Erfolg in Hof: Regisseurin Wegner spricht über „König Bansah“

Baden-Baden (cl) – „Über Rassismus spricht er nicht gerne“: Regisseurin Agnes Lisa Wegner gibt in ihrem Hofer Siegerfilm Einblicke in das Leben von „König Bansah und seiner Tochter“ aus Ludwigshafen.

Stecken zwischen zwei Kulturen fest: Céphas Bansah, König in Ghana und Automechaniker in Ludwigshafen, und seine Tochter Katharina stehen im Mittelpunkt der Baden-Badener Filmproduktion.  Foto: kurhaus production

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Stecken zwischen zwei Kulturen fest: Céphas Bansah, König in Ghana und Automechaniker in Ludwigshafen, und seine Tochter Katharina stehen im Mittelpunkt der Baden-Badener Filmproduktion. Foto: kurhaus production

Von Christiane Lenhardt

Die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Céphas Bansah, eines Königs in Ghana mit Wohnsitz und Autowerkstatt in Ludwigshafen, hat der Dokumentarfilmerin Agnes Lisa Wegner Glück gebracht: Bei den Internationalen Hofer Filmtagen erhielt ihr Dokumentarfilm „König Bansah und seine Tochter“, produziert von der Baden-Badener Filmfirma „kurhaus production“, den mit 7 500 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis „Granit“. Bereits die beiden Vorgängerfilme der aus Worms stammenden Regisseurin feierten auf dem bayerischen Filmfestival Premiere. Nun erstmals mit Preis.
Die Trophäe nahm die Dokumentarfilmerin in Hof persönlich entgegen: „Das war eine große Überraschung, eine sehr schöne Verleihung, insgesamt eine schöne Stimmung trotz dieser Corona-Zeit“, sagt Wegner im BT-Interview. „Wir haben wahnsinniges Glück gehabt, dass das ganze Projekt noch vor dem Lockdown realisiert werden konnte.“ Natürlich bekomme der Film durch die Auszeichnung erst einmal eine besondere Aufmerksamkeit, aber ob er bald ins Kino komme, sei noch offen.
Jetzt soll „König Bansah und seine Tochter“ auf Filmfestivals laufen, bis er im nächsten Jahr einen Sendeplatz im ZDF erhalten wird. Das Zweite Deutsche Fernsehen war Koproduktionspartner, Produktionszuschüsse gab es auch von der MFG-Filmförderung Baden-Württemberg. An diesem Mittwoch läuft Wegners Dokumentarfilm beim Filmfestival in Biberach an, im Dezember wird er auf der Filmschau des Landes in Stuttgart gezeigt.
Die Geschichte von König Bansah aus Ludwigshafen ist vor einigen Jahren schon durch die Medien gegangen: „Genau das hat mich neugierig gemacht“, sagt die Regisseurin. Es habe sie gereizt, den Menschen hinter der öffentlichen Figur zu zeigen, was ihn antreibe, ob diese Aufgaben nicht zu belastend sein könnten. Neben seiner Autowerkstatt ist Bansah in Ghana als König zuständig für rund 200 000 Angehörige des Stammes der Ewe, er ist ihr spiritueller Herrscher und finanzieller Unterstützer, mehrmals im Jahr besucht er sie.
„Er war sehr schnell einverstanden mit dem Projekt“, erklärt Wegner. Während der Dreharbeiten im vergangenen Sommer – rund 20 Tage in Ludwigshafen und zehn Tage in Ghana – habe ihr der 72-Jährige immer mehr Einblicke in sein Leben und seine Gedanken gegeben. „Das große Glück dieses Films ist es, dass es uns gelungen ist, so viel Vertrauen zu ihm aufzubauen.“ Wegner und ihr Team haben Céphas Bansah und seine Familie nicht nur in Ludwigshafen besucht, sondern auch auf ihrer Reise nach Ghana begleitet. „Als wir in Ghana waren, hat er anklingen lassen, dass er auch unter dem Rassismus in Deutschland leidet, aber das ist etwas, worüber er nicht gerne und auch nicht viel spricht.“
Bansahs 40-jährige Tochter Katharina, die in Deutschland geboren wurde und eine deutsche Mutter hat, plagt der Identitätskonflikt wie viele Kinder aus der zweiten Generation von Flüchtlingsfamilien umso mehr. Die freie Grafikerin führt in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben, fühlt sich in ihrer Heimat aber immer weniger respektiert: Rassismus und Diskriminierung sind aus ihrer Sicht in den letzten Jahren größer geworden, das sei ihr in Ghana besonders bewusst geworden, schildert Wegner. Auch in dem afrikanischen Land ist sie eine Fremde, wird mit ihrer helleren Hautfarbe als Europäerin gesehen.
Katharina Bansah ist Wegners zweite Protagonistin: Für die Dreharbeiten kam die Ludwigshafenerin nach vielen Jahren wieder einmal in das Heimatland ihres Vaters, wo hohe Erwartungen an sie gestellt werden: Sie könnte in seine Fußstapfen treten, „Queen Mother“ werden. „Bis heute ist sie nicht entschieden, ob sie das Amt ihres Vaters einmal antreten soll – und welche Rolle die Heimat ihres Vaters überhaupt in ihrem Leben spielen soll“, erzählt Wegner.
Céphas Bansah hingegen hat andere Strategien, um mit der Identitätsfrage umzugehen, nennt sich öffentlich: „einen alten Kurpfälzer.“ Filmemacherin Wegner meint: „Er sieht sich als Ghanae – und fühlt sich trotzdem sehr zu Hause in Ludwigshafen.“ Denn er sei als Flüchtling gekommen und habe große Unterstützung erfahren, dafür sei er Deutschland dankbar. Mit deutschen Spendengeldern kann der König in Ghana viele Hilfsprojekte realisieren. Bei seiner Tochter sei das anders, sie spüre, dass sie in ihrer eigenen Gesellschaft, die die deutsche sei, nicht wirklich anerkannt werde. „Das tut weh“, sagt Wegner. „Auch am Ende des Films ist sie auf der Suche nach Heimat und Zugehörigkeit.“ Bis 1. November ist der Film auf dem Hofer Online-Portal verfügbar.

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Erstellt:
27. Oktober 2020, 07:30 Uhr
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