Baleff-Nachfolge: Vier Kandidaten-Konzerte ab Ende April

Baden-Baden (cl) – Die Finalkonzerte der vier Kandidaten für die Nachfolge von Chefdirigent Pavel Baleff plant die Baden-Badener Philharmonie nun ab Ende April – und Open-Air-Konzerte im Sommer.

Sollen im besten Sinne „ansteckend“ sein: Die Baden-Badener Philharmonie plant im Sommer etliche Open-Air-Konzerte, unter anderem in der Konzertmuschel vor dem Kurhaus.  Foto: Jörg Bongartz/Philharmonie

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Sollen im besten Sinne „ansteckend“ sein: Die Baden-Badener Philharmonie plant im Sommer etliche Open-Air-Konzerte, unter anderem in der Konzertmuschel vor dem Kurhaus. Foto: Jörg Bongartz/Philharmonie

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

Seit Monaten verschiebt die Philharmonie Baden-Baden ihre Finalkonzerte der vier Kandidaten für die Nachfolge des 2022 ausscheidenden Chefdirigenten Pavel Baleff. Jetzt gibt es wieder einen Terminanlauf: Falls es die Corona-Lage zulässt, sollen sich die vier Kandidaten der Final-Liste nun Ende April/Anfang Mai in enger Abfolge hintereinander bei Dirigaten im Weinbrennersaal vorstellen können. „Wir kommen langsam unter Druck, weil wir die Bewerber nicht verlieren wollen, deshalb müssen wir das eigentlich in dem Zeitraum machen. Bis dahin sollte sich die allgemeine Lage so entspannt haben, dass wir auch Publikum reinlassen können“, sagte Orchestermanager Arndt Joosten im BT-Gespräch – „das könnte dann klappen.“
Alle vier Bewerber sind noch dabei. „Wir haben ja erstklassige Leute gefunden, und deshalb Sorge, dass der eine oder andere doch noch abspringt. Das wäre schade“, so Joosten. Unter den Anwärtern auf den Chefdirigentenposten sind: Timo Handschuh, Generalmusikdirektor der Stadt Ulm, der gebürtige Lahrer studierte an der Musikhochschule Freiburg und war danach an der Staatsoper in Stuttgart und am Theater in Ulm tätig. Der in Ohlsbach lebende Michael Güttler, Chefdirigent der finnischen Nationaloper in Helsinki, stammt aus dem Erzgebirge und hat in Dresden studiert. Der Spanier Carlos Dominguez-Nieto ist Chefdirigent in Cordoba und Leiter des Kammerorchesters „Concierto München“. Heiko Mathias Förster ist Chefdirigent des Prague Royal Philharmonic Orchesters und langjähriger Generalmusikdirektor von Klangkörpern in München und Brandenburg. „Wir stimmen gerade mit ihnen die Konzerttermine ab“, sagt Joosten. Falls das Infektionsrisiko kein normales Konzert zulasse, müssten die Vorspiele mit der Kommission hinter verschlossenen Türen stattfinden.
Außer den Finalkonzerten plant die Philharmonie für die „Zwischensaison“. Man werde sehen, was ab dem 22. März möglich sei, der Weinbrennersaal verfüge über ein ausgezeichnetes Lüftungssystem. „Wir haben auf jeden Fall die Möglichkeit, innerhalb von einer Woche den Konzertbetrieb wieder aufzunehmen.“ Die Programme sind fertig.

Aus vergessenen Repertoire-Stücke aus den Archiven sollen neue Konzertprogramme werden


Im Sommer soll viel draußen gespielt werden. „Wir wollen die Sommermonate dazu nutzen, dass sich die Zuschauer wieder daran gewöhnen, zu uns zu kommen. Das geht bei den Open-Air-Konzerten am leichtesten.“ Die Open-Air-Wochenenden seien alle gebucht. Bespielt werden die Konzertmuschel vor dem Kurhaus, die Konzertarena im Rosengarten, genauso Schloss Neuweier. Auch die „Philharmonische Parknacht“ Ende Juli sei fest geplant. Allerdings müssen die Infektionsschutz-Bestimmungen zu diesem Zeitpunkt erfüllbar sein. „Wenn dann tatsächlich 10.000 Leute kommen sollen, ist das eine dicke Nummer“, so Joosten – „wenn es wegen des Infektionsrisikos nicht möglich ist, machen wir es nicht.“ Auch die Carl-Flesch-Akademie, die Internationalen Meisterkurse für junge talentierte Streicher, ist noch für Juli in der Planung – allerdings kleiner und kürzer.
Zum Saison-Auftakt im September will die Philharmonie die Starsopranistin Anna Netrebko bei einer neuen Produktion in Stuttgart und Wien begleiten. Danach soll es in Baden-Baden wieder Abokonzerte geben. „Wir rechnen damit, dass wir ab September wieder einen regulären Konzertbetrieb anbieten können“, sagt der Orchestermanager. Für die Wiederaufnahme des regulären Konzertbetriebs der momentan 38 Baden-Badener Musikerinnen und Musiker hat die Philharmonie viele neue Ideen entwickelt und dazu Wiederentdeckungen aus den Archiven des Vorgängerorchesters gehoben: wie Werke des schwedischen Komponisten Andreas Hallen, der einige ungarische Tänze von Johannes Brahms orchestriert hat, und der Philharmonie „eine sehr hübsche erste Rhapsody“ im Archiv hinterließ. Auch Werke des russischen Dirigenten Anton Rubinstein, der mal in Baden-Baden gewohnt hat, oder von Alexander Glasunow werden aufgenommen. Unbekannte Werke von Engelbert Humperdinck wie die „Maurische Rhapsody“ und dessen „Königskinder“, zu denen drei wunderschöne Ouvertüren-Fassungen existieren, soll es im Programm geben. Diese Werke hat das Vorgängerorchester der Philharmonie bis zum Zweiten Weltkrieg 60 Jahre im Repertoire gehabt. „Das sind sehr anspruchsvolle Stücke, das Orchester spielt sie auf einem sehr hohen Niveau.“
Nächste Woche will die Philharmonie bereits Neues einspielen, der Weinbrennersaal wird zum Studio für die „weltweit ersten CD-Aufnahmen von Stücken des Komponisten Egon Gabler“, so Joosten: ein Hornkonzert und zwei Klarinettenkonzerte, in der Art von Richard Strauss. „Wir produzieren normalerweise keine Tonträger mehr, weil sich die Situation für Tonträger extremst verschlechtert hat, man verkauft kaum noch welche,“ erläutert Joosten, „aber für uns ist das ein wichtiger Abschnitt der ganzen Corona-Phase, um das Orchester wieder auf ein hohes Leistungsniveau zu heben. Aufnahmen sind das anspruchsvollste im Musikeralltag. Wir versuchen mal den musikalischen Staub aus den Knochen des Ensembles herauszukriegen, bei dieser wirklich gut und aufwendig geplanten Aufnahmesession.“

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