genau, das war zum Beispiel sehr wichtig.

BT: Werden Sie auf der Straße erkannt?
Bruch: Das kommt schon vor, da ich normalerweise aber nicht mit Hut und Anzug rumlaufe, wie in der Serie, hält sich das in Grenzen. Im Kapuzenpulli erkennt mich keiner.

BT: Wie geht es mit dem von Ihnen gespielten Kommissar Gereon Rath in der im Krisenjahr 1929 handelnden dritten Staffel weiter?
Bruch: Er ist so richtig in Berlin angekommen, hat eine Wohnung und wird von den Kollegen in der Mordkommission respektiert, aber er hat Probleme in seiner Beziehung und kämpft mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Er hat sein Päckchen zu tragen, und das lässt ihn auch nicht los. Und natürlich gibt es auch einen neuen Fall, um den er sich kümmern muss.

BT: Das Jahr 1929 mit seinen politischen und wirtschaftlichen Krisen war der Anfang vom Ende der Weimarer Republik. Sehen Sie Parallelen zu heute?
Bruch: Die sind wohl nicht von der Hand zu weisen, aber ich tu mich immer schwer sie zu ziehen, weil sich Geschichte nie eins zu eins wiederholt. Was wir von damals aber auf jeden Fall lernen können, ist, dass es keine einfachen Lösungen gibt – und dass man offen und wach bleiben muss.

BT: Wie ist Ihr Verhältnis zu Liv Lisa Fries, die in der Serie die weibliche Hauptrolle spielt?
Bruch: Wir sind nicht nur in der Serie, sondern auch privat miteinander befreundet. Ich mag sie unheimlich gerne, und das hört auch nicht auf, wenn der Take zu Ende ist.

BT: Kennen Sie sich schon lange?
Bruch: Wir haben uns beim Casting für „Babylon Berlin“ kennengelernt, und ich war sofort von ihr begeistert.

Ein mysteriöser Mord erschüttert die Berliner Filmindustrie:Das Duo Rath und Ritter ermitteln hinter den Kulissen des Showbusiness. Foto: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

© Frédéric Batier/X Filme Creative

Ein mysteriöser Mord erschüttert die Berliner Filmindustrie:Das Duo Rath und Ritter ermitteln hinter den Kulissen des Showbusiness. Foto: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

BT: Waren Sie schon zuvor Fan der Romane von Volker Kutscher, auf denen die Serie basiert?
Bruch: Ich habe die Romane erst gelesen, als ich die erste Castinganfrage bekommen habe, das war etwa ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten. Ich habe dann alle sechs Bücher, die es zum damaligen Zeitpunkt gab, hintereinander weggelesen, ich habe sie regelrecht verschlungen und dabei sehr mit Gereon Rath mitgefiebert. Ich musste allerdings noch mehrere Auswahlrunden überstehen, bis die Entscheidung fiel, dass ich ihn in der Serie wirklich verkörpern durfte.

BT: Haben Sie mit Volker Kutscher darüber gesprochen, wie ihm Ihre Darstellung von Gereon Rath gefällt?
Bruch: Ich habe ihn erst relativ spät im Lauf der Dreharbeiten kennengelernt und er war sehr freundlich. Entweder ist er zufrieden mit der Darstellung – oder sehr höflich, das weiß ich nicht (lacht).

BT: In der Serie ist Rath ein anderer Typ als in den Romanen.
Bruch: Das liegt hauptsächlich am Drehbuch, weniger an der Darstellung. Volker Kutscher weiß, dass man Drehbücher anders verfassen muss als Romane. Es war für ihn von Anfang an klar, dass man seine Bücher als Vorlage sieht und für die Serienumsetzung interpretieren muss, das geschah mit seinem vollen Einverständnis. Es soll ja keine Kopie sein, sondern eine Weiterentwicklung.

BT: Kommt eine vierte Staffel von Babylon Berlin?
Bruch: Davon gehe ich aus, die Drehbücher werden gerade geschrieben. Weil jetzt erst mal die Stoffentwicklung im Vordergrund steht, hat uns die Corona-Krise auch keinen Strich durch die Rechnung gemacht.

BT: Was meinen Sie – wie lange wird es die Serie noch geben?
Bruch: Mal sehen, Romanvorlagen gibt es ja genug. Solange es allen noch Spaß macht und uns die Geschichten nicht ausgehen, gibt es keinen Grund, aufzuhören. Ich habe auf jeden Fall Lust, das noch eine Weile zu machen.

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Erstellt:
10. Oktober 2020, 16:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 16sec

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