Statt Christbäume leuchten die Flutlichtmasten

Malsch/Muggensturm (yd) – Weihnachtsstimmung? „Die fällt im Ahrtal in diesem Jahr aus“, meint Michael Schwall. Der Feuerwehrmann aus Malsch-Sulzbach weiß, wovon er spricht.

Zu tun gibt es an der Ahr genug: Bei vielen Häusern ist die Bausubstanz kontaminiert. Die Helfer aus Mittelbaden packen an, wo es nur geht. Foto: Steffi Schnepf

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Zu tun gibt es an der Ahr genug: Bei vielen Häusern ist die Bausubstanz kontaminiert. Die Helfer aus Mittelbaden packen an, wo es nur geht. Foto: Steffi Schnepf

Von Yvonne Hauptmann

Seit August verbringt er regelmäßig seine freie Zeit in Dernau, einem von der Flutkatastrophe Mitte Juli besonders betroffenen Ort. Und auch im neuen Jahr werden Schwall und seine Helfer ihr Engagement fortführen.
Zum Helferkreis gehören auch Mathias und Steffi Schnepf aus Muggensturm. Im September waren sie zum ersten Mal im Ahrtal, um mit anzupacken. „Und die Dimensionen der Zerstörung, die wir dort gesehen haben, waren vorher für uns so nicht vorstellbar“, erzählt Mathias Schnepf. Es sei erschreckend, wie viele Häuser von der Wucht der Flut unbewohnbar geworden seien, wie viele Straßen weggespült und wie viel Infrastruktur einfach nicht mehr vorhanden sei. Hinter jedem Haus stecke das Schicksal von einer oder mehrerer Familien, deren Leben ja irgendwie weiter gehen muss. „Wir haben Menschen getroffen, die kurzfristig bei Verwandten, die eine gute Stunde weg wohnen, untergekommen sind. Die pendeln jetzt jeden Tag zur Arbeit im Ahrtal und versuchen nebenher, ihre Häuser wieder aufzubauen“, berichtet Michael Schwall. Um genau diesen Menschen zu helfen, fahren der Sulzbacher und seine Helfer immer wieder an die Ahr – mit leeren Händen kommen sie nie. Waren es im September und August noch Bautüren und Akkuschrauber, die besonders heiß begehrt waren, so werden inzwischen Innenputz oder Brennholz benötigt, damit die Bauarbeiten im Inneren der Häuser schneller vorangehen. Die Straßen in Dernau seien inzwischen weitgehend freigeräumt und von Schutt befreit. Der Fortschritt sei deutlich zu sehen. Und dennoch: „Abends gleicht Dernau einer Geisterstadt“, berichten die Helfer. Gerade in der Vorweihnachtszeit sei das besonders trostlos. „Es wohnt ja fast niemand dort momentan. Alle sind irgendwo anders untergekommen.“ Wobei einige Familien auch im Holzschuppen im Garten lebten, bis zumindest Teile ihrer Häuser wieder bewohnbar waren. Allein 60 Gebäude in der Gemeinde müssten aber noch abgerissen werden, zu groß seien die Schäden, die auch durch die Kontaminierung der Wände mit Heizöl entstanden seien. „Wenn‘s bei uns daheim derzeit gemütlich wird, gehen in Dernau die Flutlichtmasten an“, sagt Schwall.

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