Stolpersteine für die letzten Kuppenheimer Juden

Kuppenheim (red) – 68 Stolpersteine im Gedenken an Kuppenheimer NS-Verfolgte sind in den vergangenen Jahren verlegt worden. 15 sollen noch folgen. Aber es gibt ein Hemmnis.

Stolpersteine für die letzten Kuppenheimer Juden

Der Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung von Stolpersteinen. Foto: Archiv

Der Kuppenheimer Arbeitskreis Stolpersteine hat vor drei Monaten in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats beantragt, einen überparteilichen Antrag zu stellen, um die letzten 15 Stolpersteine in Kuppenheim verlegen zu können. Das Thema wird in einer der nächsten Ratssitzungen beraten.Vor gut zehn Jahren, am 16. November 2009, hatte der Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen, die Legung von Stolpersteinen auf den Gehwegen in Kuppenheim zuzulassen, dabei verzichtete die Stadt auf ihr Wegerecht. Die betroffenen Hauseigentümer sollten der Verlegung von Stolpersteinen vor ihrem Anwesen zustimmen, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitskreises.

15 Steine vor einem einzigen Haus bleiben nun aktuell noch außen vor. Da ein angrenzender Hauseigentümer in der Rheinstraße die Einwilligung verweigert, ist es nicht möglich, auch die letzten 15 Kuppenheimer Juden in Form eines Stolpersteins zu gedenken. 68 Stolpersteine konnten bisher in der Knöpflestadt verlegt werden: Murgtalstraße (2, 17, 37), Schlossstraße 1, Obere-Tor-Straße 1 und Friedrichstraße (59, 75, 79, 86, 91, 92/94, 98). Für weitere fünf Stolpersteine liegen die Genehmigungen der Hausbesitzer vor.

In der Rheinstraße starben während des NS-Terrorregimes Maier Kahn (Metzger und Viehhändler) und Sofie Kahn (Opfer der Aktion T4). Colestine Kahn und ihre Schwester Blondina Kahn wurden ins Lager Gurs deportiert und starben dort mit 61 beziehungsweise 65 Jahren. In Konzentrationslagern wurden Berta Kahn (verh. Grünhut), Ludwig Kahn, Johanna Kahn (verh. Kuhn), Irma Kahn (verh. Platz) und Siegfried Kahn ermordet.

Weitere Juden, die ehemals in der Rheinstraße wohnten, wurden zur Flucht gezwungen: Salomon Kahn, Jeanette Ida Kahn, Klara Kahn und Leo Kahn. Das Schicksal zweier Juden aus der Rheinstraße ist noch nicht recherchiert. Ihnen sollen auch Stolpersteine gewidmet werden: Lina Kahn (verh. Kahn) und Frieda Kahn (verh. Valfer).

Arbeitskreis appelliert an Gemeinderat

Der Arbeitskreis hat sich auch zur Aufgabe gemacht, die einzelnen Mitglieder einer Familie, die vom nationalsozialistischen Unrechtsregime betroffen waren, vor ihrer ehemaligen Wohnung im Gedenken wieder zusammen zu führen.

In diesem Sinne bittet der Arbeitskreis Stolpersteine den Gemeinderat Kuppenheim, seinen Beschluss bezüglich des Verzichts auf das Wegerecht zu revidieren. Die Einwilligung der angrenzenden Grundstückseigentümer für die Legung von Stolpersteinen wäre dann nicht mehr zwingend notwendig. Der Rat könnte dem Beispiel der Städte Ettenheim und Schriesheim sowie Viersen in Nordrhein-Westfalen folgen, die einen früheren Beschluss entsprechend zurücknahmen. Der Arbeitskreis appelliert an das Gremium, die positive Entwicklung des Gedenkens durch Stolpersteine zu berücksichtigen – gerade in Zeiten, da Antisemitismus, Ausgrenzung und Hass immer mehr Oberhand gewännen, sei dies umso wichtiger.