Für Tanzfreaks und Nostalgiker

Baden-Baden (red) – Der Film hat in den 1980er Jahren das Publikum begeistert und viele junge Menschen zu Tanzfreaks gemacht. Jetzt gastierte das Musical „Flashdance“ zweimal im Festspielhaus.

Die wahre Berufung der jungen Arbeiterin ist der Tanz: Szene aus dem Musical „Flashdance“, das auf dem erfolgreichen Film von 1983 basiert.  Foto: Viering

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Die wahre Berufung der jungen Arbeiterin ist der Tanz: Szene aus dem Musical „Flashdance“, das auf dem erfolgreichen Film von 1983 basiert. Foto: Viering

Von Nike Luber

Leggings, Stulpen, Aerobic sind ebenso unvergessene Zutaten zum Lebensgefühl der 80er Jahre wie der Song „What a feeling“ aus dem Film „Flashdance“. Aus der Geschichte von Alex, die im Stahlwerk malocht, aber von einer Karriere als Tänzerin träumt, wurde inzwischen ein Musical, das für zwei Tage auch im Festspielhaus zu sehen war. Der Publikumsandrang war groß, und es strömten nicht nur Nostalgiker zu „Flashdance – Das Musical“.

Die Produktion ist geschickt gemacht. Am Anfang sieht man auf der Leinwand die Film-Alex zum Stahlwerk in Pittsburg radeln. Blitzartig wird die Bühne frei, und man ist mitten drin im Stahlwerk, wo Alex auf Nick trifft. Sie hält ihn für einen tollpatschigen Neuling und ist einem Flirt nicht abgeneigt. Es gibt in diesem Musical relativ wenige Dialoge, aber die haben Wortwitz. Erst später, wenn Alex ihrer wahren Berufung nachgeht und in Harrys Nachtclub tanzt, findet sie heraus, dass Nick der Sohn des Stahlwerkbesitzers ist.

Die sozialen Spannungen zwischen den von Entlassung bedrohten Arbeitern und dem Sohn des Chefs werden, auch mit wenigen Personen auf der Bühne, klar herausgearbeitet. Zwischen Alex und Nick gibt es immer wieder Streit, weil sie arm, aber stolz ist. Die Darsteller vermitteln die Spannungen überzeugend.

Alle Rollen typgerecht besetzt

Sozialkritik belebt auch die Nebenhandlungen. Nachtklubbesetzer Harry muss die Konkurrenz des Chameleon Clubs fürchten. Die Träume des jungen Pärchens Gloria und Jimmy, groß herauszukommen als Schauspielerin und Comedian, scheitern. In der Coverversion des Songs „Gloria“ wird ausdrucksvoll dargestellt, wie brutal diese Träume von Dritten ausgenutzt werden. In diesem Fall ist es der schmierig-mafiöse Betreiber des Chameleon Clubs.

Überhaupt sind alle Rollen typgerecht besetzt. Es wird stimmgewaltig gesungen, vor allem der Darsteller des Jimmy brilliert mit einem virtuos fast alle Tonlagen umfassenden Solo. Die Tanz- und Chornummern haben Tempo und Drive. Nicht nur in den Outfits wird an das Lebensgefühl der 80er erinnert, es kommt in vielen Details zum Vorschein, zum Beispiel in der souveränen Breakdance-Einlage des Verkehrspolizisten.

Und Alex‘ großer Traum von der Tanzkarriere? Da treffen Witz und Ernsthaftigkeit sehr unterhaltsam aufeinander. Die Direktorin der Tanzakademie sorgt durch gezielte verbale Spitzen bei Alex für eine große Verunsicherung, ob sie wirklich beim Vortanzen gegen all die eleganten Schwäne vom klassischen Ballett eine Chance hat. Immer wieder wird sie durch ihre alte Freundin Hanna aufgebaut. Eine Figur, die durch trockenen Humor eine erfrischende Farbe in das Stück bringt.

Die Darstellerin von Alex bringt neben den dunklen Locken viel Temperament und eine umwerfende Tanzkunst mit. Sie absolviert souverän den legendären Auftritt vor der Jury der Tanzakademie und zeigt sich auch sonst absolut sicher in modernem Tanz und bei akrobatischen Einlagen an, auf und unter dem Geländer.

Für zündende Rhythmik sorgt die Live-Band, und neben den eigens für das Musical komponierten, deutsch gesungenen Titeln wirken gerade die Hits aus den 80ern mitreißend wie „I love Rock’n’Roll“. „What a feeling“ kommt indes vom Band, denn wenn man diesen Song covert, kann man eigentlich nur scheitern. Natürlich ist das Musical keine 1:1 Umsetzung des Films, aber Musik, Tanz und Tempo holen das Publikum im Festspielhaus von den Sitzen.

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Erstellt:
25. Januar 2020, 15:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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