Baden-Badener Film „König Bansah“ im Fernsehen

Baden-Baden (cl) – Die Baden-Badener Produktion „König Bansah und seine Tochter“ von Regisseurin Wegner läuft am 29. März im ZDF. Der prämierte Dokumentarfilm hat auch einen Kinovertrieb gewonnen.

Céphas Bansah und Tochter Katharina zu Besuch in seinem Königreich in Ghana, das er finanziell unterstützt: Die Doku-Filmerin Wegner hat sie begleitet.  Foto: kurhaus production

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Céphas Bansah und Tochter Katharina zu Besuch in seinem Königreich in Ghana, das er finanziell unterstützt: Die Doku-Filmerin Wegner hat sie begleitet. Foto: kurhaus production

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

Nicht nur in den Medien hat die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Céphas Bansah, eines Königs in Ghana mit Autowerkstatt in Ludwigshafen, Wellen geschlagen, auch der in Baden-Baden produzierte Dokumentarfilm „König Bansah und seine Tochter“ hat trotz Corona eine beachtliche Tournee durch deutsche Filmfestivals absolviert. Im vergangenen Oktober erhielt die Produktion der Mannheimer Regisseurin Agnes Lisa Wegner den mit 7.500 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis „Granit“ bei den Hofer Filmtagen. Und am kommenden Montag, 29. März, läuft er um 0.00 Uhr im ZDF, in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“.
„Wir hatten das Glück, dass der Film nach dem Festival in Hof im Oktober noch auf zahlreichen weiteren Festivals laufen konnte, anfangs noch mit Vorführungen im Kino wie in Biberach, später dann bei Online-Festivals“, erklärte der Produzent Christoph Holthof von kurhaus production in Baden-Baden – beim wichtigsten deutschen Nachwuchsfilmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken und bei der Filmschau Baden-Württemberg sei er noch gelaufen. Eine weitere Kinoauswertung sei bislang aber nicht möglich gewesen, da die Kinos seit November geschlossen sind. Deswegen seien im Sommer – im Großraum Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, wo der König zu Hause ist – noch Kinostarts geplant. „Für den Film konnten wir mittlerweile einen Weltvertrieb gewinnen, der den Film außerhalb Deutschlands vertreiben wird“, so Holthof.
Regisseurin Wegner geht in ihrer Dokumentation über das Migrationsschicksal hinaus, befasst sich auch mit kolonialistischen und neokolonialistischen Abhängigkeiten des afrikanischen Kontinents vom weißen Norden.

Bansah ist in Ghana als König zuständig für rund 200.000 Angehörige des Stammes der Ewe


Ihr Film handele von der Suche nach den Wurzeln, nach Zugehörigkeit, nach der emotionalen Heimat aller Menschen und von Menschen mit migrantischem Hintergrund im Besonderen. Gedreht wurde in Ludwigshafen und auch in Ghana. Neben seiner Autowerkstatt ist Bansah in Ghana als König zuständig für rund 200.000 Angehörige des Stammes der Ewe. In Ghana spreche der König auch vor der Kamera offen über die Verbrechen der Kolonialzeit, wie „kurhaus production“ schildert. Während Céphas Bansah zu Hause in Ludwigshafen nicht gerne Rassismus thematisiere, erklärte die Filmemacherin Wegner kurz nach ihrem Hofer Festivalerfolg.
In sicherer Distanz jedoch zu Deutschland setzen sich Vater und Tochter mit den kolonialistischen und neokolonialistischen Abhängigkeiten des afrikanischen Kontinents auseinander. „Wir müssen zurück zu unseren Wurzeln“, erklärt der Vater seiner Tochter in Wegners Dokumentarfilm. Bansah ist spiritueller Herrscher der Ewe und ihr finanzieller Unterstützer; mehrmals im Jahr besucht er sie.
Bansahs 40-jährige Tochter Katharina wurde in Deutschland geboren, sie hat eine deutsche Mutter – und hat wie viele Kinder aus der zweiten Generation von Flüchtlingsfamilien mit dieser doppelten Identität ihre Probleme. Dieser Identifikationskonflikt ist das zweite große Thema des Films. Die freie Grafikerin führt in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben. In der Heimat ihres Vaters könnte sie in seine Fußstapfen treten und „Queen Mother“ werden. „Bis heute ist sie nicht entschieden, ob sie das Amt ihres Vaters einmal antreten soll – und welche Rolle die Heimat ihres Vaters überhaupt in ihrem Leben spielen soll“, erzählte Regisseurin Wegner. Der Film steht auch in der ZDF-Mediathek.

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Erstellt:
27. März 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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