Das BT sitzt immer mit am Tisch

Baden-Baden (mb) – Geschäftsführer Wolfgang Hoffarth setzt sich seit 40 Jahren mit ganzer Kraft für das Badische Tagblatt ein. Im kommenden Jahr will der Geschäftsführer den Stab weitergeben.

Glückwunsch zum Betriebsjubiläum (von links): Rolf Metzmaier, Berater der Gesellschafterinnen, Mitverlegerin Xenia Richters, Johanna und Wolfgang Hoffarth. Foto: Nadine Fissl/BT

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Glückwunsch zum Betriebsjubiläum (von links): Rolf Metzmaier, Berater der Gesellschafterinnen, Mitverlegerin Xenia Richters, Johanna und Wolfgang Hoffarth. Foto: Nadine Fissl/BT

Von Michael Brenner

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“: Diesen Satz soll Ex-Kanzler Helmut Schmidt im Bundestagswahlkampf 1980 geäußert haben. Am 1. Oktober jenes Jahres heuerte beim Badischen Tagblatt ein junger Mann an, der das Unternehmen in den folgenden vier Jahrzehnten prägte und dabei eine keineswegs therapiebedürftige Vision entwickelte: Wolfgang Hoffarth. Statt einen Arzt zu konsultieren, kämpfte er lange hartnäckig dafür, seine Vision zu verwirklichen – und setzte sich durch: Das neue BT-Verlagsgebäude in Oos-West ist gleichsam das Vermächtnis des BT-Geschäftsführers, der zu seinem 40-jährigen Dienstjubiläum große Wertschätzung erfuhr und gleichzeitig seinen Abschied im kommenden Jahr ankündigte.

Mitverlegerin Xenia Richters fand im Namen der Gesellschafterinnen herzliche Worte. Sie bedankte sich bei Hoffarth, der seit 22 Jahren an der Spitze des Verlags steht, „für Ihr Durchhaltevermögen, manchmal für Ihre Härte, für Ihr Dasein, für Ihre Geduld, für Ihren Ehrgeiz, für Ihre Strukturiertheit, die Dinge immer im Auge zu behalten und nach vorne zu denken“. Um ihn 2021 nicht zu verlieren, habe sie einen Plan entwickelt: „Wir lassen Sie klonen“, scherzte die Mitverlegerin.

„Es mussten alte Zöpfe abgeschnitten werden“

Tatsächlich ist das BT ohne Hoffarth kaum vorstellbar. Da geht es den meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie den Grundschülern in Deutschland, die keinen anderen Fußballmeister kennen als Bayern München. An der Dominanz der Roten, für die sein Herz schlägt, muss sich nach Hoffarths Geschmack so bald nichts ändern – anders sieht er die politische Lage. Seiner Ansicht nach „merkelt“ es in Berlin schon viel zu lange, die Abnutzungserscheinungen der Kanzlerin seien unübersehbar – eine zwangsläufige Folge einer zu langen Amtszeit. Das will er für sich selbst verhindern. Deshalb gibt er in einigen Monaten den Stab weiter – an wen, ist noch offen. Das Badische Tagblatt könne von neuen Impulsen nur profitieren.

So war es auch im Jahr 1998, als Hoffarth die Gesamtverantwortung übernahm, zunächst als Verlagsleiter und ab 16. Juli 2001 als Geschäftsführer. „Es mussten alte Zöpfe abgeschnitten und Erbhöfe aufgelöst werden“, erinnert er sich. Rasch habe er erkannt, dass das BT mit damals 240 Beschäftigten nicht rentabel in die Zukunft gehen konnte. Heute arbeiten 150 Menschen beim BT – „wir machen viel mehr als 1998 mit viel weniger Personal“.

Dreifache Großeltern

„Die Zusammenarbeit mit mir ist sehr oft nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagt Hoffarth. Er fordert von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern volles Engagement – und lebt das auch vor. Ob beim Frühstück oder beim Abendessen: Das BT sitzt im Hause Hoffarth in Steinmauern immer mit am Tisch. Auch am Wochenende und im Urlaub kreisen die Gedanken des Geschäftsführers um das Wohl des Unternehmens, „das ich führe, als ob es mein eigenes wäre“.

Bei allem Einsatz für das BT war Hoffarth auch immer ein Familienmensch. Mit Ehefrau Johanna ist er seit 41 Jahren verheiratet. Sie hielt ihm neben ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit stets den Rücken frei und kümmerte sich um die beiden Kinder, die inzwischen erwachsen sind. Sohn Toni bewirbt sich am 25. Oktober bei der Wahl in Steinmauern um das Amt des Bürgermeisters, Tochter Mona brachte vor wenigen Wochen ihr erstes Kind zur Welt und machte Johanna und Wolfgang Hoffarth damit zu dreifachen Großeltern.

Verlag „wirtschaftlich solide aufgestellt“

Auf die Unterstützung seiner Frau konnte sich Hoffarth in den zurückliegenden Jahrzehnten immer verlassen, und es gab noch eine weitere Bezugsperson, die großen Anteil an seinem beruflichen Erfolg hat: Rolf Metzmaier, Berater und Sprecher der Baden-Badener Gesellschafterinnen. „Ohne ihn wäre mein Werdegang im Unternehmen so nicht möglich gewesen, ich habe ihm sehr viel zu verdanken.“

Aus der beruflichen Zusammenarbeit erwuchs eine private Freundschaft, die 2016 auf die Probe gestellt wurde. „Da haben wir bewiesen, dass wir zwei streitbare Geister sein können“, erinnert sich Hoffarth an den Konflikt mit den damaligen Gesellschaftern, nachdem der Verlagsneubau gegen seine Überzeugung zunächst abgelehnt wurde, da die Rastatter Mehrheitseigner die Investition scheuten.

Hoffarth verknüpfte sein berufliches Schicksal mit dem Projekt und kündigte das Ende seiner Tätigkeit an, sollte der Bau beerdigt werden. Es kam anders: Eva Ertl, Yvonne Hambruch-Piesker und ihre Tochter Xenia Richters übernahmen die Anteile der Familie Greiser und brachten den Verlagsneubau auf den Weg. Anfang dieses Jahres wurde die neue Verlagszentrale in Betrieb genommen. Dann kam Corona, vereitelte die lange geplante Einweihungsfeier und verzögerte den Start der Veranstaltungsreihe, mit der Hoffarth die Leser ins Gebäude holen wollte.

„Ich fühle mich fit genug, um noch etwas anderes zu machen“

Ob sich dieser Traum vor seinem Ausscheiden noch erfüllt, ist fraglich. Sicher ist er hingegen, seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus zu übergeben – trotz der erheblichen Umsatzverluste, die auch das Badische Tagblatt durch die Pandemie erlitten hat. „Das BT ist wirtschaftlich solide aufgestellt“, betont Hoffarth, „allerdings sollte Corona uns nicht für ein oder zwei weitere Jahre das Geschäft vermasseln.“

Dass er sich nach seinem Ausscheiden als BT-Geschäftsführer im Alter von dann 63 Jahren auf ein Ruhekissen bettet, glaubt er nicht: „Ich fühle mich fit genug, um noch etwas anderes zu machen – allerdings nicht mehr als Angestellter eines Unternehmens.“ Und das klingt schon wieder irgendwie nach einer Vision...

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Erstellt:
10. Oktober 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 40sec

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