Ein toter Ritter in der mittelalterlichen Burg

Münster (dpa) – Eine Leiche in Rüstung in einem Burggraben und gruselige Mittelalterspiele. Ein seltsamer „Tatort“-Fall vor ungewöhnlicher Kulisse für Kommissar Thiel und Professor Boerne.

Frank Thiel (Axel Prahl, links) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) beugen sich über den Toten. Foto: WDR/Thomas Kost

Frank Thiel (Axel Prahl, links) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) beugen sich über den Toten. Foto: WDR/Thomas Kost

Die Leiche trägt eine Ritterrüstung. Sie treibt im Wassergraben des Mittelalterschlosses „Haus Lüdecke“ in Münster. Und damit landet erstmals ein Toter in Kettenhemd und Rüstung auf dem Seziertisch von Professor Karl-Friedrich Boerne und seiner Assistentin „Alberich“, Silke Haller. Kommissar Thiel steht im „Tatort“ Münster in der Folge „Es lebe der König“ vor einem merkwürdigen Fall vor ungewöhnlicher Kulisse.

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Ein toter Ritter in der mittelalterlichen Burg
„Vadder“ Thiel (Claus D. Clausnitzer, links) bleibt sich treu: Warum sollte er sich jetzt vorschreiben lassen, was er raucht oder gar sein Taxi verkaufen? Viel lieber lässt er seinen Junior, Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl), beim Angeln an seinem Wissen über den Sittenverfall in Münster zur Zeit der Wiedertäufer teilhaben. Foto: WDR/Thomas Kost

Ein toter Ritter in der mittelalterlichen Burg
Nur noch leblos können sie ihren Vater Manfred Radtke (Anthony Arndt) aus dem Burggraben bergen: Claudia Radtke (Sandra Borgmann) und ihr Bruder Tobias Radtke (Marek Harloff) waren gerade bei den Proben für ein Theaterstück. Foto: WDR/Thomas Kost

Ein toter Ritter in der mittelalterlichen Burg
Gespräch in der Mittagspause – mit Blick über Münster: Staatsanwalt Lutz Söltenfuss (Christian Hockenbrink) mit seiner Kollegin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann). Foto: WDR/Thomas Kost

Ein toter Ritter in der mittelalterlichen Burg
Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, rechts) hört, was Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) zu sagen hat, während ihm Silke Haller (ChrisTine Urspruch) in der Rechtsmedizin dabei hilft, die Ritterrüstung anzulegen. Foto: WDR/Thomas Kost

Ein toter Ritter in der mittelalterlichen Burg
Die letzte Burgherrin: Clarissa von Lüdecke (Justine Hauer) musste den Sitz ihrer traditionsreichen Familie verkaufen. Noch heute dreht sie hier als Natur-Fotografin ihre Runde – hat sie beobachtet, wie der neue Besitzer der Burg ums Leben kam? Foto: WDR/Thomas Kost

Die Story, die das Erste am heutigen Sonntag (20.15 Uhr) ausgestrahlt, hat es in sich. Der neue Hausherr, „Kirmeskönig“ Manfred Radtke, hatte die Burg zu einem Freizeitpark umgestaltet und lukrative Mittelalterspiele veranstalten wollen. Doch leider ist der alte Mann schon kurz nach dem Kauf tot. Ertrunken in der Nacht, in der Rüstung, die er sich definitiv nicht alleine hatte anziehen können.

Thiel (Axel Prahl) hält alle für verdächtig, die in den altehrwürdigen Mauern wohnen. Und keiner von ihnen ist Sympathieträger: Die Tochter des ermordeten Radtke, Claudia, ihr Bruder Tobias und die Frau des Getöteten, Farnaz, die sich als Ex-Prostituierte entpuppt. Und auch die Verkäuferin des Anwesens scheint ein Motiv zu haben: Die letzte Burgherrin Clarissa von Lüdecke – eine schrille Vogel-Fotografin mit einem heiklen Geheimnis.

Boerne ist wieder ganz der Alte

Tochter Claudia will mit aller Macht die geplante Feier zum 70. Geburtstag des Vaters durchziehen – nach dem Motto: „Der König ist tot, es lebe der König.“ Der Familie steht das Wasser bis zum Hals, die geladenen Sponsoren sollen nicht verprellt werden.

In der 38. Folge aus Münster ist Boerne (Jan Josef Liefers) wieder ganz der Alte, man möchte aufatmen. In der vorangegangenen Folge „Limbus“ hatte der Professor überraschend einen Hauch von Einsicht und Fähigkeit zur Selbstkritik an den Tag gelegt ¨– nach einer Art Nahtod-Erfahrung. Jetzt ist er wieder wie früher – selbstverliebt, immer schön arrogant von oben herab und mit einer zynischen Spitze auf den Lippen. In seiner typischen – herrlich überzeichneten – Eitelkeit gibt er eine Tanzeinlage in Rüstung zum Besten. Im Obduktionssaal, gefilmt von Alberich (Christine Urspruch). Vorsicht: Die Szene kann Fremdschämen auslösen.

Ein Toter in Ritterrüstung: Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Silke Haller (Christine Urspruch) beginnen in der Rechtsmedizin mit der Untersuchung. Foto: WDR/Thomas Kost

Ein Toter in Ritterrüstung: Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Silke Haller (Christine Urspruch) beginnen in der Rechtsmedizin mit der Untersuchung. Foto: WDR/Thomas Kost

Die Münster-Folgen gehören unter allen „Tatort“-Krimis zu den beliebtesten, stets mit Top-Einschaltquoten. Diesmal war im Sommer vier Wochen lang unter erschwerten Pandemie-Bedingungen gedreht worden. Es ist die erste WDR- „Tatort“-Produktion überhaupt nach einer kompletten Corona-Pause. Stellenweise wird es ein bisschen „historisch“, mit Ausflügen in die dunkle Geschichte des Wiedertäuferreichs von Münster im 16. Jahrhundert.

Staatsanwältin ist wieder an Bord

Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann) ist wieder an Bord. Sie sieht sich ausgehorcht von einem lästigen Kollegen. Womöglich stecke der sogar unter einer Decke mit den dubiosen Radtkes, mutmaßt sie. Und eine schöne, geheimnisvolle Rosemarie tritt auf den Plan. „Es lebe der König“ hat außerdem eine Burg-Durchsuchung parat, einen versteckten Datenstick mit unappetitlichem Inhalt, böse Gangster aus dem Drogenmilieu - und einige Überraschungen.

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Erstellt:
13. Dezember 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
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