KABS: Becker verabschiedet

Germersheim (vn) – Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) hat ihren wissenschaftlichen Direktor Norbert Becker (71) in den Ruhestand verabschiedet.

Der oberste Schnakenjäger geht von Bord: Die KABS hat Norbert Becker verabschiedet. Foto: Anspach/dpa/Archiv

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Der oberste Schnakenjäger geht von Bord: Die KABS hat Norbert Becker verabschiedet. Foto: Anspach/dpa/Archiv

Von Volker Neuwald

Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) verabschiedete am Mittwoch ihren wissenschaftlichen Direktor Norbert Becker in den Ruhestand. Becker prägte seit 1981 „das Gesicht der KABS wie kein anderer im wissenschaftlichen und operativen Bereich“, heißt es in einem Pressetext.

Der 71-Jährige gilt als Pionier bei der Anwendung des biologischen Mittels Bti zur Schnakenbekämpfung. Becker wird der KABS weiter beratend zur Seite stehen und einer Lehrtätigkeit in Heidelberg nachgehen. Sein Nachfolger ist der Biologe und KABS-Regionalleiter für Hessen, Dirk Reichle.

Der Verein hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Wegen des Ausfalls gleich zweier Helikopter (unter anderem war einer ausgebrannt) konnten die Experten nicht wie gewohnt ab Ende Mai Bti aus der Luft verteilen. Daraufhin schlüpften an vielen Stellen, vor allem nördlich von Rastatt, die Schnaken ungehindert. Stellenweise kam es deshalb bis in die letzte Juliwoche zu Belästigungen der Anwohner. In diesem Jahr werde die KABS über einen weiteren Helikopter verfügen, so Becker. Das Fluggerät kommt aus Nordamerika und wird in Hockenheim stationiert.

KABS hält an Bti fest

Erleichtert zeigt sich die KABS über das Eckpunktepapier der Landesregierung, das gemeinsam mit den Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ verabschiedet wurde. In dem Papier ist nur noch von Pestiziden die Rede, die künftig nicht mehr eingesetzt werden sollen. Bei der Unterschriftensammlung im Herbst waren auch Biozide aufgeführt – also Chemikalien oder Mikroorganismen zur Bekämpfung von Schädlingen, wozu Bti gehört. „Für die KABS hätte das bedeutet, dass sie bis auf wenige Bereiche keine Stechmückenbekämpfung mehr hätte durchführen können“, heißt es dazu im Pressetext. Nun hoffe man, „dass wie bisher Bti in Schutzgebieten unter Beachtung der bisherigen Absprachen ausgebracht werden darf.“

Vor diesem Hintergrund bekräftigt die KABS ihre Haltung, dass das Ausbringen von Bti nicht für ein Insektensterben beziehungsweise den Verlust der Artenvielfalt verantwortlich ist, weil zum Beispiel Vögel nicht mehr ausreichend Nahrung finden. Man arbeite mit mehreren Forschungseinrichtungen zusammen.

Asiatische Tigermücke weiter auf dem Vormarsch

Zwischen 2015 und 2017 wurde die Häufigkeit von Wasserkäfern und -wanzen in exakt gleicher Weise untersucht wie bei einer Forschungsreihe von 1979 bis 1982. „Die Auswertung zeigt, dass es einen Artenschwund von etwa zehn Prozent gegeben hat“, schreibt die KABS. „Betrachtet man aber die typischen Fressfeinde der Stechmückenlarven, stellt man fest, dass deren Bestand sich in den vergangenen 35 Jahren nicht verändert, teilweise sogar zugenommen hat.“

Auch einen negativen Einfluss von Bti auf Zuckmücken schließt die KABS aus. In einem Routineüberwachungsprogramm seien in den vergangenen Jahren zwei behandelte und zwei unbehandelte Gebiete auf die Häufigkeit von Zuckmücken untersucht worden. Ein messbarer Einfluss von Bti auf das Gesamtvorkommen von Zuckmücken sei nicht festgestellt worden.

Ein Dauerthema bleiben invasive Stechmückenarten. Vor allem die Asiatische Tigermücke habe sich „explosionsartig vermehrt“ – von fünf Populationen 2017 auf 14 Populationen 2019 sowie zwei Verdachtsfälle. Die Wissenschaftler der KABS „überwachen und bekämpfen in den Kommunen die Tigermücke mit dem Ziel, sie auszurotten oder zumindest stark zu reduzieren“. Neben Bti komme eine weitere Methode mit ungefährlichen Gammastrahlen zum Einsatz, die die Männchen unfruchtbar machen. „Diese Methode funktioniert gut, da Tigermücken relativ stationär und nicht wanderfreudig sind.“ Die Bevölkerung wisse man hinter sich – eine Fragebogenaktion im Frühjahr hatte eine sehr große Zufriedenheit mit der Arbeit der KABS ergeben.

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Erstellt:
30. Januar 2020, 00:00 Uhr
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