Corona kompakt: Mallorca schließt Partymeilen

Baden-Baden (red/dpa) – Das Coronavirus ist seit Monaten das beherrschende Thema in der Welt, in Europa, Deutschland und auch in Mittelbaden. Die BT-Onlineredaktion informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.

Nach groben Verstößen gegen die Corona-Auflagen hat Mallorca die Lokale in den vor allem von Deutschen und Briten besuchten Partymeilen geschlossen. Foto: Michael Wrobel/Birdy Media/dpa

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Nach groben Verstößen gegen die Corona-Auflagen hat Mallorca die Lokale in den vor allem von Deutschen und Briten besuchten Partymeilen geschlossen. Foto: Michael Wrobel/Birdy Media/dpa

Hügelsheimer Carnevalclub sagt Kampagne ab: Der HCC hat die Fastnachtskampagne 2020/2021 abgesagt. „Aufgrund der ungewissen Entwicklung der Corona-Pandemie und der dadurch verbundenen Planungsunsicherheit ist es uns unmöglich, die Veranstaltungen wie gewohnt für Sie durchzuführen. Eine Fastnacht, wie wir sie leben und lieben, ist unter den gegebenen Umständen nicht vorstellbar. Die Gesundheit aller Akteure, Mitglieder und Besucher steht an erster Stelle und hat für uns höchste Priorität“, teilte der Verein mit. Auch die Jubiläumsfeier zum 50. Bestehen des Vereins ist abgesagt.

US-Impfstoffkandidat zeigt gute Ergebnisse: Im Rennen um einen Corona-Impfstoff sind die USA einen Schritt vorangekommen. Ein experimentelles Mittel der US-Biotech-Firma Moderna zeigt einer Studie zufolge erste ermutigende Ergebnisse. So hätten in der ersten Phase von klinischen Tests die Probanden Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt, erklärte das an der Studie beteiligte Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID). Bei den 45 Teilnehmern im Alter von 18 bis 55 Jahren habe es keine ernsthaften Nebenwirkungen gegeben, hieß es weiter. Nun sollen die Tests bald in weit größerem Maßstab weitergehen. Rund um den Globus suchen Forscher und Unternehmen fieberhaft nach einem Corona-Impfstoff.

Olympische Jugendspiele erst 2026: Nach der Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr (23. Juli bis zum 8. August 2021) ist ein weiteres IOC-Event von der Corona-Pandemie betroffen. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), gab nach der Sitzung des Exekutivkomitees am Mittwoch bekannt, dass die Olympischen Jugendspiele in Senegals Hauptstadt Dakar von 2022 auf 2026 verschoben werden.

VfB Stuttgart beantragt Finanzhilfe: Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart hat während der Corona-Unterbrechung des Fußball-Spielbetriebs in Deutschland einen Hilfskredit bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragt. „Wir haben in der Phase des Lockdowns alle Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Stabilisierung geprüft und unter anderem über unsere Hausbank einen Antrag auf KfW-Förderung gestellt, um unsere Liquidität zu sichern“, bestätigte VfB-Finanzvorstand Stefan Heim der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Donnerstag). Dies „war eine unserer getroffenen Maßnahmen zur Wahrung des wirtschaftlichen Fortbestands des VfB in einer Zeit, in der niemand vorhersagen konnte, wann und wie es im Fußball weitergehen würde“. Laut den beiden Zeitungen soll es sich um eine Summe von zehn bis 15 Millionen Euro handeln. Bislang ist der Kredit nicht ausgezahlt worden. Die KfW-Corona-Hilfe sieht relativ geringe Zinsen sowie eine Teilübernahme des Risikos der Bank vor.

65 neue Infektionen im Südwesten: Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten seit Beginn der Pandemie ist in Baden-Württemberg auf mindestens 36.237 gestiegen. Das waren 65 mehr als am Dienstag, wie das Sozialministerium am Mittwoch in Stuttgart mitteilte (Stand: 16 Uhr). 33.791 Menschen gelten als genesen. Die Zahl der Corona-Toten gab die Behörde mit 1838 an – wie am Vortag. Derzeit seien geschätzt 608 Menschen im Land mit dem Virus infiziert, hieß es.

Tönnies darf wieder schlachten: Rund vier Wochen nach dem Corona-Ausbruch bei Deutschlands größtem Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück darf das Unternehmen an seinem Hauptstandort wieder schlachten. Die Stadtverwaltung hat den angeordneten Produktionsstopp für die Schlachtung mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Damit kann das Unternehmen in Rheda-Wiedenbrück wieder Tiere von Landwirten annehmen und die Produktion schrittweise hochfahren. Für die Zerteilung der Tiere hat die Stadt Rheda-Wiedenbrück vorerst noch keine Genehmigung erteilt. Für diesen Produktionsschritt soll es am Donnerstag zunächst nochmals eine Begehungen der Behörden geben. Gutachter sollen sich beispielsweise Trennelemente aus Plexiglasscheiben anschauen. Am Freitag soll der Bereich nach Angaben der Stadt zunächst in einem Probebetrieb wieder aufgenommen werden.

Mallorca schließt Partymeilen: Wegen illegaler Partys am „Ballermann“ hat Mallorca die Zwangsschließung aller Lokale der vor allem von deutschen Touristen gern besuchten „Bier-“ und „Schinkenstraße“ beschlossen. Diese Anordnung gelte zunächst für zwei Monate und trete am Mittwoch mit der Veröffentlichung des entsprechenden Beschlusses im Amtsblatt sofort in Kraft, teilte der balearische Tourismusminister Iago Negueruela in Palma mit. Die Regionalregierung ordnete aus demselben Grund auch die Schließung aller Lokale der Straße Puerto Ballena in der Briten-Hochburg Magaluf westlich der Inselhauptstadt an.

Geteilte Lage im Handel: Der Einzelhandel in Deutschland rechnet angesichts der Corona-Krise mit einer langen Durststrecke. Voraussichtlich werde erst 2022 wieder das Umsatzniveau des Vorkrisenjahres 2019 erreicht, prognostizierte am Mittwoch der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Viele Verbraucher hätten angesichts der drohenden Rezession ihr Einkaufsverhalten grundlegend verändert. 2020 werde voraussichtlich „das Jahr mit dem stärksten Wirtschaftsrückgang in der Geschichte des Einzelhandels seit dem Zweiten Weltkrieg“. Rund 80 Prozent der Händler im Nicht-Lebensmittel-Bereich litten nach wie vor unter erheblichen Umsatzrückgängen, sage Genth. Der Verband rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzminus von 40 Milliarden Euro in diesem Bereich. Rund 50.000 Geschäfte seien durch die Krise in ihrer Existenz bedroht. Allerdings gebe es eine Zweiteilung: Während Modehändler, Schuhgeschäfte und andere innenstadttypische Anbieter massiv unter Druck stehen, nahmen die Umsätze im Lebensmittelhandel und im E-Commerce seit Krisenbeginn deutlich zu.

Neue Regeln für Schlachthöfe: Ab sofort müssen baden-württembergische Schlachtbetriebe ihre Mitarbeiter täglich auf mögliche Corona-Symptome hin überprüfen. Haben sie mehr als 100 Beschäftigte, muss die Belegschaft zwei Mal wöchentlich einen Test auf das Coronavirus machen. Das sieht die entsprechende Verordnung des Wirtschafts- und des Sozialministeriums vor.

U-Ausschuss abgelehnt: Zum Angriff auf Gegner von Corona-Auflagen am Rande einer Demo in Stuttgart wird es keinen Untersuchungsausschuss geben. Die AfD-Fraktion scheiterte mit einem entsprechenden Antrag am Mittwoch im Landtag gegen Stimmen von Grünen, CDU, SPD und FDP. 117 Abgeordnete stimmten gegen das Vorhaben, 18 dafür. Mitte Mai waren drei Gegner der Corona-Auflagen auf dem Weg zu einer Kundgebung angegriffen worden, einer war dabei lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei vermutet die Täter im linksextremen Spektrum. Das lebensgefährlich verletzte Opfer gehörte nach dpa-Informationen der rechtspopulistischen gewerkschaftsähnlichen Organisation „Zentrum Automobil“ an. Die AfD warf der Landesregierung Versagen bei der Aufklärung des Angriffs vor und den „Altparteien“ eine Zusammenarbeit mit „linken, kriminellen Strukturen“. Die anderen Parteien wiederum hielten der AfD vor, den Vorfall instrumentalisieren zu wollen. Der Grünen-Innenexperte Hans-Ulrich Sckerl sprach von einem „perfiden Manöver“. Ein Untersuchungsausschuss sei kein Beitrag, um Straftaten aufzuklären. Das Parlament sei nicht der bessere Strafverfolger, sagte auch der CDU-Abgeordnete Thomas Blenke.

Kretschmer schließt Ausreisesperren für Sachsen praktisch aus: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält lokale Ausreisesperren für Regionen mit Ausbrüchen nur für schwer umsetzbar. „Wir haben große Landkreise in Sachsen. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem wir einen gesamten Landkreis mit einer Ausreisesperre belegen“, teilte der Regierungschef am Mittwoch auf Twitter mit. Das könne in anderen Regionen Deutschlands mit kleineren Landkreisen anders sein. „Für den Freistaat können wir so etwas nahezu ausschließen“, so Kretschmer. An diesem Donnerstag wollen Bund und Länder entscheiden, ob die Möglichkeit lokale Ausreiseverbote geschaffen wird.

Zwei neue Fälle im Landkreis: Im Landkreis Rastatt haben sich in den vergangenen 24 Stunden (Stand: Mittwoch, 15. Juli, 12 Uhr) – wie schon am Vortag – zwei Menschen neu infiziert. Damit steigt die Zahl der Infizierten im Landkreis und im Stadtkreis Baden-Baden zusammengenommen auf 729. Von diesen Erkrankten leben 539 im Land-, 190 im Stadtkreis. Die Zahl der Genesenen bleibt bei 686. Insgesamt sind im Stadt- und Landkreis bislang 36 Todesfälle zu beklagen.

Kunst für die Maske: Der geheimnisumwitterte Streetart-Künstler Banksy hat in einer Londoner U-Bahn mit Ratten-Bildern für das Tragen von Masken in der Corona-Krise geworben. Auf einem auf Instagram verbreiteten knapp einminütigem Video soll Banksy sogar selbst zu sehen sein – mit Maske, weißem Schutzanzug, blauen Gummi-Handschuhen und einer orangefarbenen Warnweste. Bis Mittwochvormittag wurde es schon mehr als drei Millionen Mal angeschaut. In der U-Bahn sind die Bilder nicht mehr zu sehen – die Verkehrsbehörde hat sie wegen ihrer strengen Anti-Graffiti-Politik wegwischen lassen. Bansky soll aber die Möglichkeit erhalten, ein neues Werk an einem „angemessenen“ Ort zu erstellen.

Entscheidung verschoben: Über die vom Bund geplanten lokalen Ausreiseverbote für Regionen mit großen Corona-Ausbrüchen wird voraussichtlich erst an diesem Donnerstag entschieden. Die Vorabstimmungen zu dem Beschluss liefen noch, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Berlin am Mittwoch aus Regierungskreisen. Es sollten noch neue Punkte in die geplanten Änderungen der betreffenden Corona-Regeln aufgenommen werden. Aus diesem Grund sei die Besprechung von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) mit den Staatskanzleichefs der Länder auf Donnerstagvormittag verschoben worden. Ziel des Bundes ist es, bei regionalen Corona-Ausbrüchen wie im Kreis Gütersloh zielgenauer reagieren zu können.

Ermutigendes Ergebnis: Ein experimenteller Coronavirus-Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna zeigt einer Studie zufolge nach ersten Tests ermutigende Ergebnisse. In der ersten Phase der klinischen Tests hätten die Probanden Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt, erklärte das an der Studie beteiligte Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID). Bei den 45 Teilnehmern im Alter von 18 bis 55 Jahren habe es keine ernsthaften Nebenwirkungen gegeben, hieß es weiter. Die Probanden, die innerhalb von zwei Monaten zwei Injektionen des Impfstoffs bekamen, entwickelten mehr neutralisierende Antikörper als Personen, bei denen eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert worden war, wie es am Dienstag (Ortszeit) weiter hieß. Der Impfstoff mRNA-1273 soll bereits ab Ende Juli an rund 30.000 Probanden getestet werden.

Lage in Deutschland: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 351 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 199.726 Menschen infiziert, wie das RKI am Mittwochmorgen meldete (Datenstand 15.7., 0 Uhr). Bislang starben 9.071 Menschen - das bedeutet ein Plus von drei im Vergleich zum Vortag. Bis Mittwochmorgen hatten 186 000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 14.7., 0.00 Uhr, bei 1,06 (Vortag: 1,00). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt.

Schauspiel ohne Schauspieler: Angesichts der Corona-Auflagen greift das Stuttgarter Schauspiel zu einer ungewöhnlichen Alternative: In der neuen Premiere „Black Box“ betreten keine Schauspieler die Bühne, um ihre Rollen zu spielen und Texte zu zitieren. Vielmehr übernimmt das vielstöckige Gebäudegewerk die Hauptrolle, die nackten Treppenhäuser und Lichtbühnen, die Lobby, der Zuschauerraum und die Werkstätten. Über Kopfhörer werden die Zuschauer im Fünf-Minuten-Takt alleine und sekundengenau durch das Haus geleitet, während die Gedanken der Maskenbildnerin und der Dramaturgin, des Theaterarztes und des Malers sie begleiten. Hinter jeder schweren Türe bietet sich ihnen so ein neuer und überraschender Blick auf den Theaterbetrieb. Nach einem 90-minütigen intensiven Gang durch das Gebäudelabyrinth steht der Besucher schließlich im Zentrum des Theatergeschehens: im Scheinwerfer auf der Bühne.

Studenten dürfen bleiben: Die drohende Ausweisung zahlreicher ausländischer Studenten aus den USA ist vom Tisch: Die US-Regierung nimmt eine geplante Regelung zurück, mit der ausländische Studenten bei der ausschließlichen Belegung von Online-Kursen im Wintersemester zur Ausreise gezwungen werden sollten. Das geht aus dem Protokoll einer Anhörung eines Bundesgerichts in Boston hervor, bei der es am Dienstag um den Fall ging. Die Einwanderungsbehörde ICE hatte die umstrittene Regelung in der vergangenen Woche angekündigt. Sie betraf Studenten an US-Universitäten, die im Wintersemester wegen des Coronavirus ausschließlich Online-Kurse anbieten.

EU-Ausnahme für Covid-19-Arzneimittel: Die EU setzt befristet Auflagen aus, um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs zu beschleunigen. Wie der Rat der Mitgliedstaaten am Dienstagabend mitteilte, werden vom kommenden Samstag an Covid-19-Arzneimittel mit genetisch veränderten Organismen (GVO) ohne vorherige Umweltverträglichkeitsprüfung klinisch geprüft werden können. Zudem wird klargestellt, dass die Regelung auch gilt, wenn Mitgliedsstaaten den Einsatz von offiziell noch nicht genehmigten Covid-19-Arzneimitteln mit genetisch veränderten Organismen erlauben wollen.

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Erstellt:
15. Juli 2020, 07:50 Uhr
Aktualisiert:
15. Juli 2020, 22:19 Uhr
Lesedauer:
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