Gäste arrangieren sich mit dem Borkenkäfer

Baden-Baden (red) – Studierende der Universität Freiburg stellten im Nationalparkzentrum Ruhestein ihre Erkenntnisse zum Borkenkäfermanagement vor. Organisator war der „Wissensdialog Nordschwarzwald“.

Blick vom 1373 Meter hohen Lusen in den Bayerischen Wald (Archivfoto von 2013). Vor Bildern wie diesen hat man im Schwarzwald Angst. Foto: Weigel/dpa

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Blick vom 1373 Meter hohen Lusen in den Bayerischen Wald (Archivfoto von 2013). Vor Bildern wie diesen hat man im Schwarzwald Angst. Foto: Weigel/dpa

„Nur wenn wir auch kritische Themen wie die Frage des Umgangs mit dem Borkenkäfer offen miteinander diskutieren, kommen wir weiter“, rief Nationalparkdirektor Thomas Waldenspuhl in seiner Begrüßung zur Offenheit auf. Auch die Dozentin der Studierenden, Regina Rhodius, lud die Gäste dazu ein, sich von den mitunter unkonventionellen Sichtweisen der Studierenden mitnehmen zu lassen.

In vier Vorträgen stellten die Studierenden der Studiengänge Umweltnaturwissenschaften sowie Waldwirtschaft und Umwelt die Ergebnisse ihrer Projektarbeiten vor.

Tourismus: Hannah Meyer und Adonai Knienieder erkundeten den Zusammenhang zwischen Borkenkäferbefall und Tourismus. Dazu befragten sie je zwei Vertreter aus der Nationalparkregion Schwarzwald und dem schon seit 50 Jahren bestehenden Nationalpark Bayerischer Wald. Ihr Resümee: Die im Schwarzwald vorhandenen Befürchtungen, dass die Gästezahlen bei starken Borkenkäferschäden langfristig einbrechen würden, hätten sich im Bayerischen Wald nicht bestätigt. Die Gäste würden sich mit dem Borkenkäfer arrangieren und die Erneuerung des Waldes auch als Chance begreifen, wenn das Thema gut kommuniziert werden würde.

Veranstaltungsreihe
endet im Frühjahr

Den Nationalpark Schwarzwald und die darin stattfindenden ökologischen Prozesse sieht auch Michael Ruf, Bürgermeister von Baiersbronn, als große Chance. Er betonte jedoch: Gäste können mit einem vom Borkenkäfer geprägten Waldbild im Nationalpark vermutlich gut umgehen, nicht aber „mit geschädigten Bäumen vor dem eigenen Hotelzimmer“.

Gefährdungskarte: Nico Binder und Melchior Schliephack stellten die von ihrer Gruppe für die Region Nordschwarzwald erstellte Borkenkäfer-Gefährdungskarte vor. Bei dieser Aufgabenstellung ging es vor allem darum, dass die Studierenden Erfahrung mit der Auswahl von Risikofaktoren für den Borkenkäferbefall gewinnen und den Umgang mit Daten erlernen. Sie verdeutlichten in ihrer Präsentation, wie unterschiedliche Entscheidungen im Verlauf der Kartenerstellung das Endergebnis beeinflussen – eine Erfahrung, die Sönke Birk, verantwortlich für das Geodatenmanagement im Nationalpark, unterstrich. Gregor Sprenger, Forstbereichsleiter Baiersbronn, machte deutlich, dass eine solche Karte nicht dem aktuellen Borkenkäfermonitoring diene („Da wissen wir selbst, wo wir nachschauen müssen“, so Sprenger). Sie sei ein Planungsinstrument für die Zukunft, wenn es beispielsweise um die künftige Baumartenzusammensetzung geht. An der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg werden im Rahmen des Wissensdialogs derzeit Karten erarbeitet, die Forstpraktikern künftig zur Verfügung gestellt werden. Die Experten der FVA Jonas Hinze und Reinhold John wirkten bereits in der Betreuung der vier Studentengruppen mit.

Zukunft der Fichte: Die dritte Gruppe aus Lucas Bäuerle, Lukas Lehmann, Jonas Nilsson und Maximilian Trapp verglich die Aussagen der von ihnen befragten Forstpraktiker und Wissenschaftler zur Zukunft des Fichtenanbaus miteinander. Erstaunlicherweise gingen die Ansichten von Wissenschaft und Praxis nicht weit auseinander: Statt der Fichte als früherer „Brotbaumart“ brauche es eine breite Mischung an Baumarten. Auch solle die Fichte auf Hochlagen reduziert werden.

Pufferstreifen: Joshua Joachimsky und André Lamontain nahmen das Borkenkäfermanagement im Pufferstreifen unter die Lupe, studierten Dokumente und führten Interviews mit den Verantwortlichen. Ihr Eindruck: Das app-basierte Informationssystem hat sich eindeutig bewährt. Dagegen kommen die Aufarbeitungskapazitäten bei starkem Befall an ihre Grenzen. Die Studenten sprachen sich für die Einsetzung eines Innovationsmanagers und verstärkte Kommunikation aus. Ihre Vorschläge werden nun in den Gremien diskutiert, sicherte Simon Stahl, Leiter des Forstbezirks Mittlerer Schwarzwald, zu.

Die Veranstaltung war die letzte der Reihe „Wissensdialog vor Ort“. Das Projekt „Wissensdialog Nordschwarzwald“ geht im Frühjahr zu Ende. Zur Abschlussveranstaltung am 2. März in Freudenstadt sind Interessierte aus der Region eingeladen.

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Erstellt:
10. Februar 2020, 16:38 Uhr
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