Wie gehen Rastatts Partnerstädte mit Corona um?

Rastatt (red) – Eine persönliche Begegnung der Bürgermeister Rastatts und seiner Partnerstädte ist zurzeit nicht möglich, doch jetzt tauschte man sich in einer Videokonferenz aus.

Per Videokonferenz hat sich Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch (oben links) mit seinen Kollegen aus Rastatts Partnerstädten über die Corona-Pandemie ausgetauscht. Hier mit Fanos Bürgermeister Massimo Seri. Foto: Stadt Rastatt

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Per Videokonferenz hat sich Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch (oben links) mit seinen Kollegen aus Rastatts Partnerstädten über die Corona-Pandemie ausgetauscht. Hier mit Fanos Bürgermeister Massimo Seri. Foto: Stadt Rastatt

Auf einen herzlichen Händedruck oder eine Umarmung zur Begrüßung musste verzichtet werden, als sich Rastatts OB Hans Jürgen Pütsch und die Bürgermeister der Partner- und Patenstädten nun wiedersahen: Statt eines Vor-Ort-Besuchs beschränkten sich die Stadtspitzen coronabedingt auf einen Austausch per Videokonferenz.
Pütsch hatte sich in den vergangenen Tagen bei seinen Kollegen in Fano (Italien), Orange (Frankreich), Entre Rios (Brasilien) und Ostrov (Tschechien) erkundigt, wie sie mit der Corona-Pandemie umgehen, teilt die städtische Pressestelle mit. Ein Austausch mit New Britain (USA) und Woking (England) ist im Herbst geplant, da die dortigen Bürgermeisterinnen sich noch im Urlaub befinden und die Bürgermeisterin von New Britain zudem Mitte August ihr erstes Kind zur Welt gebracht hat.

Fano

Dort sei die Situation besonders im März und April schwierig gewesen, berichtete Bürgermeister Massimo Seri. Danach habe sich die Lage beruhigt, und bis zum 1. August habe es keine neuen Corona-Fälle gegeben. Um die Verbreitung einzudämmen, hat Seri unter anderem veranlasst, dass zwischen 18 und 6 Uhr in der Öffentlichkeit Maskenpflicht besteht. Der Tourismus hat laut Seri nur langsam Fahrt aufgenommen. Bis Juli waren es schwierige Momente für die Hotellerie, weil kaum ausländische Touristen kamen. Das ändere sich nun merklich, so Seri. Positiv sei, dass auch in Fano verstärkt Italiener zu Besuch kamen. Am Strand und im Meer hielten sich die Gäste zudem an die Abstandsregeln. Das funktioniere sehr gut, betonte Seri. Abgesagt werden musste die berühmte Veranstaltung „Fano die Cesari“. Die Stadt hofft, es im kommenden Jahr nachzuholen, ebenso wie die geplanten Sportereignisse für Vereine, bei denen auch Rastatter Clubs aufgerufen waren, sich zu beteiligen. Erfreulich: Fano hat sich offiziell als Kulturhauptstadt Italiens für 2021 beworben. Aufgrund von Corona wurde das Auswahlverfahren von den zuständigen Ministerien jedoch in das Jahr 2022 verschoben.

Orange

Einen Grund zum Feiern, zumindest am Telefon, hatten auch OB Pütsch und sein im Frühjahr zum fünften Mal wiedergewählter Kollege aus Orange, Jacques Bombard. Denn in diesem Jahr besteht die Städtepartnerstadt zu Orange in der Provence bereits seit 55 Jahren. Zu Orange pflegt Rastatt damit die älteste Partnerschaft. Wie Bombard berichtete, sei Orange sehr lange weitestgehend von der Pandemie verschont geblieben. In den vergangenen Tagen sei jedoch ein leichter Anstieg der Fallzahlen festzustellen, ähnlich wie im gesamten südfranzösischen Gebiet. In der Stadt herrsche überall Maskenpflicht, auch auf der Straße. Die Schulen in Frankreich öffnen zum 1. September zwar wieder regulär, an einen Schüleraustausch mit Rastatts Schulen ist aber in diesem Jahr nicht zu denken. Auch wenn die Nachfrage bei Rastatts Schülern groß ist, wie Pütsch verdeutlichte. Mit Blick auf die vergangenen Monate und die Corona-Situation in seiner Stadt sagte Bompard „plus de peur que de mal“, was so viel bedeutet, wie es wurde in seiner Stadt mehr vor Corona gefürchtet, als dass das Virus angerichtet hätte.

Entre Rios

Glück im Unglück hat offenbar auch Rastatts Patenstadt in Brasilien. Denn während das südamerikanische Land nach den USA am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen ist, „ist die Situation in Entre Rios nicht so schlimm, wie die Gesamtsituation in Brasilien in Europa ankommt“, sagte Jorg Karl, Präsident der Genossenschaft Agraria, der neben Bürgermeister Cesar Silvestri ebenfalls am Telefonat teilnahm. Lange habe das Virus das Bundesland verschont. Inzwischen jedoch verzeichne das elf Millionen Einwohner große Bundesland fast 100.000 Infizierte und 2.570 Todesfälle. Im Landkreis Guarapuava mit knapp 200.000 Einwohnern seien aktuell rund 500 Infizierte gemeldet und es gab bisher vier Todesfälle. In der Siedlung Entre Rios mit 7.000 Einwohnern gab es bis jetzt 30 Corona-Fälle, zurzeit befindet sich ein Infizierter in Quarantäne, wie Silvestri anhand von Statistiken verdeutlichte. Im Gesamtbezirk Guarapuava seien sehr früh Schutzmaßnahmen getroffen worden, viel früher als auf Landesebene, berichtete Silvestri. Mundschutz etwa ist überall obligatorisch und bestimmt das Straßenbild. Alle Schulen sind zudem noch geschlossen, in Entre Rios gibt es Online-Unterricht für alle Klassen.

Ostrov

Die tschechische Stadt hatte bisher glücklicherweise nur wenig infizierte Personen, wie Bürgermeister Jan Bureš erzählte. Die Gesamtzahl lag im Frühling bei nur elf Personen, die mittlerweile alle wieder gesund seien. Im Landkreis Karlsbad, dem auch die Stadt Ostrov angehört, seien aktuell 39 Personen aufgrund von Corona verstorben. Dabei handelte es sich laut Bureš um Patienten mit Vorerkrankungen. 458 Personen sind bereits wieder genesen. Kindergärten und Schulen in Ostrov waren lang geschlossen. Ein Kindergarten blieb jedoch durchgehend geöffnet, dort wurden auch Kinder der ersten und zweiten Klassenstufen betreut. Aktuell werden nach der Betreuung in den Schulen und Kindergärten alle Räume mit einem Ozongenerator desinfiziert. In Ostrov wurde gleich zu Beginn der Pandemie ein kostenloser Dienst für Senioren eingerichtet, der ihnen Einkäufe direkt nach Hause brachte. Wer sich zudem nicht gut fühlt und das Haus nicht verlassen möchte, kann sich zu Hause auf Corona testen lassen. Die Hygienestation in Karlsbad schickt dann eine Krankenschwester zu den Betroffenen. In öffentlichen Gebäuden müssen Mund-Nasenschutz-Masken getragen werden. Zudem werden öffentliche Plätze wie Sitzbänke und Bushaltestellen desinfiziert. Bürgermeister Bureš rechnet ab dem 1. September mit strengeren Maßnahmen vonseiten der tschechischen Regierung. Zwischenzeitlich musste deshalb auch das für Ende September geplante traditionelle Michaelsfest abgesagt werden.

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Erstellt:
2. September 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 42sec

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