Guten Morgen, Sonnenschein

Rastatt (ebe) – Es sind die kleinen Momentaufnahmen des Lebens: Kurioses, schönes, ärgerliches. „Lebensnah“ schreibt Nina Ebersbach diese Woche über Ausschlafen mit Kindern.

Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock-adobe.com/Badisches Tagblatt

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Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock-adobe.com/Badisches Tagblatt

Von Nina-Christiana Ebersbach

Aktuell gibt es in meinem Schlafzimmer nur zwei Extreme: Entweder ist alles stockfinster abgedunkelt oder die Sonne lacht mir beim Aufstehen entgegen. Letzteres ist für eine Nachteule wie mich in den Sommermonaten definitiv effektiver. Denn so springe ich schon zu früher Stunde leicht wie eine Gazelle aus den Federn und gehe höchst motiviert den Tag an.

Doch das kann auch nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn die vierjährige Tochter in der Nacht zum Sonntag beschließt, dass der Platz in der Bettritze zwischen Mama und Papa doch viel kuscheliger ist als das eigene Bett. Schläfrig kann man da schon einmal vergessen, dass man weder die zwei Dachfenster direkt über dem Bett noch die großen Schiebetürenfenster zum Balkon sorgfältig mit Rollläden verschlossen hat – all das, was eigentlich erholsamen Schlaf bis 8 Uhr morgens garantiert.

Die Konsequenz des eigenen Versäumnisses folgt wenige Stunden darauf: Wenn die Mama Sonntagfrüh um 5 Uhr die Toilette aufsucht, schlaftrunken und mit zusammengekniffenen Augen zurück ins Bett taumelt und sich seufzend in selbiges fallen lässt.

„Die Dosenöffner sind wach“

Genau dann strecken zwei kleine Arme neben mir im Bett einen weißen Kuschelhasen in die Höhe und flüstern aufgeregt: „Guten Morgen, Hasi! Aufgestanden! Es ist schon hell!“ Sofort entgegne ich aufgeregt: „Ähhhh, Moment! Nein, nein! Es wird jetzt noch weiter geschlafen! Es ist noch mitten in der Nacht.“ Dem entsetzten Blick meiner Tochter folgt ein noch aufgeregtes Gekreische, das bis zum Nachbarsfenster dringen muss: „Du schwindelst!“, schreit sie mich an. „Es ist schon hell!“ Eine hitzige Diskussion um Mittsommer und die lange Helligkeit entspinnt sich. Bei einer Vierjährigen völlig zwecklos: Meine Tochter findet Schlafen plötzlich eh langweilig und will am liebsten direkt neben uns im Bett lautstark Spielen, Hopsen und ihren Kuscheltieren die jüngsten Abenteuer mitteilen. Gleichzeitig stimmt sie Nana Mouskouris „Guten Morgen, Sonnenschein“ an. Noch nie habe ich das Lied so gehasst wie in diesem Moment. Ich raufe mir unterdessen die Haare und verfluche die aufgehende Sonne, die das Zimmer immer stärker erhellt.

Nun springt dann auch der vom Gebrüll wach gewordene Kater erwartungsfreudig auf das Bett, weil er weiß: „Die Dosenöffner sind wach. Jetzt geht’s gleich an den Futternapf!“ Na, vielen Dank! Das war’s dann wohl! Ich verfluche mich und meine Nachlässigkeit. Beim nächsten Mal vorher einfach noch einmal genau überlegen, in welche Richtung der Rollladen am Vorabend fahren soll.

Vor zwei Wochen schrieb Fiona Herdrich lebensnah über Basilikum.

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Erstellt:
26. Juli 2020, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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