Dürfen die Museen des Landes im März öffnen?

Stuttgart (cl) – „Erste Schritte für Kultur im März“, kündigte Kunststaatssekretärin Olschowski gestern an. Museen könnten mit dem Einzelhandel öffnen. Auch neue Corona-Hilfen für Künstler gibt es.

Wenn die Museen des Landes im März wieder öffnen dürften, wäre das gerade noch rechtzeitig, um die große Boucher-Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu besichtigen; sie ist bis 5. April verlängert worden und war ein Opfer des zweiten Lockdown.  Foto: A. Fischer/H. Kohler/Kunsthalle

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Wenn die Museen des Landes im März wieder öffnen dürften, wäre das gerade noch rechtzeitig, um die große Boucher-Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu besichtigen; sie ist bis 5. April verlängert worden und war ein Opfer des zweiten Lockdown. Foto: A. Fischer/H. Kohler/Kunsthalle

Von Christiane Lenhardt

Das Land Baden-Württemberg legt weitere Unterstützungsprogramme für die Kultur – die Museen, Theater, die freie Szene, Sänger und Musiker, auch die Laien – auf. „Wir setzen alles daran, die Kultur über diese schwierige Zeit zu bringen“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski gestern bei einer Video-Pressekonferenz in Stuttgart. Demnach sollen weitere zehn Millionen Euro in die Breitenkultur mit Musikvereinen, Chören und Amateurtheatern gehen, 15 Millionen Euro gibt es zusätzlich für die Stipendiatenprogramme zur Förderung freischaffender Künstlerinnen und Künstler, vier Millionen für die Reihe „Kunst trotz Abstand“, um neue Open-Air-Projekte wie im letzten Sommer zu unterstützen, und der Innovationsfonds für die freie Szene soll von einer Million auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt werden.
Das alles wird nicht viel nützen, wenn die Kultur nicht demnächst wieder starten und sich vor Publikum präsentieren kann. Auch erste Öffnungsszenarien für die Kulturszene hat Petra Olschowski gestern entworfen, zwar noch vage, aber doch auch immerhin in manchen Punkten konkreter. Mitte Januar hatte das Land bekannt gegeben, den Spielbetrieb an seinen Staatstheatern, in Stuttgart und Karlsruhe, bis mindestens Ende März auszusetzen, entsprechend folgten die privaten und kommunalen Theater.
Jetzt lautet die Vorgabe: „Wir hoffen, dass wir im März erste Schritte gehen können“, formulierte die Kunststaatssekretärin vorsichtig – „damit unser kulturelles Leben wieder erfahrbar wird, in kleinen Formaten und vor allem im Kinder- und Jugendbereich.“ Unter den ersten Kultureinrichtungen, die wieder aufmachen dürfen sollen die Museen, Galerien, Archive und Bibliotheken sein, fügte sie hinzu.

Im Frühsommer könnten Theater und Open-Air-Veranstaltungen folgen


Sobald unsere Innenstädte wieder belebter sein könnten, sprich, wenn der Einzelhandel wieder öffnen darf, könnten auch die Ausstellungshäuser wieder öffnen. Wenn die Gaststätten wieder offen haben, dann würden auch die kleineren Theater und Open Air – „der ganze Bereich mit Publikum, das an seinem Platz sitzt“ (Olschowski) – wieder in den Blick genommen werden. Im Frühsommer soll das der Fall sein. „Wir brauchen das auch“, betonte Olschowski. „Die Kulturszene war im letzten Jahr für die Gesellschaft da und hat mit ihrer frühen Schließung dafür gesorgt, dass beispielsweise die Schulen länger offenbleiben konnten.“ Den Häusern, den Kulturschaffenden und dem Publikum, das die Kultur vermisse, sei eine extreme Belastung abverlangt worden. Eine Perspektive für März/April zu geben, sei angesichts der Tatsache, dass das Impfen vorangehe, vermehrt Schnelltests und Selbsttests eingesetzt würden, durchaus realistisch. Eine Perspektive, die allerdings frühestens in einigen Wochen oder Monaten greift.
„Wo Not ist, helfen wir, etwa über unseren Nothilfefonds“, bekräftigte Olschowski weiter, „unser Ziel ist es, die Vielfalt der Kulturlandschaft im Land zu sichern.“ Freischaffenden würden über Förderprogramme geholfen und in Kürze werde ein Stipendienprogramm an den Start gehen. „Mit dem Unternehmerlohn für freiberufliche Kulturschaffende war Baden-Württemberg bundesweit Vorreiter“, so die Kunststaatssekretärin.

Olschowski: „Künftig soll darauf geachtet werden, dass Künstlerhonorare angemessen sind“


Insgesamt legte das Land im vergangenen Jahr eine millionenschwere Corona-Hilfe für Künstler und Kreative auf, auch in der Unterstützung privater und kommunaler Theater, wie kaum ein Bundesland. Neben der Soforthilfe des Landes für freiberufliche Kulturschaffende, die von Beginn der Corona-Krise an ausbezahlt wurde, umfasse der Masterplan inzwischen mehr als 80 Millionen Euro.
Das zeige auch die Entwicklung des Kulturetats, der seit 2011 um fast 40 Prozent gesteigert wurde auf knapp 540 Millionen Euro in diesem Jahr (von 529,4 Millionen Euro im Jahr 2020) – die Corona-Programme kommen noch hinzu. „Die überdurchschnittliche Steigerung des Kunsthaushalts verdeutlicht auch, was für eine große Bedeutung wir Kunst und Kultur für die Gesellschaft beimessen“, so Olschowski. Das zeige: „Wir haben den Kulturbereich auch im Krisenjahr auf hohem Niveau vorangebracht und fokussieren nicht nur auf Krise und Nothilfe“, betonte die Staatssekretärin.
Corona hat auch den Fokus auf ein generelles Problem der Künstlerhonorare für Freischaffende in den Blick gerückt. „Das muss man langfristig angehen“, so Olschowski, „und da schauen wir künftig auch bei der Projektförderung ganz genau wie die Künstlerhonorare aussehen.“ Künftig soll darauf geachtet werden, dass die Künstlerhonorare angemessen seien und auch die Verträge der Theater mit ihren Freischaffenden entsprechend angepasst würden, um gerade auch in Pandemiezeiten Ausfallhonorare bezahlen zu können, was gesetzlich gar nicht so fixiert sei. Mit einer Hotline wolle das Land Künstlerinnen, Künstler wie Kreative dahingehend und sehr aktiv beraten. Denn die unsichere Lage der vielen Kulturschaffenden sei durch die Corona-Krise nochmals verschärft worden.

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Erstellt:
25. Februar 2021, 16:17 Uhr
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