„Bodyguard“-Star im BT-Interview

Baden-Baden (cl) – Sängerin Aisata Blackman ist der Star im „Bodyguard“-Musical, das vom 12. bis 16. Februar in Baden-Baden gastiert. im Vorfeld stand sie dem BT für ein Interview zur Verfügung.

Die Starrolle in „Bodyguard“ sang Aisata Blackman schon in Stuttgart: Nächste Woche gastiert sie mit dem Musical in Baden-Baden.Foto: BB Promotion

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Die Starrolle in „Bodyguard“ sang Aisata Blackman schon in Stuttgart: Nächste Woche gastiert sie mit dem Musical in Baden-Baden.Foto: BB Promotion

Von Christiane Lenhardt

Höchstens ein leicht verrutschter Kostümwechsel bringt den „Bodyguard“-Star Aisata Blackman noch außer Puste. Die powervollen Songs von Whitney Houston beherrscht die niederländische Sängerin aus dem Effeff – bereits 2017 feierte sie damit im Stuttgarter Musicaltheater Erfolge. „Man braucht intensives Training, damit man auch zwölf, 13 Songs von Whitney Houston jeden Abend singen kann“, erzählt Aisata Blackman im Gespräch mit BT-Redakteurin Christiane Lenhardt – die Kondition dafür musste die stimmgewaltige Soul-Sängerin aber erst noch aufbauen. Derzeit ist sie mit der Tour-Version von „Bodyguard – Das Musical“ unterwegs und vom 12. bis 16. Februar zu Gast im Festspielhaus Baden-Baden.

BT: Frau Blackman, mit den Hits aus dem Film „Bodyguard“ ist Whitney Houston 1992 berühmt geworden, der Soundtrack war einer der erfolgreichsten weltweit. Fast 30 Jahre später greift das Musical dieses Feeling wieder auf. Springt der Funke beim Publikum gleich über, wenn Sie auf der Bühne loslegen?

Aisata Blackman: Ich habe das Gefühl, dass die Musik beim Publikum nie weg war. Alle kennen die Songs wie „I wanna love with somebody“ oder „I will always love you“ noch, sowohl diejenigen, die damals jung waren, als auch die jungen Leute von heute. Das sind Klassiker. Während der Vorstellung sehe ich durch das blendende Bühnenlicht, die sogenannte vierte Wand, die Reaktionen des Publikums nicht so genau. Aber beim letzten Song erlebe ich, wie die Zuschauer am Ende mittanzen und mitfeiern. Der Applaus ist immer explosiv. Das macht auch mir sehr viel Spaß.

BT: Wenn man sich mit einer der berühmtesten Sängerinnen unserer Zeit messen lassen muss, welche Herausforderung war das für Sie anfangs?

Blackman: Natürlich, wenn man den Job bekommt, denkt man zuerst: „Oh, das ist mega, das wird unglaublich Spaß machen.“ Aber man denkt auch: „Die erwarten vielleicht genau so eine Stimme wie Whitney Houston.“ Ich bin selbst ein Riesen-Fan von ihr und will diese Songs auch so hören, wie ich sie kenne. Bei meinen ersten Auftritten in Stuttgart habe ich versucht, mich nicht zu sehr darauf zu fokussieren, wie Whitney Houston die Rolle ausgefüllt hat. Sie spielt sich ja nicht selbst, sondern ist in diesem Film eine Schauspielerin. Die Herausforderung ist, die Songs eigenständig zu machen, aber trotzdem das Original zu ehren. Es ist tolle Musik, und sie hat das wunderbar gesungen, aber die Komponisten haben diese unglaublichen Songs geschrieben. Man muss nicht so viel machen, sondern einfach tun, was da steht, muss ehrliche Emotionen hinzufügen.

BT: Wie haben Sie ihre ganz eigene Interpretation der Rachel Marron erreicht?

Blackman: Ich habe mich darauf konzentriert, mich gesanglich intensiv vorzubereiten, damit ich auch zwölf, 13 Songs von Whitney Houston jeden Abend singen kann.

BT: Rachel Marron ist ein Star, sehr selbstbewusst, eigensinnig und auch hart zu sich und anderen. Welche ihrer Eigenschaften möchten Sie besonders betonten?

Blackman: Sie ist eine Diva, ein Star, und um das zu sein, muss man hart kämpfen, hart arbeiten können. Aber sie ist auch eine Mutter, die ihr Kind liebt. Die Menschen, die für sie arbeiten, sind wie eine Familie für sie. Deswegen ist es mir wichtig, hervorzuheben, dass sie lieben kann. Am Anfang streitet sie mit ihrem Bodyguard Frank Farmer, aber dann verliebt sie sich in ihn. Ich will zeigen, dass sie auch eine komplette Frau ist. Wir sind alle Menschen mit vielen Facetten, und um etwas zu erreichen, muss man unterschiedliche Qualitäten haben. Wichtig ist, dass alles in der Balance ist.

BT: Legen Sie das Emotionale der Rolle vor allem in ihren Gesang, oder gibt Ihnen das Musical genügend Möglichkeit, das auch darstellerisch auszudrücken?

Blackman: In der Musik geschieht das automatisch. Die Songs sind so gut geschrieben, dass man nur das, was angelegt ist, singen und fühlen muss. Dann hast du es eigentlich schon erzählt. Die kurzen Szenen, die ich mit meinem Sohn Fletcher oder meiner Schwester habe, mit der ich viel streite, der ich aber auch sehr zugetan bin, sind genauso wichtig. Ich versuche, mein ganzes Herz hineinzulegen, stark zu sein, liebevoll oder verletzlich zu sein, das gehört ebenso dazu.

BT: Die intensiven Szenen mit anspruchsvollem Gesang wechseln sich in „Bodyguard“ ab mit schnellen Tanznummern. Geraten Sie manchmal außer Puste?

Blackman: Ich gerate nicht außer Puste, weil ich einen Tanz-Song habe, sondern eher bei einem Quick-Change. Zum Beispiel gibt es eine Szene am Klavier, in der ich komponiere und singe. Kurz davor habe ich einen Kostüm- und Frisurwechsel, wenn alles gut läuft. Es kann aber auch sein, dass das nicht so reibungslos abläuft mit den Klamotten oder den Haaren. Dann muss ich rennen, um schnell wieder auf der Bühne am Klavier zu sitzen: Puh, da atme ich erst einmal kräftig ein und aus – muss aber gleichzeitig auch schon ganz leise anfangen zu singen. Dann lache ich manchmal schon in mich hinein – und denke: „Oh, mein Gott!“ Gerade noch geschafft!

BT: Sie sollen neun Kostümwechsel haben.

Blackman: Ich habe sie nicht gezählt, aber es sind schon viele.

BT: Wie schaffen Sie diesen Kraftakt, den die Rolle Ihnen abverlangt, Abend für Abend?

Blackman: Die Ausdauer baut man auf, bevor man anfängt zu proben. Wenn die Proben beginnen, findet man heraus, wie es ist, den Gesang mit dem Tanz zu kombinieren. Am Anfang der fünf, sechs Wochen dauernden Probezeit war ich jedes Mal außer Puste. Aber bei der Premiere hatte mein Körper schon eine Balance gefunden – und das hält an.

BT: Also alles eine Konditionssache?

Blackman: Genau, aber man muss darauf achten, dass man fit bleibt. Es ist wichtig, genug zu essen, gut zu schlafen, sehr viel zu trinken. Ich gehe nicht zu Partys, weil ich weiß, am nächsten Tag muss ich zweieinhalb Stunden sprechen und singen. Etwa 45 Minuten reinen Gesang habe ich im Musical. Alle Songs sind ziemlich powerful.

BT: Klassiksänger machen schon mittags Stimmübungen, um zu schauen, ob abends bei der Vorstellung alles abrufbar ist. Überprüfen Sie das auch?

Blackman: Ja. Normalerweise mache ich um zwölf oder ein Uhr mittags meine Stimmübungen, dann abends noch einmal vor der Show. Hinzu kommt das Warm-up des Körpers. Genau wie bei einem Sportler, der wärmt sich vor einem Wettkampf ja auch auf.

Entdeckt bei TV-Show „Voice of Germany“

BT: Einem breiteren Publikum wurden sie 2012 durch die Fernseh-Show „Voice of Germany“ bekannt: als strahlende Soul-Queen. Welchen Einfluss hatten die TV-Auftritte auf Ihre Karriere?

Blackman: Damals habe ich noch nicht als Full-Time-Künstlerin gearbeitet, sondern hatte einen ganz normalen Job. Nur am Wochenende bin ich mit Bands aufgetreten oder habe in Produktionen kleinerer Theater in den Niederlanden mitgemacht, wo ich herkomme, und dafür dann unbezahlten Urlaub genommen. „Voice of Germany“ hat mein Selbstbewusstsein als Sängerin gestärkt und den Glauben an mich. Die Show hat letztendlich bewirkt, dass ich endlich die Entscheidung getroffen habe, nach 13 Jahren Festanstellung meinen regulären Job und die Sicherheit hinter mir zu lassen. Und dass ich nach Deutschland gegangen bin, wo ich gerne leben wollte. Es war für mich eine sehr, sehr gute Erfahrung.

BT: Sie sind Niederländerin mit karibischen Wurzeln. Welche Rolle spielte die Musik bei Ihnen zu Hause?

Blackman: Meine Mutter stammt aus der Karibik, mein Vater aus Südamerika. Bei uns lief immer Musik. Ich habe alle Stile gehört, vielleicht keinen Hard Rock, aber Klassisches, Jazz, Caribbean oder Holländisches, was viel im Radio lief. Tanzen und singen hat mich einfach immer interessiert.

BT: Wann haben Sie angefangen, richtig zu singen?

Blackman: Die ersten Videoclips auf MTV haben mich dazu inspiriert, Sängerin werden zu wollen – aber zunächst war das alles nur ein Traum. Erst in den 90ern habe ich angefangen, mit Freundinnen zu üben, R&B zu singen und dazu zu tanzen. Meine Familie fand, was wir da machten, sei echt cool. Dann sind wir auf Geburtstagsfeiern und Familienfesten aufgetreten – und das Feuer wurde immer mehr entfacht.

BT: Haben Sie nach diesen Erfahrungen eine Gesangsausbildung gemacht?

Blackman: Erst als ich schon sehr lange gesungen hatte, dachte ich, dass meine Stimme doch mehr können sollte. 2010 habe ich eine Dokumentation über Maria Callas gesehen und mich dann erst damit befasst, wie wichtig die richtige Atemtechnik ist. So habe ich versucht, eine Opernsängerin zu finden, die mir das beibringt. Nicht, weil ich dachte, dass ich Opern singen wollte oder konnte. So begann mein Gesangsunterricht, noch während meines normalen Jobs. Vor Auditions habe ich mit meinem Vocal Coach gearbeitet. Das mache ich immer noch regelmäßig.

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Erstellt:
5. Februar 2020, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 26sec

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