Antisemitismus-Vorwurf: Landesvereinigung entschuldigt sich

Karlsruhe (BNN) – Eine Textpassage in einem Schreiben der Landesvereinigung Baden in Europa hat zu Kritik geführt. Auch der Antisemitismus-Beauftrage des Landes meldete sich zu Wort.

Peter Koehler, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa, bedauert, dass es zu Fehlinterpretationen kam. Foto: Uli Deck/dpa

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Peter Koehler, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa, bedauert, dass es zu Fehlinterpretationen kam. Foto: Uli Deck/dpa

Von BNN-Volontärin Marie Orphal

Hat die Landesvereinigung Baden in Europa eine antisemitische Formulierung verwendet? Ein Satz in einer Resolution, die die badischen Patrioten bei ihrer Jahreshauptversammlung vor zwei Wochen verabschiedet hatten, hat zu Kritik geführt.

In dem Schreiben hatte die Landesvereinigung bemängelt, dass zu einer Veranstaltung zum Landesgeburtstag nur württembergische Organisationen eingeladen seien, andere Gruppen aus der Zivilgesellschaft dagegen nicht. In diesem Zusammenhang hatte sie explizit die jüdische Gemeinde und die Frauenverbände erwähnt.

Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes, Michael Blume, kritisierte die Organisation daraufhin. Es sei „geschmacklos, unmittelbar vor Pessach über fehlende jüdische Gemeinden zu spotten“, sagte Blume. Das Pessach-Fest, das Mitte April begonnen hat, gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums. Rami Suliman, der Vorsitzende der israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, stimmte Blume zu. Die Textpassage sei „total unpassend“, sagte er unserer Redaktion.

„Der Vorwurf trifft mich sehr“, sagte der neue Vorsitzende der Landesvereinigung Peter Koehler. Er bedauere, dass es zu Fehlinterpretationen gekommen sei. Koehler räumte ein, dass die Passage „unglücklich formuliert“ gewesen sei. Die Landesvereinigung habe sich immer der Vielfalt des badischen Landesteils verpflichtet gefühlt, betonte Koehler. Es habe niemals Anzeichen von Antisemitismus innerhalb der Organisation gegeben. Die Landesvereinigung will die Textpassage nun überarbeiten.

In dem Schreiben hieß es: „Wenn die Veranstalter – der Landtag von Baden-Württemberg und die Landeszentrale für politische Bildung – als Mitveranstalter nur württembergische Organisationen wie den ,Schwäbischen Heimatbund‘, das evgl. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart, das kath. Bildungswerk Stuttgart, das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart e.V. und den Landesjugendring Baden-Württemberg – es fehlen noch die jüdische Gemeinde und die Frauenverbände – auffordern, entsteht der Verdacht, dass die Landespolitik zentralistisch, schwäbisch denkt“.

Gründungsjubiläum als Zankapfel

Anlass für die Resolution war eine Veranstaltung zum 70. Gründungsjubiläum Baden-Württembergs. Zu der Feier, die am 27. April in Stuttgart stattfindet, sind nur württembergische Organisationen eingeladen. Wie unsere Redaktion zuerst berichtete, hatte die Landesvereinigung Baden in Europa die Landtagsspitze daraufhin scharf kritisiert. Die Organisation setzt sich für die Belange des badischen Landesteils ein.

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Erstellt:
22. April 2022, 17:38 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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