Grandseigneur des Theaters: Berth Wesselmann wird 70

Baden-Baden (cl) – Doppelt Grund zum Feiern: Seit 40 Jahren gehört Berth Wesselmann zum Ensemble des Theaters Baden-Baden. Am heutigen Dienstag wird er 70 und spielt weiter. Demnächst auch in Bozen.

Der Grandseigneur des Theaters Baden-Baden: Schauspieler Berth Wesselmann ist dem Haus am Goetheplatz seit 1980 treu – und weiter als „fester Gast“ unter Vertrag.  Foto: Theater Baden-Baden

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Der Grandseigneur des Theaters Baden-Baden: Schauspieler Berth Wesselmann ist dem Haus am Goetheplatz seit 1980 treu – und weiter als „fester Gast“ unter Vertrag. Foto: Theater Baden-Baden

Von Christiane Lenhardt

Der berühmte US-Maler Mark Rothko in John Logans „Rot“ war eine späte Glanzrolle von Berth Wesselmann. Neben modernen Stücken, die am Theater Baden-Baden seit eh und je auf dem Spielplan stehen, hat Wesselmann die Klassiker rauf und runter gespielt, hat gelesen und gesungen – und ist Dreh- und Angelpunkt von Musicals gewesen.
„Die liebe ich sowieso“, schwärmt er. „Was Musicals angeht, habe ich alle wichtigen Hauptrollen gespielt.“ Henry Higgins in „My Fair Lady“, Petrucchio in „Kiss me Kate“, einen Produzenten im neueren Überraschungserfolg „Hochzeit mit Hindernissen“, das wegen Corona nicht wiederaufgenommen werden kann. Allein den Milchmann Tevje in „Anatevka“ verkörperte Wesselmann in fünf unterschiedlichen Inszenierungen, das erste Mal mit 35. „Damals hatte ich einen schwarzen Bart, den haben sie mir weiß gefärbt, jetzt habe ich einen weißen Bart, den färben sie mir schwarz.“
Seit 40 Jahren ist der gebürtige Westfale ein Gesicht des Theaters Baden-Baden – und einer der zentralen Schauspieler im Ensemble. „Die Zeit ist so schnell vergangen. Ich bin am 1. September 1980 gekommen – und jetzt haben wir 40 Jahre am selben Haus zu feiern, das ist äußerst selten“, sagt der Grandseigneur des Theaters Baden-Baden im BT-Interview. „Ich bin zwar im Pensionsalter, aber ich habe keine Lust auf Ruhestand“, meint er.
Am heutigen Dienstag feiert Berth Wesselmann seinen 70. Geburtstag, und der Kalender ist trotz Corona bis in den Sommer 2021 hinein voller Projekte, Proben- und Premierentermine, nicht nur in Baden-Baden. Die nächste Hauptrolle im neuen Stück „Gott“ von Ferdinand von Schirach („Terror“) über einen Ethikrat zum Thema Sterbehilfe wird ihn im Winter für mehrere Wochen nach Bozen und Bern führen. Zwischendurch ist wie schon des Öfteren seine klangvolle Baritonstimme bei Synchronaufträgen für Arte-Produktionen im Kehler Studio des Senders gefragt.

Späte Paraderolle: Wesselmann als Starkünstler Mark Rothko in der Inszenierung von „Rot“ 2012 am Theater Baden-Baden.  Foto: Jochen Klenk/Theater Baden-Baden

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Späte Paraderolle: Wesselmann als Starkünstler Mark Rothko in der Inszenierung von „Rot“ 2012 am Theater Baden-Baden. Foto: Jochen Klenk/Theater Baden-Baden


Noch von Intendant Wolfgang Poch ist Wesselmann als knapp 30-jähriger Schauspieler in Baden-Baden unter Vertrag genommen worden. Da kam er gerade vom Engagement aus Klagenfurt. „Die Österreicher lieben ihre Schauspieler, hier habe ich am Anfang gedacht, was ist das? Aber je älter ich wurde, desto mehr gefiel es mir hier in dieser schönen Stadt.“
Und im Hinblick auf das neobarocke Schmuckkästchen am Goetheplatz hat Wesselmann ohnehin seinen Wahlspruch: „Es ist doch ein schönes Haus.“ Immer noch sei das Theater sein erster Wohnsitz, das Ensemble wie eine Familie, das Theaterrestaurant seine permanente Basis. „Ich bin ja jeden Tag da.“
Etliche Intendantenwechsel – von Frieder Lorenz, Peter Lüdi bis Nicola May und der aktuellen Interims-Direktorin Kekke Schmidt – hat Wesselmann mitgemacht. Den ersten Wechsel hat er als einschneidendsten in Erinnerung: Kaum war Wesselmann drei Jahre in Baden-Baden, übernahm Intendant Lorenz am Goetheplatz und tauschte das komplette Ensemble aus. Nur der junge Wesselmann bekam ein Angebot. „Dieser komplette Wechsel war auch für mich eine große Veränderung – immer, wenn ein neuer Intendant kommt, muss man sich wieder neu beweisen.“ Man komme so aus dem alten Trott heraus. Aber Lorenz brachte ihn auch des Sommers regelmäßig zu den Domfestspielen Bad Gandersheim – das sei schon etwas anderes, wenn 1 000 begeisterte Zuschauer einem zujubeln.

„Ich bin zwar im Pensionsalter - habe aber keine Lust auf Ruhestand“

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