Vier Fragen an: Martin Hauser

Von Nadine Fissl

Rastatt (naf) – Der Wolf ist zurück und hat vermutlich ein weiteres Mal eine Ziege in Forbach gerissen. Martin Hauser ist Wildtierbeautragter im Landkreis Rastatt und berichtet, wie der Landkreis mit dem Auftreten des Wolfs umgeht und Nutztierhalter darauf reagieren können.

Vier Fragen an: Martin Hauser

Martin Hauser und der kleine „Wolfsexperte“: Sein Wissen teilt der WIldtierbeauftragte auch mit seinem Enkel. Foto: Hauser

BT: Herr Hauser, Ausgleichszahlungen für Schäden durch Wolfsangriffe sind daran geknüpft, dass die Schafe und Ziegen durch wolfssichere Zäune geschützt werden. Beim Fall der vor kurzem in Forbach gerissenen Ziege war das nicht der Fall. Was genau ist der Mindeststandard für einen sogenannten wolfsabweisenden Herdenschutz?

Martin Hauser: Der sogenannte fachgerechte Grundschutz kann durch mehrere Möglichkeiten erreicht werden. Entweder mit den bekannten Flexinetzen oder mit einem mobilen oder festen Litzenzaun, das sind waagerecht verlaufende Einzeldrähte. Auch Festzäune in Form stabiler Drahtgeflechtzäune können dazu verwendet werden. Bei all diesen Möglichkeiten gelten jeweils bestimmte Anforderungen, unter anderem an die Höhe des Zauns, Anzahl und Abstand der Einzeldrähte sowie der Stromführung. Bei Elektrozäunen kommt der Erdung eine entscheidende Bedeutung zu. Die genauen Anforderungen sind auf der Homepage des Landkreises Rastatt zu finden.Die Topographie im Landkreis erschwert allerdings in vielen Fällen die fachgerechte Ausführung und bedeutet einen hohen Aufwand für die Nutztierhalter.

BT: Und wenn die nötigen Schutzmaßnahmen aufgrund solcher typografischer Bedingungen nicht erfüllt werden können? Gibt es bezüglich der Fördermittel auch Unterschiede zwischen Vereinen (wie z.B. der Ziegenfreunde Bermersbach) und Schäfern?

Hauser: Es gibt keine Unterschiede bei den Fördermitteln. Antragsberechtigt sind natürliche und juristische Personen. Detaillierte Hinweise zum Förderverfahren sind ebenfalls auf der Homepage des Landkreises Rastatt zu finden. Nutztierhalter sollten sich bei Fragen und geländebedingten Schwierigkeiten unbedingt an die Herdenschutzberatung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) wenden. Die Experten kommen vor Ort und erarbeiten dann individuelle Lösungsvorschläge.

BT: Wie sieht es im Landkreis mit der Entwicklung des Wolfs aus?

Hauser: Seit fast zwei Jahren ist im Nordschwarzwald lediglich ein männlicher Wolf nachgewiesen. Nach aktuellem Stand ist er für fünf Übergriffe an Nutztieren im Landkreis Rastatt verantwortlich. Bei keinem der Fälle war der vorgeschriebene Grundschutz für die Weiden vorhanden. Wegen der topographischen Schwierigkeiten ist es aber oft eine große Herausforderung diesen Schutz zu verbessern. Im Landkreis ist man sich der Problematik durch den Wolf auf jeden Fall bewusst.Den Kommunen ist die Weidetierhaltung sehr wichtig. Deshalb unterstützen sie die Halter zum Beispiel mit dem Bau von Stallungen. Und der Landkreis veranstaltet auch spezielle Zaunbaulehrgänge, der nächste findet am 21. März statt. Das Ministerium hat außerdem eine Veranstaltungsreihe zum Thema Herdenschutz geplant. Daran nehmen mehrere Ämter des Landkreises, der Wildtierbeauftragte, Vertreter von betroffenen Kommunen und Weidetierhaltern teil. Ausreichend Lebensraum für den Wolf

Ich als Wildtierbeauftragter des Landkreises informiere, berate und unterstütze Ämter und die Öffentlichkeit. Wegen der großen, zusammenhängenden Waldgebiete ist ausreichend Lebensraum für den Wolf vorhanden. Wie sich der Bestand allerdings entwickelt, ist aber nur schwer zu sagen.

BT: Wie sollte man vorgehen, wenn man den Verdacht hat, einen Wolf oder dessen Spuren gesehen zu haben?

Hauser: Ich nehme sämtliche Hinweise entgegen und erfasse sie in einer landesweiten zentralen Datei. Ich bin unter der Telefonnummer (07085) 7216 oder über die Mobilnummer (0175) 2232698 erreichbar. Die Erfassung von solchen Daten ist eine wichtige Grundlage für das ganze Wolfsmanagement.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 6 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.