Badens blinder Fleck

Baden-Baden (kli) – Ein Verein versucht, im ehemaligen badischen Konzentrationslager Kislau einen „Lernort“ zu errichten. Das Projekt muss einen Rückschlag verkraften. Wie geht es nun weiter?

Der Gedenkort „Hotel Silber“, die frühere Gestapo-Zentrale in Stuttgart: Wird es auch in Baden in absehbarer Zeit einen „Lernort“ über NS-Geschichte geben? Foto: Marijan Murat/dpa

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Der Gedenkort „Hotel Silber“, die frühere Gestapo-Zentrale in Stuttgart: Wird es auch in Baden in absehbarer Zeit einen „Lernort“ über NS-Geschichte geben? Foto: Marijan Murat/dpa

Von Dieter Klink

Das Projekt, in Kislau nahe Bruchsal am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers einen Lernort zu errichten, hat einen Dämpfer erhalten. Die Initiative wird nicht wie erhofft durch den Bund gefördert. Dafür wird das Haus der Geschichte in Stuttgart vom Bund bezuschusst. Haben sich Projekte aus Baden-Württemberg gegenseitig blockiert und Baden zog dabei den Kürzeren? Und wie geht es jetzt weiter? Fragen und Antworten zur aktuellen Gedenkstättensituation im Land.
Wie kann es sein, dass zwei Projekte aus dem Südwesten gegeneinander antreten? Ganz so stimmt es nicht. Die Anträge werden nicht zentral verwaltet, es gibt keine Koordination. Die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) hat den Antrag des Lernorts Zivilcourage und Widerstand (LZW) für das Projekt Kislau bei der Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin eingereicht. In deren Etat ist die Gedenkstättenkonzeption des Bundes angesiedelt. Parallel dazu hat das Stuttgarter Wissenschaftsministerium bei Grütters den Förderantrag des Hauses der Geschichte (HdG) eingereicht. Beide Antragssteller wussten nichts voneinander. In der LpB freut man sich trotzdem über die Bewilligung des Zuschusses für das HdG. Andererseits: „Ich bedauere, dass der LZW keine Fördermittel vom Bund bekommen hat. Das ist schade, denn das Projekt in Kislau wäre eine Bereicherung für unsere Gedenkstättenlandschaft. Nun muss sich der Verein intensiv Gedanken über Alternativfinanzierungen machen“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Gedenkstättenarbeit bei der LpB, Katrin Hammerstein. Das HdG Baden-Württemberg hat 200.000 Euro für eine Sonderausstellung „Die Gestapo vor Gericht“ aus Berlin zugesprochen bekommen, der Förderantrag aus Kislau belief sich auf 750.000 Euro und ging leer aus. Insgesamt fördert der Bund vier Projekte mit insgesamt 4,5 Millionen Euro, davon gehen allein 3,7 Millionen Euro an das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

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Erstellt:
5. Januar 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 27sec

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