Weitere Paten-Zahnärzte für Kitas gesucht

Rastatt (red) – Schon früh die richtige Mundhygiene zu erlernen, ist wichtig. In rund 140 Kindergärten und 80 Grundschulen der Region gibt es Gruppenprophylaxe, doch es werden noch weitere Paten-Zahnärzte gesucht.

Kinder, die das Zähneputzen in der Kita über Jahre erleben, greifen laut Landratsamt auch zu Hause zur Bürste, selbst wenn sie nicht aktiv unterstützt werden. Foto: Oliver Hurst

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Kinder, die das Zähneputzen in der Kita über Jahre erleben, greifen laut Landratsamt auch zu Hause zur Bürste, selbst wenn sie nicht aktiv unterstützt werden. Foto: Oliver Hurst

„Die Zahnärztin ist da!“, jubeln die Kinder und hüpfen vor lauter Begeisterung. Mit so viel Freude wird das Team der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit (RAGZ) im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden in aller Regel in den Kindergärten in Empfang genommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts Rastatt.
Das RAGZ-Team um Jugendzahnärztin Natalya Huxmann und den Fachfrauen für Zahngesundheit Gabriela Haberstroh, Claudia Keller und Sabine Merkel erklärt den Kindern, wie ihre Zähne lange gesund bleiben. Dabei hilft nicht nur die mitgebrachte „Puppe Lola“, sondern auch ein fröhliches Zahnputzzauberlied. Und auch die Eltern bekommen Hausaufgaben, denn sie sind Vorbild und ihre Aufgabe ist es, Kinderzähne morgens und abends sauber zu putzen. Bis etwa zum neunten Lebensjahr benötigen die Kinder Hilfe beim Zähneputzen. Erst wenn ein Kind flüssig schreibt, kann es seine Zähne wirklich rundherum sauber putzen, so die Pressemitteilung weiter.

Zurzeit rund 40 Zahnärzte dabei

Um Kindern die Wichtigkeit der richtigen Pflege deutlich zu machen, wird zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in den rund 140 Kindergärten und 80 Grundschulen angeboten. Dafür wurde vor drei Jahrzehnten die RAGZ gegründet. Zusammen mit derzeit etwa 40 Paten-Zahnärzten setzt sie sich für die Zahngesundheit von klein auf ein. „Es ist schade, wenn erst bei Schmerzen der Zähne erkannt wird, wie wichtig die regelmäßige Vorsorge und die richtige Pflege wirklich sind“, erklärt Jugendzahnärztin Natalya Huxmann und hofft dringend, dass sich weitere Zahnärzte in der Region bereit erklären, das RAGZ-Team zu unterstützen. „Der Besuch des Zahnarztes in der Kita schafft bei den Kindern viel Vertrauen und die Eltern bekommen einen Hinweis für die regelmäßigen Kontrolltermine in der Praxis.“

In der Gesundheitserziehung kommt dem Kindergarten neben der Familie eine besondere Bedeutung zu. Die Erzieherinnen können bei den Kindern eine gesundheitsbewusste Haltung wecken und mit ihnen das richtige Zähneputzen einüben. Aber die Hauptakteure sind die Eltern und deshalb ist das Wissen von Eltern für eine zahngesunde Entwicklung so wichtig, so das Landratsamt.

Erhebliche Defizite beim Wissen über Karies

Laut einer Studie von 2018 bestehen hier allerdings erhebliche Wissensdefizite. So wussten fast 13 Prozent der befragten Mütter nicht, dass kariöse Milchzähne behandelt werden müssen. Nahezu die Hälfte der Mütter glaubte, dass Karies hauptsächlich genetisch bedingt sei. „Deshalb sind alle Bemühungen vergeblich, wenn die Eltern nicht die Empfehlungen für eine bessere Mundhygiene aufgreifen und verstärken“, bekräftigt Huxmann.

Und hier hapert es bereits früh, wie die Untersuchung weiter verdeutlicht, weil manche Eltern ihre Kinder bereits im Kindergartenalter nicht beim Zähneputzen unterstützen. Bei mehr als einem Drittel der untersuchten Schulkinder wurde eine unbefriedigende Mundhygiene festgestellt. Auch in den Kindertagesstätten ist Zähneputzen heutzutage nicht mehr selbstverständlich, obwohl die Zahnpflege zum Erziehungsauftrag gehört. Jugendzahnärztin Natalya Huxmann stellt bei ihren Besuchen fest, dass Milchzahnkaries bereits bei den unter Dreijährigen ein großes Problem darstellt. Fehlende Zähne oder Entzündungen im Mund seien im Hinblick auf die Sprachentwicklung und -förderung der Kinder eine sehr besorgniserregende Entwicklung.

Auch im Milchgebiss muss Karies behandelt werden

Auch die jüngste Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) zur Karieserfahrung bei Kindern beweise einen deutlichen Handlungsbedarf, sowohl bei der Prävention als auch bei der Therapie von Karies im Milchgebiss. Deutschlandweit haben hiernach nur 56,4 Prozent der Schulanfänger naturgesunde Gebisse. In Baden-Württemberg ist die Karieslast in dieser Altersgruppe sogar noch höher. Landesweit weisen lediglich 53,8 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen gesunde Zähne auf. Im Bereich Rastatt und Baden-Baden beträgt der Anteil bei den Erstklässlern 56 Prozent.

Mit dem einfachen Konzept der „Fünf-Finger-Regel für gesunde Kinderzähne“ möchte die RAGZ die Mundhygiene als Norm verfestigen. Dass die Kinder im Kindergarten wieder Zähneputzen üben, ist das größte Ziel. Dabei erlernen die Kinder die Zahnputzsystematik „KAI plus“. Dafür bekommt jede Kita von der RAGZ eine CD mit dem Zahnputzzauberlied und die Kinder entsprechend den Liedtext und die visualisierte „Fünf-Finger-Regel“ für Zuhause. Das Lied hilft den Kindern einen emotionalen Bezug zur Zahngesundheit herzustellen und soll darüber hinaus die Eltern motivieren, die Kinderzähne sauber zu putzen.

Kinder, die das Zähneputzen in der Kita über die Jahre erleben, greifen auch zu Hause zur Bürste, selbst wenn sie dabei nicht aktiv unterstützt werden. Die tägliche Zahnputzübung in der Kita gibt allen Kindern die Chance, eine Zahnputzsystematik zu erlernen und sensibilisiert sie nachhaltig für eine ritualisierte Mundpflege, schreibt das Landratsamt.

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Erstellt:
2. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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